Ein Labor befasst sich jetzt mit den Pilzen, die der Angeklagte im Aldinger Totschlagsprozess in den Wochen vor der Tat zu sich genommen hatte. Foto: © Microgen – stock.adobe.com

Eigentlich sollte im Prozess um den Totschlag in Aldingen im Februar am Montag das Urteil fallen. Es gibt jedoch neue Erkenntnisse.

​ Das liegt auch an zwei Tüten mit getrockneten Pilzen – die jetzt gefunden wurden.

 

Die will der 36-jährige Angeklagte Igor B. in den Wochen vor der Tat regelmäßig eingenommen haben, Fliegen- und Pantherpilze, wie er sagte. Damit wollte er den Alkohol ersetzen, auf den er in den Wochen vor der Tat verzichtet hatte.

Davon habe er auch noch welche, erzählte Igor B. während der Verhandlung – und erklärte dann, wo genau sie im Küchenschrank zu finden seien. Also machte sich ein Beamter in Begleitung der Ehefrau des Angeklagten auf den Weg und fand in der Wohnung der Familie die Pilze – bei der Durchsuchung im Februar hatten sie die Ermittler sie nicht entdeckt.

Wenige Untersuchungen zu Pilzen

Wie sehr deren Wirkung die Zurechnungsfähigkeit des Mannes beeinträchtigt haben könnte, untersucht nun ein Labor. Und das dauert einige Tage. Der psychiatrische Sachverständige betonte allerdings, dass es sehr wenige Untersuchungen darüber gebe, wie solche Pilze wirken.

Die Tat selbst wurde von den Ermittlern beleuchtet, die von vielen Blutspuren im Haus berichteten, von dem toten Bauarbeiter Sergej B., den der Angeklagte in einer Baugrube am Bahngleis versteckte. Und von einem Zeugen, mit dem Sergej B. im Haus zusammen wohnte.

Neue Inhalte der Zeugenaussage

Dieser hatte bisher ausgesagt, von der Tat nichts mitbekommen zu haben. Doch nun berichtete er dem Gericht von Streit um Geld zwischen Igor B. und seinem Opfer. Von einem Kampf im Treppenhaus, Igor habe Sergej fallen lassen, der sei dann am Boden gelegen, und habe sich nicht mehr bewegt. Auch habe er gesehen, wie Igor B. ein Kabel aus seiner Tasche zog und es um den Hals von Sergej B. zog.

Er sei dann nach Schwenningen gefahren, erzählte der Zeuge, habe dort ein Bordell besucht, Kaffee getrunken. Als er in die Wohnung zurückkam, habe Igor B. hier geputzt. Vor der Eingangstür sei sehr viel Dreck gelegen, er habe Igor B. geholfen, das wegzumachen.

Sergej habe häufig Alkohol getrunken, erzählte der Zeuge. Auch am Tattag, dem 15. Februar, als in Aldingen das Ringtreffen des Narrenringfreundschaftsrings Schwarzwald-Baar-Heuberg stattfand.

Sergej sei betrunken gewesen, berichtete der Zeuge, der heute in Ostdeutschland lebt. Und dann zeigte sich, dass hinter dem Streit möglicherweise mehr als Geld steckt: Sergej B. habe einen gefälschten Pass gehabt. „Wer hat ihm den gegeben?“, fragte der Vorsitzende Richter Karlheinz Münzer nach. Den habe er mit Igor gemacht, so die Antwort.

Als Zeuge sagte auch der Bruder des Opfers aus, der eigens aus Moldawien angereist war. Die Entschuldigungen des Angeklagten am ersten Prozesstag, denen wohl auch welche in Chats von Igor B‘s Familie vorausgingen, seien sinnlos, erklärte der Bruder.