Wie pünktlich und sauber sind die Züge in Baden-Württemberg? Ein Ranking zeigt: Die vier Netze im Ortenaukreis haben noch Luft nach oben.
Verspätungen, verpasste Anschlüsse, vollgestopfte Züge: Der Schienenverkehr hat nicht den besten Ruf.
Wie pünktlich, zuverlässig und sauber die Züge des Schienenpersonennahverkehrs wirklich sind, zeigt das „Bwegt-Qualitätsranking“ des Landesministeriums für Verkehr. In der digitalen Übersicht unter bwegt.de/schiene/qualitaet-im-spnv wird gezeigt, wie die 33 Netze, die es in Baden-Württemberg gibt, in puncto Qualität abschneiden.
Unsere Redaktion hat sich die Auswertung für das zweite Halbjahr 2024 der Strecken, die durch die Ortenau führen, genauer angesehen.
Welche Strecken gibt es im Ortenaukreis?
Es kann zwischen vier Netzen gewählt werden: Die Schwarzwaldbahn der Deutschen Bahn (DB) transportiert Passagiere auf einer Strecke von 251 Kilometern von Karlsruhe über Offenburg bis nach Konstanz. Von Karlsruhe über Freiburg bis nach Basel fährt der Rheintal-Regionalexpress der DB (195 Kilometer). Die Rheintal-Regionalbahn der DB fährt 165 Kilometer von Offenburg über Emmendingen nach Freiburg und Basel. Eine vierte Option bietet die SWEG mit dem 165-Kilometer-Netz „Ortenau“, das sechs Linien beinhaltet (Freudenstadt-Offenburg, Offenburg-Bad Griesbach, Achern-Ottenhöfen, Offenburg-Straßburg, Hausach-Hornberg, Biberach-Riersbach).
Wie sind die Züge jeweils ausgestattet?
Die Schwarzwaldbahn fährt mit Doppelstockgarniturzügen, Steckdosen gibt es, Wlan aber nicht. Der Rheintal-Regionalexpress fährt mit Zügen des Typs „Siemens Desiro HC“, die Rheintal-Regionalbahn mit „Siemens Mireo“, die Züge der SWEG sind vom Typ „Siemens Mireo Plus B“ bei allen gibt es Steckdosen und Wlan.
Wie schneiden die Netze in der Gesamtwertung ab?
Bei insgesamt 33 Netzen und einer Maximalpunktzahl von 100 schneidet die Schwarzwaldbahn auf Platz 12 von den Ortenauer Netzen mit 44,7 am besten ab. Die SWEG landet mit 39,7 Punkten auf Platz 16, gefolgt vom Rheintal-Regionalexpress (35,3 Punkte, Platz 20) und Rheintal-Regionalbahn (28,8 Punkte, Platz 28). Zum Vergleich: Auf Platz eins landete das Netz „Klettgau“ mit 91,9 Punkten. Dargestellt werden Daten vom 1. Juli bis 31. Dezember 2024. Zur Gesamtbewertung werden die Einzelkriterien ins Verhältnis zu vertraglichen Zielwerten gesetzt. Im Endergebnis zählen Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Gesamtzufriedenheit je 25 Prozent, Zugkapazität und Sauberkeit 15 und zehn Prozent.
Wie pünktlich sind sie?
Am pünktlichsten mit 87,3 Prozent trafen die Züge der SWEG ein. Bei der Rheintal Regionalbahn lag die Pünktlichkeitsquote bei 79,2 Prozent, gefolgt von Rheintal-Regionalexpress (77,7 Prozent) und Schwarzwaldbahn (75,7 Prozent). Als pünktlich gilt ein Zug, wenn er maximal 3,59 Minuten zu spät ankommt. Die Quote ergibt sich als Verhältnis aus der Anzahl der pünktlichen zu sämtlichen Ankünften. Züge, die als ausgefallen gelten (ab 31 Minuten), werden herausgerechnet.
Wie sieht es in puncto Zuverlässigkeit aus?
Der Punkt „Zuverlässigkeit“ beleuchtet die Zugausfälle. Bei einer Zuverlässigkeitsquote von 100 Prozent gab es keinerlei selbstverschuldete Ausfälle. Die Skala reicht von einer 99,9 prozentigen Zuverlässigkeit auf dem ersten Platz bis zu einer 96,7 prozentigen auf dem letzten. Die vier Ortenauer Strecken liegen dazwischen mit 99,5 Prozent (Rheintal Regionalexpress), 99,4 (Schwarzwaldbahn), 99,3 (Rheintal Regionalbahn) und 99,25 (SWEG).
Wie sauber sind die Züge?
Bei der Sauberkeit liegen die Werte insgesamt zwischen 93,8 Prozent auf dem ersten und 82,2 Prozent auf dem letzten Platz. Die saubersten Züge in der Ortenau betreibt die SWEG, die mit 87,9 Prozent Platz zwölf belegt. Es folgen Rheintal-Regionalbahn (Platz 21, 85,8 Prozent), Schwarzwaldbahn (Platz 29, 83,6 Prozent) und Rheintal-Regionalexpress (Platz 30, 83,3 Prozent). Laut Verkehrsministerium checken Qualitätsprüfer jedes Jahr stichprobenartig die Erfüllung der Sauberkeit. Daraus ergibt sich die Quote.
Wie zufrieden sind Gäste?
Zur Gesamtzufriedenheit werden Gespräche mit Fahrgästen gesucht, die die Leistungen des jeweiligen Netzes mit Schulnoten bewerten. Die beste Schulnote hat mit 1,45 die „Albbahn“, die schlechteste mit je 2,81 „Hochrhein“ und „S-Bahn Rhein-Neckar“. Die Anbieter in der Ortenau wurden von den Passagieren mit 2,45 (SWEG), 2,54 (Schwarzwaldbahn), 2,7 (Rheintal Regionalexpress) und 2,75 (Rheintal Regionalbahn) bewertet. Damit liegt die Rheintal-RB knapp vor den Schlusslichtern.
Was sagen die Betreiber?
Die insgesamt vergleichsweise mittelmäßige Bewertung des SWEG-Netzes führt Pressesprecher Christoph Meichsner auf die vielen Baustellen im Bereich der Schieneninfrastruktur deutschlandweit zurück, die sich in Knotenpunkten wie Offenburg und stark belasteten Abschnitten wie der Rheintalbahn besonders bemerkbar machen würden. Er merkt zudem an, dass bei der Fahrgastwahrnehmung ein Mischwert entstehe, weil die Fahrzeuge des Typs „Regio Shuttle“ und die neuen Batteriehybrid-Züge von den Kunden ganz unterschiedlich wahrgenommen werden würden. „Der im vergangenen Jahr auf der Strecke Offenburg-Freudenstadt notwendige Umstieg in Hausach hat auch zu Unmut geführt“, so Meichsner weiter. Dass die Sauberkeit im Vergleich zu Rankings aus früheren Halbjahren eine steigende Tendenz aufweist, führt er auf den Einsatz der neuen Fahrzeuge zurück.
Statement der DB
„Wir freuen uns über die Punkte, bei denen wir uns verbessert haben und tun alles dafür, dran zu bleiben und für unsere Fahrgäste auch weiter besser zu werden“, gibt die Sprecherin der Bahn für Baden-Württemberg als Statement ab – das Ranking sei ein Ansporn.
Das Gesamtranking
Das komplette „Bwegt-Qualitätsranking“ des zweiten Halbjahres 2024, weitere Daten aus anderen Zeiträumen und weiterführende Informationen gibt es online.