Die Anfänge der Public Viewing in Obertal – noch im Rohbau des evangelischen Gemeindehauses. Foto: Thomas Brucker

Angefangen hat es mit zwei Bockleitern und einem Brett als Zuschauerrang, dazu ein Fernseher, ein Videorekorder, ein Beamer und eine weiße Wand – das war das erste Public Viewing im Gemeindehaus Obertal vor mehr als 20 Jahren.

Inzwischen ist das gemeinsame Fußballschauen im evangelischen Gemeindehaus Obertal längst eine feste Einrichtung geworden.

 

120 bis 150 Menschen kommen zurzeit im Gemeindehaus Obertal zusammen, wenn dort die EM-Spiele mit deutscher Beteiligung übertragen werden. „Das Interesse ist momentan relativ groß“, sagt Thomas Brucker, Vorsitzender des Kirchengemeinderats der Verbundkirchengemeinde Mitteltal-Obertal.

Als 2002 das Public Viewing – damals nannte man es allerdings noch nicht so – in Obertal aus der Taufe gehoben wurde, war Brucker Vorsitzender des CVJM Obertal. Er und sein Vereinsteam hatten zur Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea die Idee, für Jungschaften, Konfirmanden und Jugendkreise eine Übertragung anzubieten – noch im Rohbau des neuen Gemeindehauses.

Aktion spricht sich herum

Damit, so Brucker, seien sie einer der ersten öffentlichen Anbieter einer Fußballübertragung auf einer Großleinwand in der Gemeinde gewesen. Es blieb nicht bei der Jugend. Die Aktion sprach sich herum. „Schon beim zweiten Spiel waren Väter und Mütter, Omas und Opas und weitere Neugierige mit von der Partie“, schreibt Brucker in einem Rückblick. „Plötzlich kamen alle“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Diese erste Übertragung sei der Start in eine erfolgreiche Tradition gewesen. Denn seit dieser Zeit wurden alle Fußball-Weltmeisterschaften und Europameisterschaften im Gemeindehaus übertragen.

Heute weit komfortabler

Mit der Weltmeisterschaft 2006, die als Sommermärchen in die Geschichte einging, kam Public Viewing so richtig in Mode. Immer mehr Übertragungen wurden angeboten, bei denen der Fußball gefeiert wurde. „Wieder einmal war die Kirchengemeinde ein Vorreiter neuer Formen gemeinschaftlicher Treffen und Begegnungen“, schreibt Brucker nicht ohne Stolz. Nach den Anfängen im Rohbau des Gemeindehauses ist einiges weit komfortabler geworden, nicht nur die Räume und die Sitzgelegenheiten, sondern auch die Technik. Zwar, so erinnert sich Brucker, sei auch schon 2002 das Bild zwei Meter breit gewesen, doch inzwischen sind es drei mal fünf Meter. Und dass der Saal komplett abgedunkelt werden könne, sei wichtig für die Bildqualität bei Spielen am Tag. Die Stimmung im Gemeindehaus bei wechselnden Erfolgen der deutschen Nationalmannschaft schildert Brucker in seinem Rückblick als „meistens begeisternd und positiv“. Er ist überzeugt, dass es viele gute Gründe gibt, die EM nicht für sich allein im heimischen Wohnzimmer zu schauen: unter anderem das Gemeinschaftserlebnis und die Atmosphäre.

Das Public Viewing im Gemeindehaus ist inzwischen schon lange eine feste Einrichtung in Obertal

Inzwischen hat für die Kirchengemeinde der Posaunenchor Obertal federführend die Organisation und Bewirtung – mit Getränken, Snacks und einem kleinen Imbiss – übernommen. Übertragen werden auch diesmal alle Spiele, bei denen die deutsche Elf mit dabei ist. Das Gemeindehaus öffnet immer eine Stunde vor Beginn. „Hoffentlich bis zum Finale am 14. Juli in Berlin“, schreibt Brucker.

Jogi Löw signiert Plakat

Noch mal ein Blick zurück zur WM im Jahr 2006, bei der Deutschland Dritter wurde: Damals gastierte Jogi Löw zuvor im Hotel Engel Obertal. Und der signierte für den CVJM ein WM-Plakat. Das sei dann beim Public Viewing der erste Preis beim Tippspiel gewesen, berichtet Brucker.

Jogi Löw und Johannes Brucker im Jahr 2006. Foto: Thomas Brucker

Das Tippspiele gibt es diesmal nicht, auch in Anbetracht des großen Aufwands. Doch das tut der Begeisterung, gemeinsam Fußball am Bildschirm zu verfolgen, keinen Abbruch. Am Samstag steht das Achtelfinale im Gemeindehaus an.