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Psychisch krank Erkrankungen nehmen weiter zu

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Stuttgart - Immer mehr Menschen im Land bedürfen einer Betreuung durch die sozialpsychiatrischen Dienste von Kirche und Wohlfahrtsverbänden. Die härter gewordenen Lebensumstände spielen eine Rolle, aber auch die Enttabuisierung von psychischen Erkrankungen.

Im vergangenen Jahr mussten landesweit 21.330 Menschen in den sozialpsychiatrischen Diensten der Liga der freien Wohlfahrtspflege die Hilfe von psychologischen Beratern in Anspruch nehmen. Das entspricht einem Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von acht Prozent. Das Ergebnis korreliert mit den jüngsten Gesundheitsreports von Deutscher Angestellten-Krankenkasse (DAK) und Techniker-Krankenkasse (TK): Die TK hat 2009 eine Zunahme der psychischen Erkrankungen in Baden-Württemberg um 13 Prozent binnen eines Jahres ermittelt. Laut DAK ist in der Arbeitswelt mittlerweile jeder zehnte Krankheitstag psychisch bedingt.

Die häufigsten Krankheitsbilder sind Schizophrenie (44 Prozent), gefolgt von Depression (26) sowie Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (elf Prozent). 58 Prozent der Patienten in den Angeboten von Caritas, Diakonie, Rotem Kreuz und Co sind weiblich. "Der größte Teil der chronisch psychisch Kranken lebt in relativer Armut. Sie sind zumeist alleine, häufig auch isoliert und haben nur eingeschränkte gesellschaftliche Teilhabechancen", sagte Wolfgang Mohn von der Caritas am Dienstag bei der Vorstellung des Liga-Jahresberichts. Weitere Fakten: Nur sieben Prozent der Betroffenen können ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten. Die große Mehrheit ist auf die eigene Familie oder den Staat angewiesen. "Prekäre Lebenslagen und psychische Erkrankungen stehen vielfach in einer negativen Wechselwirkung zueinander", so Mohn. Ebenfalls auffallend ist, dass neben der Hauptklientel aus der Lebensmitte immer mehr Jüngere und Ältere psychologische Hilfe in Anspruch nehmen.

Fast neun Prozent der heutigen Patienten sind zwischen 18 und 27

Was die Senioren angeht, so sind sicher demografische Gründe ausschlaggebend. Bei den Jüngeren bringt Matthias Kneißler vom Diakonischen Werk die veränderten Lebensgewohnheiten ins Spiel. Konkret: der zunehmende Genuss von Rauschmitteln, insbesondere von Cannabis. "Ganz klar, wir haben heute mehr drogenbedingte Psychosen als früher", sagt Kneißler. Hinzu komme, dass sich die Wirkung der Droge durch gezielte Züchtungen in den vergangenen Jahren um den Faktor 30 erhöht habe. Fast neun Prozent der heutigen Patienten sind zwischen 18 und 27. 14 Prozent der Betroffenen weisen laut Jahresbericht eine "behandlungsbedürftige Suchtproblematik" auf.

Kneißler verweist aber auch auf die Arbeitswelt und die "allgemein härter gewordenen Lebensumstände". Leider sei immer häufiger zu beobachten, dass die Menschen ihren Erwartungen nicht mehr gerecht werden und daran erkranken. Als zweiten Grund für den ständigen Anstieg der Fallzahlen nennen die Experten die Enttabuisierung speziell der Depression. Hier sei ein anderes Bewusstsein eingekehrt, das Stigma einer psychischen Erkrankung nicht mehr so stark ausgeprägt. Folglich trauten sich Betroffene eher, sich ihre Probleme einzugestehen und Hilfe anzunehmen.

Dennoch haben viele Betroffene immer noch Probleme, offen mit ihrer Krankheit umzugehen, berichtete Rainer Höflacher vom Landesverband Psychiatrie-Erfahrener. Dazu zähle auch, dass ihnen häufig der Antrieb fehle, das Haus zu verlassen, um zum Arzt, Therapeuten oder Sozialarbeiter zu gehen. Umso wichtiger sei es, den Leistungsumfang der sozialpsychiatrischen Dienste, deren Mitarbeiter auch zu den Betroffenen nach Hause gehen, aufrechtzuerhalten. Höflacher: "Sie dürfen nicht zu reinen Beratungsstellen verkommen."

Wolfgang Mohn von der Caritas will erreichen, dass das Land seine Pauschalen für die 55000 Fachkräfte von derzeit 9700 Euro (die Landkreise zahlen denselben Betrag obendrauf) um 20 Prozent erhöht. Um die gleiche Zahl habe die Zahl der zu betreuenden Klienten in den vergangenen sechs Jahren zugenommen. Der jährliche Festbetrag blieb dagegen unverändert.

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