Mit Geld aus Rubbellos-Auszahlung hat eine Kassiererin ihren Arbeitgeber betrogen. Foto: kuenlin - stock.adobe.com

Kassiererin (39) wegen Untreue vor Gericht. Wie sie ihren Boss mit ihrem eigenen Lotto-System um fast 18000 Euro abgezockt hat. Und wohin das Geld geflossen ist.

Im Eurojackpot waren zum Zeitpunkt des Prozesses 119 Millionen Euro. Da überlegt sich so mancher, auf einen Systemschein zu setzen. Die Angeklagte hatte ihr ganz eigenes Lotto-System. Es füllte ihre Taschen.

 

Das Amtsgericht Horb. Die ehemalige Kassiererin (39) gesteht gleich mit leiser Stimme: „Es stimmt. Ich bin selbst schuld. Ich habe es ausprobiert – und es hat niemand gemerkt. Dann habe ich weitergemacht.“

Doch was war ihr „Lotto-Abzock-System“? Der Staatsanwalt klagt 26 Taten an. Zwischen dem 1. Januar 2023 und dem 12. September 2023. Schadenssumme: Fast 18 000 Euro. Er hat selbst mal an der Lottokasse gearbeitet, sagt: „Ist es immer noch so, dass es das Lotto-Terminal mit eigener Abrechnung gibt und eine Extra-Kasse, in der abgerechnet wird?“

So raffiniert war das Lotto-Abzock-System

Der kaufmännische Angestellte der Supermarkt-Kette: „Ja. Deshalb fiel das erst unserem Steuerberater auf, als er für die Buchhaltung die Salden aufgestellt hat. Da waren Differenzen zwischen dem Lotto-Terminal und den Buchungen in der Kasse. Dann sind wir in die Tiefe gegangen: Wir haben erst geschaut, wann das passierte. Wer Dienst hatte. Auf den Kameraaufzeichnungen sieht man dann, wie die Kassiererin das gemacht hat.“

Das Lotto-Abzock-System. Die Kassiererin hatte einfach mit der sogenannten PLU-Nummer einfach Gewinnauszahlungen in die Kasse eingetippt. Der Supermarkt-Mitarbeiter: „Man sieht auf dem Video, wie sie zwischen zwei Kunden etwas in die Kasse eintippt, die Schublade geht auf, sie schiebt sie sofort wieder zu. Abends stimmte die Kasse.“ Heißt: Das Bargeld muss sie irgendwo auf dem Weg zum Geldzählen vor dem Marktleiter eingesteckt haben.

Warum die Angeklagte nur mit Rubbellosen betrogen hat

Noch raffinierter: Die Kassiererin nahm nur Rubbellos-Gewinne. Der Supermarkt-Mitarbeiter: „Bei 6 aus 49 findet natürlich eine logische Überprüfung der richtigen Zahlen statt. Bei den Rubbellosen nicht. Die kann man überall einlösen und zwischen 40 und 70 Euro gewinnen.“

Auffällig: Am Anfang waren es nur kleine Beträge, die innerhalb einer Woche mit dem „Lotto-Abzock-System“ in der Tasche der Kassiererin landeten: 56,50, 80 Euro. Dann mal 365 Euro, 583,30 Euro. Im August dann die Mega-Abzocke: 1757 Euro!

Füllte sie mit dem Geld die Urlaubskasse?

Der Supermarkt-Mitarbeiter: „Bei solchen Fällen von Untreue gibt es ein Muster. Am Anfang kleine Beträge. Wenn niemand etwas merkt, wird es immer mehr. Und meistens wird es Richtung Urlaubszeit immer mehr – die Urlaubskasse aufbessern.“

Doch was die Angeklagte mit dem Geld gemacht? Sie weint: „Meine Mutter lebt in Rumänien. Sie war damals krank. Ich habe das Geld per Moneygram ihr geschickt.“ Ihr Verteidiger Stefan Schnerr: „Dort gibt es keine Krankenversicherung. Man muss fast alles selbst bezahlen.“

Als der Arbeitgeber sie im September 2023 zur Rede stellte, so der Supermarkt-Mitarbeiter, sagte sie nur: „Ich habe nichts gemacht. Die Kündigung und das Schadensersatz-Formular hat sie sofort unterschrieben.“

Das fordert die Anklage für das „Lotto-Abzock-System“

Dann die Plädoyers. Der Staatsanwalt fordert ein Jahr und vier Monate auf Bewährung: „Sie hat ein System entwickelt. Die Mutter hatte Krebs, deshalb floß der Großteil des Geldes nach Rumänien. Den hohen Schaden muss man ihr zur Last legen.“

Verteidiger Schnerr: „Die Verhandlung hat sie beeindruckt. Sie hat einen enormen Druck, den auch die Familie merkt.“ Das letzte Wort der Angeklagten ist kaum zu hören in ihrer tränenerstickten Stimme: „Ich kann nichts mehr dazu sagen.“

So reagiert die Supermarkt-Kette

Um 15.15 Uhr trifft Richterin Dallas-Buob dann das Urteil: Ein Jahr und vier Monate auf Bewährung. Dazu gibt es die Einziehungsverfügung für den Schaden. Die Richterin: „Die Tat wurde sicherlich dadurch begünstigt, dass durch fehlende Sicherheitsmaßnahmen die Untreue längere Zeit unentdeckt blieb. Das mit den Eltern in Rumänien ist glaubwürdig. Weil die inzwischen gestorben sind, ist die Notlage der Angeklagten weggefallen.“ Dazu muss die Kassiererin 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

PS: Der Supermarkt-Mitarbeiter sagt: „Inzwischen haben wir das Kassensystem geändert. Das Lotto-Terminal druckt beim Gewinn einen Beleg aus. Den muss die Kassiererin einscannen, um das Geld auszuzahlen.“