Der Angeklagte räumt vor Gericht ein, mit einem Metallpoller zugeschlagen zu haben. Opfer schildern die Tat aus ihrer Sicht.
Es war ein dramatischer zweiter Tag im Prozess vor dem Landgericht Rottweil um die Poller-Attacke: Erst räumt der 27-Jährige die Tat ein. Dann wartet die schwerste Stunde auf seine Opfer – die Aussage im Schwurgerichtssaal 201.
Eigentlich sollten am zweiten Prozesstag alle drei Frauen aussagen. Doch statt der Ex-Bedienung (41) – die durch die Poller-Attacke Ende August in Horb lebensgefährlich verletzt wurde und wie durch ein Wunder überlebte – kam ihr Freund per Auto. Um das ärztliche Attest persönlich zu überreichen. Er sagt: „Sie ist krank. Sicherlich eine Folge der Aufregung vor diesem Termin.“
Kommt Angeklagter in den Videokeller, um Opfer zu schonen?
Der Vorsitzende Richter Karlheinz Münzer bietet ihrem Anwalt, Nebenkläger Michael Doll, gleich an, dass der Angeklagte bei der Vernehmung des Hauptopfers in den Videokeller geschickt werden kann. Der Verteidiger des 27-Jährigen, Benjamin Waldmüller: „Dem würden wir nichts entgegensetzen.“
Die Bilder der Poller-Attacke. Die Hausfrau (45) legt sich vor dem Pult von Staatsanwalt König auf den Parkettboden. Knie angezogen, Gesicht nach unten, beide Hände über dem Hinterkopf. Sie hebt die linke Hand, bewegt sie nach unten: „Da hat er bei ihr mit dem Poller draufgeschlagen.“ Ihre Freundin (32): „Ich habe den zweiten Schlag aus dem Augenwinkel noch gesehen. Ich dachte, sie war tot. Da war nur noch ein leises Wimmern.“
45-Jährige weint schon vor dem Start der Vernehmung
Die 32-Jährige wirkt äußerlich ruhig und gefasst. Sie schildert die Poller-Attacke an der Bildechinger Steige: „Ich bin raus, dann habe ich ihn gesehen. Ich glaube, er hat den Poller aufgehoben. Ich weiß nicht, ob der an der Laterne angelehnt war. Ich habe einen Schlag abbekommen. Dann habe ich ihn angeschrien.“
Die 45-Jährige weint schon, bevor ihre Zeugenvernehmung los geht: „Ich dachte, ich hätte es verkraftet. Aber jetzt kommen die Bilder wieder hoch.“
Zeugin: „Er machte uns gegenüber die Geste des Halsabschneidens“
Später sagt sie: „Immer wieder ist er in der Kneipe auf meine Freundin zugegangen wegen des Hausverbots vorher in der Unterstadt. Als er am Spielautomat saß, hat er sich umgedreht. Hat erst mit dem Finger auf uns beide gezeigt. Dann das.“ Dann zeigt sie die Geste des Halsabschneidens.
Gegen 1.40 Uhr will der Wirt abschließen. Die 45-Jährige: „Als wir über den Zebrastreifen gelaufen sind, da kam er. Ich habe die 32-Jährige gehört: Leg das Ding weg. Er hat den Poller genommen, ist auf sie (die 41-Jährige Ex-Bedienung, Anm. d. Red.) zu und hat zugeschlagen. Sie kniete, sagt: Lass mich in Ruhe, ich habe ein kleines Kind. Dann hörte ich, wie sie zu Boden ging. Sie hat am Hinterkopf geblutet. Ich schrie: Lass Sie! Da sehe ich, wie er das zweite Mal auf sie einschlägt.“
Die 45-Jährige schluchzt, sagt dann: „Er hat wieder mit dem Poller ausgeholt und in meine Richtung geschlagen. Ich konnte mich wegducken, habe mich hinter der Laterne versteckt.“ Dann ging sie in die Gastronomie, rief die Polizei. Die Frau: „Ich bin dann wieder raus, hin zu meiner Freundin auf dem Boden. Sie hat kein Geräusch mehr von sich gegeben. Ich habe versucht, sie zu schütteln.“
So geht es den Opfern nach ihren Aussagen
Vor der Aussage der beiden Opfer der Poller-Attacke hatte der 27-Jährige durch seinen Verteidiger erklären lassen, er räume die Tat ein. Während der Aussage der Frauen schaut er zu Boden. Die Anklage gegen ihn lautet unter anderem versuchter Mord.
Nach Prozessende erholen sich die beiden Frauen vor dem Gericht. Die 32-Jährige sagt: „Ich konnte die Nächte nicht schlafen. Wegen der Bilder. Ich habe mir vorgenommen, ruhig zu bleiben. Das hat erstaunlicherweise geklappt.“ Die 45-Jährige steht sichtlich immer noch unter Schock. Sie atmet tief durch, sagt: „Gut, dass es rum ist. Die nächsten Male bin ich auf der Zuhörerbank mit dabei.“