Zum Urteil des Amtsgerichts Schopfheim im Prozess über die Vernachlässigung von zwei Kühen haben unsere Leser Verena Christen und Rainer Eiche folgende Meinung.
Der Fall, in dem ein Landwirt und sein Vater vor dem Schopfheimer Amtsgericht standen, weil sie zwei Rinder vernachlässigt und beide auf grausame Weise selbst getötet hatten, hat uns tief betroffen gemacht. Besonders schockierend fanden wir die Aussagen seines Rechtsanwalts: Eine Kuh sage ja nicht „Aua“, daher könne der Landwirt nicht erkennen, dass die Tiere leiden. Ebenso zynisch ist die Bemerkung, Kühe seien „keine Stehtiere“ und würden ohnehin regelmäßig liegen. Solche Aussagen sind nicht nur zynisch, sie verhöhnen das Leiden der Tiere und beleidigen den gesunden Menschenverstand.
Ein Verteidiger, der so argumentiert, trägt dazu bei, Tierquälerei zu verharmlosen, statt Verantwortung und Mitgefühl einzufordern.
Natürlich liegen Kühe immer wieder – das ist normal. Aber wer tagtäglich mit Rindern umgeht, sollte sehr wohl bemerken, wenn eine Kuh häufiger liegt als üblich, schwach wirkt oder Schmerzen hat. Dafür braucht es kein „Aua“, sondern Aufmerksamkeit, Erfahrung und vor allem Empathie.
Wer als Tierhalter nicht erkennt, dass seine Tiere leiden, sollte keine Tiere halten dürfen. Und eine Strafe von 30 Tagessätzen à 30 Euro für einen klaren Verstoß gegen das Tierschutzgesetz ist in unseren Augen ein Hohn. Sie zeigt einmal mehr, wie wenig Nutztiere in unserer Gesellschaft zählen.
Wir halten selbst Rinder – und wir merken sofort, wenn es einem Tier nicht gut geht. Der Fall zeigt einmal mehr, dass Nutztiere in unserer Gesellschaft für viele noch immer keinen angemessenen Stellenwert haben – weder moralisch noch rechtlich.
Verena Christen und Rainer Eiche, SteinenSchreiben Sie uns: leserbriefe@schwarzwaelder-bote.de. Mit der Übersendung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihr Leserbrief in der Printausgabe, im E-Paper sowie im Onlinedienst des Schwarzwälder Boten veröffentlicht wird. Wir behalten uns Kürzungen vor. Leserbriefe entsprechen nicht notwendig der Meinung der Redaktion.