Im Prozess gegen einen 41-Jährigen, der in Sulz versucht haben soll, seine Mutter zu verbrennen sagen jetzt die Geschwister aus.
Am zweiten Verhandlungstag fließen die Tränen. Nicht jedoch bei dem Angeklagten – dieser verzieht bis auf ein paar Stirnfalten beim Anhören der Aussagen seiner Geschwister keine Miene.
Der 41-Jährige ist des versuchten Mordes an seiner Mutter angeklagt. Demnach habe er sie geschlagen, mit Feuerwerkskörpern beschossen – und schließlich versucht, sie in ihrem Haus zu verbrennen.
Angst vor dem Angeklagten schwingt immer noch mit
Über sein Wesen konnten die beiden Geschwister dem Gericht einiges verraten. Demnach sei er schon immer gerne im Mittelpunkt gestanden – egal ob im positiven oder im negativen Sinne, berichtet seine ältere Schwester. Auch seine sprunghafte Art war wohl immer wieder Thema. Mal sei seine politische Einstellung ganz rechts gewesen und dann wieder ganz links. Aber eines sei immer gemeinsam gewesen: die Verbindung zur Gewalt.
Als seine Schwester vom Tatabend zu erzählen beginnt, bricht sie in Tränen aus. „Ich hätte sie fast nicht erkannt“, berichtet sie mit gebrochener Stimme von dem Anblick ihrer Mutter im Krankenhaus. Sie sei Blutverschmiert gewesen, mit blauen Flecken und schwer verletzt.
Kinder leiden unter der Situation
Bis heute habe ihre Mutter Angst und schließe zum Schlafen stets alle Türen ab. Sie selbst habe zu Beginn geschlafen, wenn das Licht an war, da sie Angst hatte, dass ihr Bruder auch neben ihrem Bett stehen könnte. Denn: Er habe schließlich auch gedroht ihren Bruder und sie aufzusuchen. Sogar ihr acht Jahre alter Sohn würde sich im Dunkeln alleine nicht mehr in den Keller trauen und habe Schlafstörungen. „Ich habe Angst, dass, wenn er wieder rauskommt, alles wieder von vorne anfängt“, befürchtet die 45-Jährige.
Auch der Bruder berichtet von psychischen Problemen seiner drei Kinder seit dem Vorfall. Besonders für den ältesten Sohn seien die Großeltern Bezugspersonen gewesen und das Haus ein Rückzugsort, berichtet der 47-Jährige. In der Nacht selbst habe auch er Angst um seine Familie gehabt. Keiner der beiden Geschwister hätte vermutet, dass seine Auffälligkeiten mal zu so etwas führen würden.
Sieben Zeugen der Polizei und Feuerwehr
Noch weitere sieben Zeugen aus Reihen der Polizei und Feuerwehr sagten am zweiten Verhandlungstag aus. So berichteten die Einsatzkräfte der Feuerwehr von einer Brandbekämpfung von verschiedenen Seiten. Doch das erst nach einer längeren Wartezeit, die die Polizei brauchte, um zunächst die Umgebung abzusichern. Denn: Es sei nicht auszuschließen gewesen, dass sich der Täter noch vor Ort oder auch im Gebäude befand. Parallel zu den Löscharbeiten suchten dann mehrere Streifen der Polizei an verschiedenen Orten in Sulz nach dem Angeklagten. Allerdings ohne Erfolg, wie sie berichteten.
Hund mit Kraftstoff durchtränkt
Was sie allerdings fanden, war der Hund – schwer verletzt mit einer gebrochenen Hüfte und von Kraftstoff durchtränkt. Er habe sich im Garten aufgehalten und wurde von einer Einsatzkraft der Hundestaffel betreut.
Weitere Hinweise auf den Tathergang konnte die Kriminalpolizei liefern. Deren Tatortuntersuchung hatte durch das Feuer und den Einsatz der Feuerwehr allerdings unter erschwerten Bedingungen stattgefunden. Bei ihren Untersuchungen hätten das Untergeschoss als Schwerpunkt des Brandes identifiziert werden können. Im Schlafzimmer habe man sowohl Scherben eines Spiegels als auch eine Holzlatte mit dem Blut des Opfers gefunden. Auch ein Feuerzeug mit der DNA des Angeklagten sei gefunden worden, so der Kriminalhauptkommissar.
Der Prozess wird am Freitag, 21. November, fortgesetzt.