In Neuweiler ging es mal wieder um den Pumptrack, also eine angelegte Mountainbikestrecke. Und auch um eine etwa 31 Kilometer lange Strecke für einen Mountainbiketrail.
„Das Projekt zur Planung und Erstellung eines Geländes für Moutainbikes mit anschließender Mountainbikestrecke wird nicht weiterverfolgt.“ Das sitzt.
So lautete die Beschlussvorlage für die jüngste Sitzung des Neuweiler Gemeinderats. Es ging – mal wieder – um den sogenannten Pumptrack, also eine angelegte Mountainbikestrecke, und darüber hinaus um eine etwa 31 Kilometer lange Strecke für einen Mountainbiketrail in Neuweiler.
Pumptrack Mit dabei war am Dienstagabend, wie vor gut zwei Jahren schon einmal, Christian Ludewig von der Firma „Pro-cyCL“. Er präsentierte den Stand der Planungen. Anders als damals indes ist der Pumptrack nun auf dem Vereinsgelände des SV Agenbach vorgesehen. Zunächst war angedacht gewesen, ihn beim neuen Kindergarten und der Grundschule in Neuweiler zu bauen.
Kaum Rückmeldungen
70 auf 25 Meter, also 1750 Quadratmeter, misst der Entwurf. Der neue Standort hat aus Ludewigs Sicht Vorteile: Zum einen stehe der SV Agenbach dahinter, zum anderen gebe es auf dem Vereinsgelände kein Problem mit der Lärmbelästigung.
Weniger begeistert indes waren die angefragten Unternehmen, die den Pumptrack bauen könnten: Es gab kaum Rückmeldungen. Aus den erfolgten ergab sich die Schätzung, dass der Bau durch einen Trailbauer zwischen 80 000 und 95 000 Euro kostet. Allerdings fördert die Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald den Pumptrack zu 60 Prozent. Dies gilt auch für den angedachten Moutainbiketrail. Die restlichen 40 Prozent der Kosten müsste Neuweiler tragen – was im günstigsten Fall 32 000 Euro entspricht.
Trailtour An der Trailtour, einer gut 31 Kilometer langen Mountainbikestrecke auf Neuweiler Gemarkung, feilt „Pro-cyCL“ gerade noch. Die vorgesehene Rundtour führt an drei Stellen durch Privatwald. Das Landratsamt Calw fordert, vorab bei den Waldbesitzern Genehmigungen einzuholen. Auch deshalb ist die Route noch immer nicht fix.
60 Prozent Fördermittel
„Was kommt an Kosten für die Trailtour auf uns zu?“, wollte Gemeinderat Micha Stockinger (Freie Wählerunion) wissen. Ludewig rechnet mit 10 000 bis 15 000 Euro. Doch auch davon wären 60 Prozent Fördermittel, Neuweiler müsste also zwischen 4000 und 6000 Euro aufbringen.
Diskussion Ratsmitglied Samuel Wolf berichtete derweil, wie sehr der SV Agenbach hinter dem Projekt Pumptrack steht. Der Verein würde sogar den Unterhalt der Anlage übernehmen, sollte der Track gebaut werden. Allerdings sagte Wolf auch, der Verein könne sich eine etwas kleinere Version vorstellen als von „Pro-cyCL“ geplant. Darüber hinaus „haben wir im Verein viele ,baufähige’ Leute“: Dadurch könnten sich die Kosten für die Gemeinde reduzieren, meinte der FWU-Rat. In Eigenleistungen sieht er noch „ziemlich viel Potenzial“, um die Kosten zu senken.
Weg vom Bildschirm
Fraktionskollege Reinhard Kussack nannte den Pumptrack „eine attraktive Geschichte“, auch Patrick Veyhl (Zukunft für Neuweiler) befürwortete das Vorhaben. Der Track „hilft, die jüngere Generation weg vom Bildschirm nach draußen zu bringen“.
Bernd Greule (FWU) äußerte sich ebenfalls positiv, meldete aber mit Blick gerade auf die Trailtour Bedenken an.
Bedenken Die geplante Route führe durch viele Wildruhezonen. Das Wild werde durch die Mountainbiker aufgeschreckt. Doch je mehr Unruhe unter dem Wild im Wald herrscht, desto mehr Verbiss gebe es, gab er zu bedenken.
Damit sprach er ein Thema an, das etliche weitere Räte bewegte mit Blick auf die lange Rundstrecke.
Jonathan Stockinger äußerte zwei Gedanken: Entweder man verstärke durch den Trail den ohnehin vorhandenen Waldtourismus noch, oder man bringe die Leute dazu, die ausgeschilderten Wege verstärkt zu nutzen, dafür finde das Wild anderswo wieder mehr Ruhe.
Stellungnahme Jan Heckmann von der Unteren Forstbehörde im Landkreis und Revierförster Stefan Rückert waren wegen des Waldberichts ohnehin in der Sitzung. Sie gaben deshalb auf Bitte hin eine Stellungnahme zu dem Thema ab.
Gewisse Beunruhigung
Der Trail und die Mountainbiker, die dort unterwegs sind, führten „sicherlich zu einer gewissen Beunruhigung“ des Wilds, meinte Heckmann. Gleichzeitig stellen Radler wie Spaziergänger keine Gefahr für die Tiere da – anders als Jäger. Anderswo, berichtete Heckmann, ist das Wild sogar zutraulich Spaziergängern gegenüber. Gleichzeitig sagte er: „ Natürlich werden die Räume immer weniger“ für die Tiere. Und wo so etwas wie der Trail entstehe, konzentrierten sich die Besucher und zögen weitere an.
Revierleiter Rückert stimmte seinem Kollegen zu und gab noch zu bedenken, dass die Arbeit der Waldarbeiter beeinträchtigt werde durch den Trail. Müssten sie künftig noch Umleitungen ausschildern, um arbeiten zu können?
Verwaltungssicht Solche Bedenken hätten nach „vielen Diskussionen“ in der Verwaltung zu dem Beschlussvorschlag geführt: „Wir verfolgen das Projekt nicht weiter“, erklärte daraufhin Bürgermeister Martin Buchwald.
„Super Sache!“
„Das wäre natürlich das Einfachste“, entgegnete Gemeinderat Bernd Greule. Aber deswegen das Projekt opfern? Nein, meinte denn auch Anton Höschle (ZfN). „Ich finde das eine super Sache!“ Und: „Wir geben viel Geld aus für andere Sachen, sollten wir da nicht auch ein bisschen Geld ausgeben für uns Menschen?“ In dem Zusammenhang wurden dann die Fledermäuse erstmals erwähnt, die durch den Bau der Hesse-Bahn und erforderliche Maßnahmen einige Berühmtheit erlangten.
Weitere Räte schlossen sich an. Was Buchwald zum Schluss brachte, das „nicht“ aus der Beschlussvorlage zu streichen. Und genau dafür sprachen sich dann alle außer einem Gemeinderat aus: Das Projekt Pumptrack und Mountainbiketrail doch weiterzuverfolgen.