Kinderporno-Videos mit brutalen Szenen waren Thema in einem Gerichtsprozess.(Symbolfoto) Foto: Tinnakorn - stock.adobe.com

Ein 43-Jähriger Mann hat seit Jahren Kinderpornos konsumiert. Vor Gericht gab er Einblick in die schreckliche Welt der Videos.

Es gibt viele Prozesse wegen des Besitzes von Kinder- und Jugendpornos. Meistens gibt es ein Geständnis, dazu wird die Nummer von beschlagnahmten Dateien aufgezählt. Diesmal ist es anders: Die Anklage sagt, wie brutal die Videos sind. Eine Ermittlerin sagt, welche Verbrechen dahinter stecken. Der Staatsanwalt schilderte als Beispiel schockierende Szenen. Eine Ermittlerin aus Aachen: „Unser Beschuldigter ist im Rahmen der Ermittlungen des Kindesmissbrauchs in Bergisch Gladbach aufgefallen – er hatte mit vielen Kontakt, wollte immer mehr Material.“ Und bei diesem Mann aus dem Raum Aachen hatte der Angeklagte aus Horb bestellt.

 

Ins größte Missbrauchsnetzwerk verstrickt?

Bergisch Gladbach. 2019 als das bisher größte bekannte Missbrauchsnetzwerk in Deutschland beschrieben. Bis Oktober 2021 wurden im Zuge der Ermittlungen 65 Kinder befreit, 439 mutmaßliche Sexualstraftäter ermittelt.

Die Süddeutsche Zeitung schreibt über den Prozessbeginn gegen den Hauptverdächtigen (auszugsweise): „Knapp 70-mal soll Jörg L. allein seine eigene Tochter zwischen Juli 2017 und Oktober 2019 schwer sexuell missbraucht haben, beim ersten Mal war das kleine Mädchen drei Monate alt.“

Warum braucht der Angeklagte keine Therapie?

Der 43-jährige Angeklagte sagt im Amtsgericht Horb: „Ich will nichts beschönigen. Ich bereue mein Fehlverhalten.“ Weil er einen Beruf in der Sicherheitsbranche habe, würde ein Urteil seine „20-jährige Karriere“ zerstören. Verteidigerin Jana Gieren: „Er war im Erstgespräch wegen einer Therapie. Der Mediziner schreibt, dass er keine Therapie-Indikation sieht.“

Dann werden die Whatsapp-Chats des Angeklagten mit dem Pädophilen aus Aachen verlesen. Der Aachener fragt, ob der 43-jährige eine Tochter hat. Der antwortet: „Von meiner Tochter versende ich keine Bilder.“ Im Gericht sagt er: „Die wohnt bei meiner Ex.“ Der Aachener bietet „kleine Pakete“ und „große Pakete“ für 50 und 100 Euro. Zu zahlen in Amazon-Gutscheinen.

Horber wollte Geld für Kinderpornos zahlen

Der Ermittler der Kripo: „Bei der ersten Durchsuchung war nur seine Frau an der Gegensprechanlage. Unglücklich. Wir haben dann einen Termin gemacht.“ Trotzdem wurden 1038 Kinderporno-Videos, 282 Bilder, 190 Jugendpornos und 186 Bilder gefunden. Der Ermittler: „Der Fokus lag auf schweren sexuellen Missbrauchshandlungen von Mädchen.“

Der Generalstaatsanwalt: „Der Angeklagte war nicht nur passiver Konsument über Jahre hinweg. Er hat immer wieder Tauschpartner gesucht und wollte Geld zahlen.“ Er fordert ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung. Dazu zehn Therapiegespräche, 5000 Euro Geldauflage.

Verteidigerin fordert mildes Urteil

Verteidigerin Jana Gieren: „Mein Mandant bereut sein Verhalten. Seine berufliche Karriere wird er verlieren. Nicht jeder, der Kinder- und Jugendpornos konsumiert, ist pädophil. Er braucht keine Therapieauflage.“ Sie fordert ein mildes Urteil unter einem Jahr.

Dann das Urteil – ein Jahr und drei Monate auf Bewährung. Dazu 5000 Euro an der Kinderschutzbund. Jennifer Dallas-Buob: „Eine Therapieauflage habe ich nicht verhängt. Aber: Mit diesem Urteil müssen Sie sich selbst ehrlich machen. Sie können sich selber helfen.“