Polizei und Staatsanwaltschaft widersprechen der Angst vieler Anwohner in Dauchingen. Warum Behörden die Lage anders bewerten – und wegen des Psychoterrors dennoch ermitteln.
Eine Hilflosigkeit schildern die Anwohner rund um ein Mehrfamilienhaus im Dauchinger Mummelseeweg, in dem ein offensichtlich psychisch auffälliger Mann Angst und Schrecken verbreitet. Mit regelmäßigen Ausrastern, Beleidigungen bis hin zu Morddrohungen und Psychoterror fühlt sich die Nachbarschaft von ihm gegeißelt. Regelmäßig rückt die Polizei an – zuletzt auch gleich mehrfach über die Weihnachtsfeiertage.
Polizeisprecher Daniel Brill bestätigt auf Anfrage unserer Redaktion, dass es in der Vergangenheit schon häufiger zu Einsätzen in dem Mehrfamilienhaus gekommen ist. Bis vor Weihnachten registrierte die Polizei dort insgesamt 17 Einsätze. „Dabei handelt es sich jedoch nicht ausschließlich um Straftaten, sondern auch um niederschwelligere Einsätze wie Ruhestörungen“, so Brill. Überwiegend sei man wegen Streitigkeiten, Ruhestörungen und Beleidigungen aktiv geworden.
Der Polizeisprecher bestätigt, dass die „Einsatzhäufigkeit stark von einer Person“ abhängt. Die Beamten müssten häufig kurz hintereinander zu dem Haus ausrücken, um dort Maßnahmen zu treffen. Dem wiederholt auffälligen Bewohner wurden in Einzelfällen Platzverweise erteilt, „es kam auch zu Überstellungen in eine psychiatrische Anstalt“.
So geschehen ist dies ebenfalls Anfang Dezember, als Anwohner Knallgeräusche meldeten und den Mann mit einer möglichen Schusswaffe durch die Straße laufen sahen. Die mögliche Bedrohungslage löste einen größeren Polizeieinsatz aus. Dabei wurde zudem die Bevölkerung während der Maßnahmen vom Polizeipräsidium über die Suche nach einer „psychisch auffälligen Person“ aktiv informiert.
„Sicherheit der Bewohner nicht gefährdet“
Nachdem diese schließlich gefunden und fachmedizinisch betreut worden war, liefen die Ermittlungen hinsichtlich der möglichen Schusswaffe. Eine Anwohnerin beteuert im Gespräch mit unserer Redaktion, eine solche gesehen zu haben – auch deshalb habe sie voller Angst den Notruf gewählt. Doch die Beamten konnten keine Waffe bei dem Mann finden. Brill: „Die Polizei hat keine Hinweise erlangt, die darauf schließen lassen, die Person sei bewaffnet oder habe Zugang dazu.“ Ob er sie möglicherweise während der Suchmaßnahmen weggeworfen habe, blieb offen.
Auch wenn die Beamten nach der entsprechenden Meldung mit spezieller Schutzausrüstung und Maschinenpistolen ausgerückt waren, schätzt die Polizei die Lage im Mehrfamilienhaus als nicht gefährlich ein – eine Einschätzung, die bei den Anwohnern auf Unverständnis stößt. „Die Sicherheit der Bewohner ist nicht gefährdet“, betont Brill.
Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben
Aber: Die Ermittlungsbehörden sind mittlerweile tätig geworden, nachdem mehrere Anzeigen gegen den Betroffenen vorliegen. Das bestätigt Andreas Mathy im Namen der Staatsanwaltschaft Konstanz. Einen Fall einer Beleidigung habe man zunächst eingestellt und den Anzeigeerstatter auf den Privatklageweg verwiesen. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft erklärt warum: „Es handelte sich um den ersten Fall dieser Art.“
Anders stellte es sich im darauffolgenden Fall dar: Wegen Beleidigung, Bedrohung und Körperverletzung hat die Staatsanwaltschaft nicht nur ermittelt, sondern kürzlich auch Anklage beim Amtsgericht Villingen-Schwenningen erhoben. Hier soll es zu einer öffentlichen Hauptverhandlung gegen den Mann kommen. Der dritte Fall, abermals eine Beleidigung, sei noch anhängig und Gegenstand weiterer Ermittlungen. Einem möglichen Vorwurf der Untätigkeit will man bei den Ermittlungsbehörden deshalb entgegentreten – hier sei man bereits tätig geworden, um die Strafverfahren voranzutreiben.
Weitere Fortsetzung
Sicht der Gemeindeverwaltung
Was hat Dauchingen unternommen, um die Situation im Mummelseeweg zu befrieden? In einem weitere Artikel gibt die Gemeinde eine Stellungnahme ab.