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Prozessauftakt Gewaltrausch im Bordell

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Das Dreifarbenhaus in Stuttgart Foto: Kraufmann

Stuttgart - Im Bordell Dreifarbenhaus in der Innenstadt wird man noch lange an den 30. April dieses Jahres zurückdenken. Trotz der hohen Sicherheitsstandards kam es zu einem brutalen Übergriff eines Freiers. Ein 63-jähriger Türsteher verlor dabei fast sein Leben.

Michael F., der 33-jährige mutmaßliche Täter, steht seit Mittwoch vor der 9. Schwurgerichtskammer des Landgerichts Stuttgart. Die Staatsanwaltschaft geht von versuchtem Mord und der Vergewaltigung an einer der im Dreifarbenhaus angestellten Prostituierten aus. Das Verbrechen, wie es in der Anklageschrift geschildert wird, ist an Kaltblütigkeit kaum zu überbieten - dabei fing alles ganz harmlos an. Die Prostituierte und ihr Freier hatten sich auf 30 Euro für zwanzig Minuten Geschlechtsverkehr geeinigt. Während des Aktes wurde der 33-Jährige immer aggressiver und wollte das Kondom abstreifen. Dagegen setzte sich die Frau heftig zur Wehr und schrie um Hilfe, weshalb ihr Peiniger begann, sie zu würgen.

Als der 63-jährige Türsteher ins Zimmer eilte, ließ Michael F. von der Prostituierten ab und stürzte sich nackt auf den Sicherheitsmann. Mit Faustschlägen und Tritten traktierte er den Mann und ließ auch dann nicht von seinem Opfer ab, als es schon längst bewusstlos am Boden lag. "Er nahm Anlauf wie ein Fußballer beim Elfmeterschießen und trat ihn voll gegen den Kopf", erzählt die 33-jährige Prostituierte vor Gericht. Anschließend soll der Angeklagte den ohnmächtigen Türsteher sogar wieder hochgezogen und mehrmals gegen die Wand geschleudert haben. Nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus hing das Leben des 63-Jährigen am seidenen Faden, denn durch die grausame Attacke hatte er nicht nur zahlreiche Knochenbrüche und Prellungen erlitten, sondern auch einen lebensgefährlichen Lungenriss. Mit einer Notoperation konnte er gerettet werden.

"Er kam ins Zimmer, da habe ich zugeschlagen"

In seiner Vernehmung legte der zuletzt in Wernau (Kreis Esslingen) lebende Michael F. ein Teilgeständnis ab. Während er die Vergewaltigung bestritt, gab er den Angriff auf den Türsteher zu. "Er kam ins Zimmer und sagte irgendetwas, da habe ich einfach zugeschlagen", berichtet der Angeklagte. "Warum ich das getan habe, kann ich mir selbst nicht erklären." Er könne sich nur bruchstückhaft an den Abend erinnern und sei immer noch durcheinander wegen der Tat.

Der Vorsitzende Richter Wolfgang Hahn erklärte zu Beginn der Verhandlung, dass bei dem 33-Jährigen im Falle einer Verurteilung möglicherweise die dauerhafte Unterbringung in einer Psychiatrie infrage kommt. Das habe ein erstes Gutachten des psychologischen Sachverständigen ergeben, der im weiteren Prozessverlauf noch ausführlich zu Wort kommen wird.

Michael F. sagte aus, dass er seit vielen Jahren Stimmen in seinem Kopf höre. "Manchmal sind es minutenlange Schreie, manchmal ganz normale Gespräche", schildert der 33-Jährige. Oft habe er versucht, die Stimmen mit Alkohol "wegzutrinken." Seit seiner Inhaftierung wird er mit Medikamenten behandelt, inzwischen fühle er sich besser und könne auch klarer denken.

Der Lebensweg des Angeklagten liest sich wie eine Aneinanderreihung von Rückschlägen und Kuriositäten. Nach dem bestandenen Realschulabschluss habe er eine Ausbildung zum Polizeibeamten begonnen, musste diese jedoch nach einer nicht bestandenen Prüfung abbrechen. Bis zu seiner Verhaftung schlug er sich mit Gelegenheitsjobs durch, lebte die meiste Zeit aber von Hartz IV. 1999 heiratete er eine Thailänderin, doch nach sechs Monaten ging die Beziehung in die Brüche - auf dem Papier besteht die Ehe bis heute. Seine Eltern, bei denen er zwischenzeitlich wohnte, setzten ihn vor die Tür. "Ich soll meine Mutter bedroht und meinen Vater geschlagen haben, doch davon weiß ich nichts", berichtet Michael F. Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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