Pumas sind schön,scheu und manchmal gefährlich Foto:  

Weil sich der Puma-Bestand in Nordamerika erholt, wird das Nahrungsangebot für die Raubkatzen knapp. Die Folge: Angriffe auf Menschen nehmen deutlich zu

Edmonton - Berglöwen gelten als ausgesprochen scheu. Doch sie werden immer gefährlicher. Seit 1990 sind in Nordamerika zehn Menschen durch Puma-Angriffe ums Leben gekommen, fast so viele wie in den gesamten einhundert Jahren davor. Von den 110 registrierten Angriffen der vergangenen 120 Jahre ereigneten sich mehr als die Hälfte in den letzten zwanzig Jahren.

Die Gründe sind vielfältig. Studien zeigen, dass die Puma-Populationen in vielen Gebieten Nordamerikas wegen umfangreicher Schutzgesetze zuletzt deutlich gestiegen sind. Noch vor einem Jahrhundert galten die Tiere wegen der Jagd und Wilderei als fast ausgerottet. Heute sind sie auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN als nicht gefährdet geführt. Viele Tiere erweitern wegen der starken Nahrungskonkurrenz untereinander ihre Reviere immer weiter. So haben sie bessere Chancen auf Beute, etwa auf Wild oder Kleinsäuger.

Hungrige Pumas sind besonders gefährlich

In ihrer Not wagen sie sich auch immer näher an Ortschaften und menschliche Siedlungen heran. Im einigen Regionen im Westen Kanadas wurden zudem natürliche Beutetiere wie Opossums, Stachelschweine oder Dachse nahezu ausgerottet, und viele der Raubkatzen sind hungrig.

Der jüngste Vorfall ereignete sich auf ­Flores Island, einer kleinen Insel vor der Westküste Kanadas. Die 60-jährige Sandy (ihren Nachnamen will sie nicht in der Zeitung lesen) kümmerte sich gerade um ihre Blumenbeete vor dem Haus, als sie Opfer einer Puma-Attacke wurde. Mit einem kraftvollen Satz warf der Berglöwe die Kanadierin zu Boden, schlug seine Zähne in ihren Körper und schleifte sie ins Gebüsch. Das Tier ließ erst von seinem Opfer ab, als Sandys Lebensgefährte ihm einen Speer in die Schulter bohrte. Die Frau wurde in ein Krankenhaus geflogen und überlebte ihre schweren Verletzungen. Ihr Angreifer wurde kurz danach von Biologen tot aufgefunden. Das 18 Monate alte und 40 Kilogramm schwere Tier hatte nur ein Eichhörnchen im Magen.

Nach Puma-Attacke ein Leben lang gezeichnet

Sandy befindet sich mittlerweile auf dem Weg der Besserung. In einem Interview mit der Zeitung „Globe and Mail“ schilderte sie erstmals ihren Überlebenskampf. „Ich war so schwer verletzt, ich wollte nur noch sterben.“ Obwohl sie ihr Leben gezeichnet bleiben wird – sie kann ihre rechte Hand nicht mehr bewegen, und die Haare wachsen nach diversen Schädeloperationen nur langsam nach –, hegt sie keinen Groll gegen die Raubkatzen. „Ich will nicht, dass die Menschen jetzt Angst haben“, sagte sie. „Es war doch nur ein einzelner böser Puma.“

Behörden raten Bewohnern entlegener Gebiete, stets wachsam zu sein und immer ein Pfefferspray mit sich zu tragen. Zwar sind Puma-Angriffe seltener als etwa Attacken von Haushunden. Doch die Behörden zählten diesen Sommer alleine in der Küstenprovinz British Columbia mindestens fünf Angriffe oder versuchte Angriffe. Der Touristenort Banff in den Rocky Mountains war nach einer Attacke auf einen Skateboarder tagelang in Alarmbereitschaft. Am Ende gab es zum Glück nur Verletzte.

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