Wegen der Corona-Pandemie ist derzeit nur der moderne Eingang des Landgerichts Konstanz geöffnet. Foto: Rindt

Ein 24-Jähriger aus dem Raum Blumberg soll für vier Jahre und neun Monate wegen des Handels mit mehr als 1,5 Kilogramm Drogen hinter Gitter. In mehrere Taten hatte er seinen 17 Jahre alten Bruder eingespannt.

Blumberg/Konstanz - Der Angeklagte gab im Prozess vor dem Landgericht Konstanz an, er habe sich wegen hoher Spiel- und Konsumschulden etwas hinzuverdienen wollen. Er beschrieb sich in der Gerichtsverhandlung selbst als zeitweise spielsüchtig. Er sprach von bis zu 80 000 Euro an Ausständen, der Verteidiger Wolfgang Hoppe von bis zu 200 000 Euro. Inzwischen sollen diese dank der Eltern getilgt sein.

"Sie sind nicht der übliche Drogendealer"

Die Strafkammer hielt dem Angeklagten unter anderem zugute, dass er nicht vorbestraft war, und einen respektablen Lebenslauf mit Ausbildung und Arbeitsstelle vorweisen konnte. Der Vorsitzende Richter Joachim Dospil betonte, sie hätten mehrfach zugunsten des Angeklagten einen minderschweren Fall angenommen. Die Revision ist zugelassen.

"Sie sind nicht der übliche Drogendealer", sagte der Vorsitzende Richter zum Angeklagten. Dennoch habe er gewerbsmäßig mit "erheblichen Mengen" an Drogen gehandelt, um seinen teuren Lebensstil zu finanzieren. Die Überwachung seines Telefons habe gezeigt, wie professionell er dabei vorgegangen sei.

Nach Angaben von Polizeibeamten, die als Zeugen gehört wurden, kamen in den Gesprächen Codewörter zum Einsatz. Die Angaben über Kilometer seien für die Mengen an Drogen gestanden, die organisiert werden sollten, und die Höhe des Benzingelds für den Preis, der gezahlt werden sollte.

"Die Art der Straftaten ist erheblich. Das ist uns übel aufgefallen", sagte Dospil bei der Verkündung des Urteils. Der Angeklagte habe nur die Taten eingeräumt, für die Beweise vorgelegen seien. "Dass Ihnen das so richtig leid tut, haben wir nicht gesehen", stellte Dospil für die Kammer fest. Dabei habe der Angeklagte nicht nur den minderjährigen Bruder ins Unheil geritten, sondern auch die Mutter, die wegen der Straftaten des Sohns in Behandlung sei.

Stoff nie auf den Markt gekommen

Nach dem Motto "Verbrechen sollen sich finanziell nicht lohnen", zieht die Strafkammer 10.000 Euro ein. Sie nimmt an, dass mindestens diese Summe durch Drogengeschäfte erwirtschaftet wurde.

Zugunsten des Angeklagten wertete sie, dass bei nicht allen Geschäften, an denen der 24-Jährige beteiligt war, Drogen in den Umlauf kamen. So sei der Mann zwar als Vermittler von einem Kilogramm Kokain aufgetreten, doch weil es sich um eine verdeckte Aktion der Polizei handelte, sei der Stoff nie auf den Markt gekommen. Zudem seien tatsächlich nur Amphetamine geliefert worden. Dospil riet dem Angeklagten, künftig nur das Geld auszugeben, das er verdient habe.

Verteidiger Wolfgang Hoppe hatte eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren gefordert. Er betrachtet alle angeklagten Fälle als minderschwer. Er hält die Angaben des Angeklagten für glaubwürdig, dass es ihm vor allem um den Verkauf seines Wagens gegangen sei, als er Kontakt zum Verbindungsmann der Polizei aufnahm.

Wurde kleiner Bruder instrumentalisiert?

Staatsanwältin Peltz hatte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten beantragt. Sie hält es für nicht ausgeschlossen, dass der Angeklagte den kleinen Bruder instrumentalisierte, um vor den Eltern sein Image vom guten Jungen aufrecht erhalten zu können. Sie glaubt nicht, dass der Angeklagte tatsächlich spielsüchtig war, wenn, wie er selbst sagte, neun Therapiesitzungen genügten, um das Problem zu bewältigen.

Im Drogenprozess um einen 24 Jahre alten Mann aus dem Raum Blumberg ging es unter anderem um die Frage, ob der Mann sofort in Haft muss. Der Angeklagte war zunächst in Untersuchungshaft, dann aber unter Auflagen frei gelassen worden. Er musste seinen Reisepass und seinen Personalausweis abgeben und 20 000 Euro Kaution zahlen. Nun wurde er zu vier Jahren und neun Monten Freiheitsstrafe verurteilt. Anders als von der Staatsanwältin beantragt, muss der Mann nicht sofort ins Gefängnis. Aus Sicht der Kammer besteht keine Fluchtgefahr. Wo wolle der Mann ohne Papiere hingehen, fragte der Vorsitzende Richter Joachim Dospil.

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