Mit einem dieser Poller wurde die 42-jährige Frau attackiert. Foto: Schülke

Tränenreicher Auftritt des Hauptopfers (42) der Poller-Attacke vor Gericht. Was sie sagt, warum sie Gott bis heute dankt.

Es war ein ergreifender Moment vor dem Landgericht Rottweil: Am vierten Verhandlungstag sagte das Hauptopfer (42) der Poller-Attacke aus.

 

Der unter anderem wegen versuchten Mordes Angeklagte wurde in den Videokeller gebracht. Dann betritt die zierliche Frau den Saal. Schaut nach unten, lächelt ein bisschen, entfaltet ein Stück Papier. Handschriftlich hat sie notiert, was am 25. August 2025 in der Bildechinger Steige vor einer Gastronomie passiert ist. Sie sagt später: „Ich muss alles aufschreiben. Sonst vergesse ich es. Das Kurzzeit-Gedächtnis.“

Meine Freundinnen haben mir das Leben gerettet

Die Frau erzählt: „Der schwarze Junge hat auf uns gewartet mit der schweren Eisenstange. Er hat mir zweimal auf den Hinterkopf geschlagen, bis ich geblutet habe und bewusstlos war. Meine Freundinnen haben vorgeschlagen, mich nach Hause zu bringen. Das hat mir das Leben gerettet.“

Sie schluchzt. Richter Münzer: „Wollen Sie Pause machen, einen Schluck trinken? Tief Luft holen?“ Das macht die ehemalige Bedienung. Sie tupft sich die Augen mit dem Taschentuch ab.

Das sind die Folgen der Poller-Attacke in Horb

Dann erzählt sie weiter: „Am 5. September habe ich im Krankenhaus wieder die Augen aufgemacht. Meine Mutter kam 830 Kilometer aus meiner Heimat aus dem Osten mit den Enkeln, hat mich täglich besucht. Ich habe die Attacke von einem Verrückten überlebt, das ist wichtig. Ich bin weder tot noch schwerbehindert.“

Weiter sagt das Opfer, das mit zwei Pollerschlägen niedergestreckt wurde: „Ich kann nicht arbeiten. Ich habe meinen Geruchs- und Geschmackssinn verloren. Mein Gedächtnis. Ich hoffe zu Gott, dass alles wiederkommt. Ich bin schwach geworden. Wie kann ein Mensch so böse sein und eine Frau fast zu Tode schlagen?“

Du hast mein Leben zerstört wegen ein paar Worten

Dann spricht sie den Angeklagten direkt an: „Warum wolltest Du mich töten? War das Dein Ziel? Du hast mein Leben zerstört wegen ein paar Worten. Gott wollte nicht, dass ich gehe. Stell Dir vor, ich hätte Kinder. Ich hoffe, Du kriegst, was Du verdienst.“

Auch die Angehörigen leiden. Das Hauptopfer berichtet: „Meine Mutter ist im Krankenhaus umgekippt, als sie mich das Erste mal sah.“ Diese habe dann vier Stents bekommen. Die lebensgefährlich verletzte Frau weiter: „Ich danke Gott, dass ich Freunde habe. Ich bin nicht allein. Mein Mann ist immer für mich da. Das zählt. Er hat wegen mir sehr gelitten. Das tut mir sehr leid für ihn.“

Warum sie nie wieder Gastro machen wird

Sie erinnert sich an die Reha: „Neben mir war eine 80-Jährige. Die haben sie wieder gesund bekommen. Mich nicht.“

Derzeit sei sie immer noch krankgeschrieben: „Seitdem ich 18 bin, arbeite ich in der Gastronomie. Ich habe den Job sehr geliebt.“ Doch das komme nach der Poller-Attacke nicht mehr in Frage. Die zierliche Frau: „Ich habe mir überlegt, eine Ausbildung in der Altenpflege zu machen. Ich mag ältere Menschen.“

Das sagt der Lebensgefährte des Opfers

Verteidiger Benjamin Waldmüller kommt aus dem Videokeller zurück. Sagt: „Mein Mandant ist froh und dankbar, dass sie am Leben sind.“ Sie nickt ein bisschen, geht zurück ins Zeugenzimmer.

Dann betritt ihr Lebensgefährte (53) den Schwurgerichtssaal. Er schaut kurz zum Angeklagten rüber, kämpft mit den Tränen und schluckt. Dann sagt der Mann zur Zeit nach der Poller-Attacke: „Das war natürlich schwer. Kaum zu beschreiben. Ein Hoffen und ein Bangen. Aber es geht jetzt aufwärts – Gott sei Dank. Vom Wesen her ist sie fast wieder die Alte.“