Mit einer Machete fuchtelte der Angeklagte vor seinem Arbeitskollegen herum, der ängstlich der Klinge auswich. Foto: © Big City Lights – stock.adobe.com

Weil er dachte, dass seine Frau ein Verhältnis mit seinem Arbeitskollegen habe, griff ein 43-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis ihn im Herbst 2018 mit einer Machete an. Nun musste sich der Angreifer vor dem Rottweiler Landgericht verantworten.

Oberndorf/Rottweil - "Ich bringe dich um. Nächstes Mal brenne ich deine Bude ab", soll der alkoholisierte 43-Jährige gedroht und mit der Machete gefuchtelt haben, während sein 42-jähriges Opfer immer wieder zurückwich. Er leide noch heute unter Verfolgungsangst, schilderte der Arbeitskollege vor dem Landgericht.

Das erste Mal hatte der Angeklagte ihn im September 2018 zu Hause aufgesucht, eine Machete mit einer 30 Zentimeter langen Klinge in der einen und ein Küchenmesser in der anderen Hand. Er habe den mutmaßlichen Liebhaber seiner Frau nur erschrecken, ihn aber nicht verletzen wollen, erklärte der Angeklagte am Donnerstagmorgen vor dem Landgericht.

Er räumte alle Vorwürfe – darunter zweifache versuchte gefährliche Körperverletzung und Bedrohung – ein und entschuldigte sich beim Opfer. "Du brauchst keine Angst zu haben. Das passiert nie wieder. Das war dumm von mir", meinte er.

Ihm sei es in dieser Zeit nicht gut gegangen. "Meine Ehe ist zerbrochen, und ich hatte getrunken. Da kam alles hoch", schilderte der 43-Jährige, der damals aufgrund von psychischen Problemen, wie Depressionen, krankgeschrieben war. "Er sagte, ich soll aufhören, seine Frau anzumachen", schilderte der Arbeitskollege vor Gericht. Schon im Vorfeld habe der Angeklagte ihn mehrfach und auch im Beisein anderer Personen zu Unrecht verdächtigt, ein Verhältnis mit der Ehefrau, die in derselben Firma wie die beiden Männer arbeitete, zu haben.

Angeklagter wird immer misstrauischer

Am Tattag im September sei er dann mit der Machete immer näher gekommen und erst gegangen, als der Vater mit einem Holzstück dazwischen gegangen sei, erzählte das Opfer. "Ich dachte mir, mit dem kann etwas nicht stimmen. Ein normaler Mensch macht sowas doch nicht."

Weil auch das Oberndorfer Amtsgericht eine mögliche psychische Beeinträchtigung bei dem Angeklagten nicht hatte ausschließen können und eine Betrachtung durch einen psychiatrischen Sachverständigen beauftragt hatte, war das Verfahren beim Landgericht Rottweil gelandet, erklärte Richter Karlheinz Münzer die zeitliche Verzögerung bis zum Prozess.

Das zweite Mal hatte der Angeklagte den Kollegen im November 2018 in Oberndorf auf dem Gelände der Firma aufgesucht, bei der beide tätig waren. Diesmal hatte er ein Springmesser bei sich getragen und hatte damit herumgefuchtelt. Auch da sei er alkoholisiert gewesen, so der Angeklagte.

Die Situation habe ihn belastet. "Meine Frau und ich haben zu dieser Zeit schon kaum mehr gesprochen. Sie hatte sich verändert." Er habe den Arbeitskollegen als Schuldigen gesehen.

Auch an diesem Tag habe er ihm jedoch nur Angst machen wollen. Beim Herumfuchteln mit dem Messer soll der Angeklagte das Opfer jedoch an der Hand gestreift haben. Weil der 42-Jährige Arbeitshandschuhe getragen hatte, blieb er unverletzt.

Den Verdacht, dass seine Frau fremdgehe, stützte der Angeklagte auf eine Beobachtung am Arbeitsplatz. Dort habe er eines Abends seine Frau und den Arbeitskollegen aus dem Bereich der Container kommen sehen, obwohl sie keinen Grund gehabt hatten, sich dort aufzuhalten. Weder vom Kollegen noch von der Frau habe es eine plausible Erklärung gegeben. Wenn er Alkohol getrunken habe, sei die Eifersucht immer schlimmer geworden, so der Angeklagte.

Drogen gehören der Vergangenheit an

Drogen hätten bei der ganzen Sache keine Rolle gespielt. In jungen Jahren war der Angeklagte, dessen Familie in den 90er-Jahren aus Russland nach Deutschland kam, heroinabhängig gewesen.

Aufgrund fehlender Sprachkenntnisse konnte er keinen Schulabschluss machen und driftete später zeitweise in die Arbeitslosigkeit. Freunde hätten ihn nach einiger Zeit des Cannabis-Konsums dazu animiert, Heroin zu versuchen.

Schließlich hatte der Angeklagte eine Tankstelle und eine Apotheke überfallen, um Geld für Drogen zu beschaffen, und daraufhin eine Jugendstrafe verbüßt. Anfang der 2000er hatte er sich wieder gefangen und eine feste Arbeitsstelle angetreten. Seit der Haftstrafe nehme er keine Drogen mehr und sei in einer Substitutionstherapie. Von seiner Frau habe er sich getrennt.

Aktuell sei er arbeitslos und widme sich der Erziehung des gemeinsamen Sohnes. Aufgrund der aktuellen Anklage habe das Jugendamt ihm mehrfach Besuche abgestattet, aber befunden, dass alles in Ordnung sei.

Beim Fortsetzungstermin am Dienstag, 15. Juni, wird der psychiatrische Sachverständige seine Einschätzung zum Angeklagten abgeben, ehe das Urteil fällt.

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