Die Schiltacher Psychotherapeutin Sonja Unger hat ihr zweites Buch veröffentlicht: „Mikrotrauma. Wenn kleine seelische Verletzungen krank machen“. Unsere Redaktion erfuhr in einem Gespräch Näheres über das Konzept des Buchs.
Auch kleinere erlebte Verletzungen können es in sich haben und zu ernstzunehmenden psychischen Erkrankungen führen, wenn sie wiederkehrend auftreten.
Davon ist die 44-jährige Schiltacher Psychotherapeutin Unger auf Basis ihrer Berufserfahrung überzeugt. Wie man konstruktiv mit solchen kleineren Verletzungen umgehen kann und seine innere Stärke entdeckt, das will Unger in ihrem neuen Buch zeigen.
Dabei betont sie, dass die von ihr thematisierten Mikrotraumata noch einmal von Traumatisierungen an und für sich unterschieden werden müssten. Letztere seien nur dann gegeben, wenn mit Erfahrungen auch eine Lebensgefahr einhergegangen sei.
Behandlung von Traumata
Unger ist es als Verhaltenstherapeutin auch wichtig, die Lage Traumatisierter nicht zu bagatellisieren (wie sie es oft in Beiträgen in den Sozialen Medien wahrnimmt), aber gleichzeitig zu zeigen, dass auch die Auswirkungen von Mikrotraumata zu Traumafolgestörungen und empfundener Ohnmacht führen können. Auch auf dysfunktionale Beziehungen stoße sie in ihrem Berufsalltag immer mal wieder, die Menschen stark einschränken würden und besser gelöst würden.
In ihrem Praxisalltag in Schiltach würden Mikrotrauma auch eine größere Rolle spielen als konventionelle Trauma. Für die Behandlung beider Formen sei sie vorbereitet – die betroffenen Patienten würden beispielsweise mittels Imaginationsübungen stabilisiert, es erfolge zu späterem Zeitpunkt eine Traumakonfrontation im geschützten Rahmen, so dass die belastenden Erfahrungen zu bewältigbaren würden. Außerdem erfolge eine Rückführung in einen geregelten Alltag.
Mobbing als Beispiel
Unter Mikrotrauma könne beispielsweise Mobbing gefasst werden, das ein Mensch in der Schule erlebt habe. Eine dort gemachte Erfahrung könne sich etwa auch später im Leben negativ auswirken, wenn die Erfahrung dazu geführt habe, dass damals geprägte negative Glaubenssätze das Handeln desjenigen auch später noch prägen. Deshalb sei es wichtig, eigene Glaubenssätze zu erkennen und in eine konstruktive Form zu transformieren. So sollte sich etwa jeder bewusst werden, dass beim Wechsel in ein neues Umfeld immer die Chance eines gänzlichen Neuanfangs bestehe.
Was das Buch leisten kann laut Unger, ist eine erste Sensibilisierung für die Gefahren der mentalen Gesundheit und die Bewusstmachung von entscheidenden Lebensphasen. Gesunden Menschen helfe es, die psychische Gesundheit zu erhalten. Eine Psychotherapie könne das Buch selbstverständlich nicht ersetzen, weshalb sie auch klassische Anlaufstellen wie etwa einen Hausarzt und Psychotherapeuten im Buch benenne.
Weitere Buchprojekte
Es handelt sich im Übrigen bereits um das zweite Buch von Unger. Ihr erstes Buch „Depression überwinden mit dem Konzept der inneren WG. Wie Sie Meckertante, Schweinehund und ihr inneres Kind ins Gleichgewicht bringen“, fand bereits reichlich Widerhall und landete im Bestand etlicher Bibliotheken.
Über ein drittes Buch denkt Sonja Unger bereits nach. Es könnte sich der Frauengesundheit widmen und beleuchten, welche Rolle die Hormone dabei spielen, dass Frauen deutlich häufiger als Männer psychisch erkranken. Die Lust am Schreiben will Unger jedenfalls beibehalten und ihren Lesern helfen, sich besser zu verstehen, sich mit ihrem Leben auszusöhnen und zu einem von Eigenverantwortung geprägten Leben zu gelangen.