Stimmung top: Zumindest, so lange Deutschland nicht ausscheidet. Foto: Jörg Braun

Die Stadt hat Live-Übertragungen bei der Fußball-WM vom 11. Juni bis 19. Juli teils bis nach Mitternacht erlaubt. Welche Wirte machen davon Gebrauch? Die Redaktion fragte nach.

Noch größer, noch mehr Spiele, noch mehr Teams: Die kommende Fußball-WM setzt auf Superlative. Mit dem vollgepackten Spielplan und der Zeitverschiebung nach Nordamerika bringt das Turnier aber auch einige Besonderheiten für Fans mit sich.

 

So gibt es vergleichsweise wenige Parallelspiele. Nur am letzten Gruppenspieltag werden die Partien einer Gruppe zeitgleich angepfiffen – um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden. Aufgrund der Vermarktungslogik der Fifa gibt es so viel Fußball wie nie zuvor. Ob nachts um 1 Uhr, frühmorgens um 6 oder abends um 18 Uhr: Wer möchte und die Zeit dafür aufbringt, kann fast rund um die Uhr Fußball schauen – und das über Wochen hinweg. Nur mittags hat man in unserer Zeitzone kurz Gelegenheit, sich vom Fußballfieber zu erholen, bevor am Abend das Leder wieder rollt.

Für das öffentliche Fußballschauen unter freiem Himmel gibt es allerdings zum Schutz der Anwohner Einschränkungen. Die Stadt Lörrach hat dazu ihre Regeln veröffentlicht. Dort heißt es: „Grundsätzlich dürfen alle Partien der Weltmeisterschaft im öffentlichen Raum gezeigt werden, deren Anpfiff bis einschließlich 22 Uhr erfolgt.“ Danach gilt eine zusätzliche halbe Stunde Übergangszeit, bevor die Sperrzeit greift.

Keine Lust auf Massenevents?

Veranstalter können Public-Viewing-Events beim Ordnungsamt der Stadt Lörrach beantragen. Hamudi Dhini, Inhaber des Restaurants „Merano RestoBar“ auf dem Meeraner Platz, hat das bereits getan. Er stellt Bierbänke auf und zeigt die Spiele der Deutschen, die Spiele der Türkei und – falls es die Anstoßzeiten erlauben – alle Partien ab dem Achtelfinale auf Großbildschirm. So groß wie vor einigen Jahren, als auf dem Meeraner Platz noch 1000 Besucher kamen, soll es aber nicht mehr werden.

Diese Aussage deckt sich mit dem aktuellen Trend. Public Viewing auf Großbildleinwand war vor allem von der Heim-WM 2006 bis zum deutschen WM-Sieg 2014 angesagt, hat in den vergangenen Jahren aber deutlich an Bedeutung verloren: Die Stadt organisiert seit einigen Jahren keine eigenen Veranstaltungen mehr, und offenbar planen auch andere Anbieter keine größeren Public-Viewing-Events: „Für größere Veranstaltungen im öffentlichem Raum liegen bisher keine Anträge vor“, sagt Monique Amend vom Fachbereich „Medien und Kommunikation“ der Stadt auf Nachfrage unserer Redaktion.

Statt riesiger Menschenmassen verteilt sich das Fußballschauen inzwischen dezentral auf mehrere Lokale in der Innenstadt. Weil die Spiele draußen gezeigt werden, vermischt sich das Public Viewing dabei oft mit dem normalen Stadtleben, vor allem am Alten Marktplatz. Die Lokale Drei König, Zum Wilden Mann und Alt Stazione wollen dort Public Viewing anbieten. Allerdings gibt es durch Überschneidungen mit dem Weindorf (17. bis 20. Juni) und den Marktplatzkonzerten des Stimmen-Festivals (24. bis 28. Juni) an diesen Tagen nur eingeschränktes Public Viewing.

Bar Drei König-Inhaber Driton Dizdari zeigt „auf jeden Fall alle Spiele mit deutscher Beteiligung“ – und darüber hinaus die Begegnungen, die zeitlich noch reinpassen. Er freut sich auf eine angenehme WM-Stimmung in Lörrachs Innenstadt – mit der Entwicklung, dass die FIFA ihre Turniere immer weiter aufbläst, kann er dagegen wenig anfangen.

Gute Stimmung – solange Deutschland dabei ist

Beim Alt Stazione freut sich Inhaberin Dzenita Jäkel über die erst zweite WM-Teilnahme Bosniens überhaupt. „Ich bin total stolz“, sagt sie. Sie will auf jeden Fall einen großen Fernseher aufstellen und abends, wenn das Wetter mitspielt, die Spiele draußen laufen lassen. „Falls es mal zwei Spiele auf einmal gibt, lassen wir das Publikum entscheiden, was es sehen will.“ Zum Essen wird es Grillwürste und Burger geben.

Der Dritte im Bunde ist der Wilde Mann. Inhaber Martin Hacker will alle Spiele zeigen, die von den Öffentlich-Rechtlichen übertragen werden – und zwar auf zwei Fernsehern und einem Großbildschirm. Dazu wird gegrillt. „Wenn das Wetter stimmt, haben wir auf dem Marktplatz richtig was los. Dazu tragen auch die großen Fangruppen der Spanier, Portugiesen oder Italiener bei, die wir hier in Lörrach haben.“

Allerdings sei die Resonanz sehr davon abhängig, dass die Deutschen im Turnier verbleiben. „Fliegen die Deutschen raus, haben wir insgesamt vielleicht noch ein Drittel des Publikums.“ Und kommen auch Fußballfans der Nati? „Wenig“, sagt Hacker und lacht. „Die Schweizer haben ihre eigenen Veranstaltungen. Aber einige kommen am nächsten Tag vorbei, um zu erzählen, wie toll sie gestern wieder gespielt hätten.“

Warm-Up mit dem SC Freiburg

Sofern die Genehmigung erteilt wird („Davon gehe ich aus“, sagt Martin Hacker), soll bereits das Europa-League-Finale zwischen Freiburg und Aston Villa auf dem Großbildschirm laufen. Damit könnte der Fußballsommer in Lörrach schon vor WM-Beginn ein erstes Warm-up bekommen.