Zwielichtig: Ist er vielleicht der Verbrecher? Foto: Conzelmann

Irrungen und Wirrungen zur Genüge bot der Psychothriller "Das Paket", den das Berliner Kriminaltheater im Rahmen der Literaturtage inszenierte. Die Romanvorlage stammt von Sebastian Fitzek, dem derzeit wohl erfolgreichsten deutschen Autor.

Albstadt-Ebingen - Der Name besitzt magische Zugkraft, das Publikum strömte in die Ebinger Festhalle, um die Vorstellung der Berliner zu sehen. Die waren nicht zum ersten Mal in Albstadt; vor Jahresfrist hatten sie den "Tatortreiniger" aufgeführt, der allerdings eher zum Schmunzeln als zum Fürchten war. Ganz anders diesmal: Den Anfang im "Paket" macht eine Vergewaltigung; der Täter ist ein Psychopath, der seinen Opfer auch noch die Haare abschneidet und deshalb alsbald "Der Friseur" heißt. Sehr beklemmend ist das alles und die Paranoia mit Händen zu greifen.

Protagonistin des Stücks ist die Psychologin Emma Stein, exzellent verkörpert von Alexandra Maria Johannknecht, der die Verwandlung einer lebensfrohen, selbstbewussten Frau in ein zitterndes, panisches Seelenwrack einiges abverlangt – und sie liefert, obwohl im Skript nicht alles nachvollziehbar ist. Vermutlich liegt das an der nicht immer stimmigen Überführung der Romaninhalte ins Drama – beispielsweise kommt das Motiv des imaginären Freundes aus Emmas Kindertagen nicht angemessen zur Geltung. Auch wirken manche Dialoge etwas bemüht. Wohingegen die Bühnenbearbeitung von Marc Rupp und die Inszenierung von Wolfgang Rumpf andere Aufgaben sehr elegant bewältigen: Emma spricht ihre Erlebnisse auf einen Anrufbeantworter, sie hört Nachrichten, Erinnerungsfetzen flimmern als Film über eine Bühnenleinwand. Überhaupt ist die Kulisse mehr als nur Beiwerk – und die atmosphärische Wirkung der Musik unentbehrlich für die Dramatik.

Mit einer Prise Loriot

Emma Stein befindet sich nach der Vergewaltigung in einem psychischen Ausnahmedauerzustand. Ihr Umfeld mag ihr ihre Schilderungen nicht glauben: Ehemann Philipp verliert rasch die Geduld, Anwalt Konrad kommt mit väterlichen Ratschlägen daher, Freundin Sylvia bezichtigt sie des Betrugs. Auch der Postbote lässt sich nicht sogleich der Sparte Freund oder Feind zuordnen – schließlich bringt er das Paket, das dem Stück den Namen gibt. Für humoristische Schlaglichter sorgt ausgerechnet der Paketempfänger, der krebskranke Anton Palandt, dem Schauspieler Hartmut Kühn eine loriothafte Note verleiht. Auch der beste Freund des Ehemanns, Jorgo, könnte letztlich, wie alle im Stück, der Täter sein. Oder hat sich Emma am Ende nicht doch manches ausgedacht?

Fast zuviel des Guten

Die Aufklärung wird am Ende grandios inszeniert und gespielt, bietet fast etwas zuviel des Guten. Immerhin, die unerwarteten Schlusswendungen sind der verdiente Lohn für die gelegentliche Desorientierung – die angesprochenen Irrungen und Wirrungen – im mehr als zweistündigen Stück.