Am zweiten Verhandlungstag gegen den 46-Jährigen, der in Altensteig eine 17-Jährige vergewaltigt haben soll, ging es unter anderem darum, wie glaubwürdig die Teenagerin ist.
Zum Zeitpunkt des mutmaßlichen Übergriffs lebte die damals 17-Jährige in einer Jugendhilfe-Einrichtung in einer Wohngruppe. Nun wurde ihre beste Freundin im Zeugenstand vernommen.
Ihre Freundin sei am fraglichen Tag völlig aufgelöst zurückgekommen und weinend die Treppe nach oben gerannt. Sie sei dann nach oben gegangen, berichtet die Zeugin, und habe das mutmaßliche Opfer im Bad vorgefunden. „Sie wollte erst gar nicht sagen, was passiert ist“, erklärt die 18-Jährige im Zeugenstand. Sie habe die 17-Jährige dann gefragt, was los sei und einige Szenarien in den Raum geworfen.
Auf die Frage: „Hat dich jemand angefasst?“ habe das Mädchen schließlich genickt. Die Zeugin berichtete, mehrere Namen genannt zu haben. So kam sie auf den Angeklagten. Von diesem hatte ihre Freundin vorher schon gesprochen.
Sie sei dann nach unten gegangen und habe einem Betreuer Bescheid gesagt. „Sie ist zu mir heruntergekommen und hat gesagt: Ihr geht es nicht gut, sie hat sich oben im Badezimmer eingesperrt und redet nicht mit mir“, erzählt dieser vor Gericht.
Junge Frau soll sich geritzt haben
Er habe die junge Frau ebenfalls aufgelöst vorgefunden, sie habe sich in den Arm geritzt. Ihm sei klar gewesen, dass etwas Schlimmes geschehen sein musste. Die Teenagerin habe ihm erzählt, dass sie in Altensteig mit einem Mann gewesen und schließlich in ein Parkhaus gegangen sei. Der 36-Jährige Betreuer habe sie daraufhin gefragt: „Hat dieser Mann etwas getan, was du nicht wolltest?“ Erneut sei sie in Tränen ausgebrochen. Sie habe ihm gegenüber aber nie ausdrücklich von Vergewaltigung oder einem sexuellen Übergriff gesprochen. Dies sei seine Interpretation.
Die 17-Jährige sei schließlich voll bekleidet unter die Dusche gegangen und habe sich gewaschen, berichtet ihre Freundin außerdem.
Es gebe „gute Tage und schlechte Tage“, meinte die 18-Jährige zum aktuellen Zustand ihrer Freundin. Diese sei jetzt in Therapie, spreche sonst aber nicht viel über das, was geschehen sein soll und greife mittlerweile oft zur Flasche. Ihre Freundin habe sich verändert, kapsle sich mehr ab. Grundsätzlich beschreibt sie das mutmaßliche Opfer als lebensfroh, verständnisvoll und als „liebe Person.“
Ihr Betreuer sieht es ähnlich. Das Mädchen sei aufgeschlossen gewesen und eine Art „große Schwester“ für die anderen Kinder geworden. Er habe jedoch keine Veränderungen festgestellt.
Im Laufe der Verhandlung kristallisiert sich heraus, dass das mutmaßliche Opfer es in der Vergangenheit jedoch mit der Wahrheit nicht immer genau genommen habe. Ihr Betreuer berichtete, dass die junge Frau häufig Behauptungen aufstellte, die sich später als unwahr erwiesen.
Betreuer glaubt nicht an absichtliche Lüge
Dabei ginge es jedoch immer darum, sich selbst zu erhöhen – etwa, in dem sie sich als eine der Besten in der Klasse ausgab.
Diese Vorgeschichte hätte im gesamten Betreuerteam auch Zweifel aufkommen lassen, wie glaubwürdig die 17-Jährige ist – auch bei ihm. Dass sie absichtlich lüge, glaubt er nicht. Im Raum stünde bei der Teenagerin eine verzerrte Wahrnehmung, so dass sie wirklich glaube, was sie sagt – selbst, wenn es nicht stimmt.
Falsche Beschuldigungen hätte es jedoch nicht gegeben, soweit er wisse. So gehe er auch davon aus, dass das Mädchen die Wahrheit in Bezug auf ihren Vater sagt. Diesem wird vorgeworfen, Frau und Kinder regelmäßig verbal und körperlich misshandelt zu haben. Diese Aussage stamme auch nicht nur von der 17-Jährigen. Zum fraglichen Abend meint er: „Die Tränen waren echt.“