Um Betrug mit Handschuhen ging es diesmal nicht. (Symbolfoto) Foto: ©Shokry – stock.adobe.com

Das Konto war das der Ehefrau – die krummen Geschäfte aber gingen auf das Konto ihres Mannes, im übertragenen Sinne: Im Betrugsprozess vor dem Hechinger Landgericht ging es am Montag um einen Nebenstrang der Haupthandlung.

Albstadt - Im Prozess gegen das Albstädter Ehepaar, dem die Hechinger Staatsanwaltschaft vorwirft, einer österreichischen Firma für über zwei Millionen Euro 550.000 nicht existierende Packungen mit Einweghandschuhen verkauft zu haben, ist am Montag auch einmal der "Seitenstrang" der Geschichte, der mit der Haupthandlung so gar nichts zu tun hat, zu seinem Recht gekommen.

Den 31 respektive 29 Jahre alten Eheleuten wird nämlich auch noch die Mitwirkung an einem Internetbetrug zur Last gelegt. Die beiden hatten das Girokonto der Ehefrau – der Mann besaß keines – als Zwischenstation für Beträge in fünfstelliger Höhe zur Verfügung gestellt. Auch wenn das Konto ihres war, die dubiosen Transaktionen gingen – im übertragenen Sinne – auf seines.

Provision abgezweigt

Wobei die kriminelle Energie sich noch einmal woanders befand: Ein unbekannter Partner, dessen Identität in der Gerichtsverhandlung nicht zur Sprache kam, hatte einen Mann aus Schramberg durch das Versprechen großer Gewinnmargen im Internet dazu verleitet, in eine Lasermaschine zu investieren, die angeblich für ein Trinkwasserprojekt in der Lüneburger Heide benötigt wurde, und ihn damit um den größten Teil seiner Ersparnisse geprellt. Das Treuhänderkonto, auf welches das Geld eingezahlt werden sollte, war das der jungen Albstädterin; auf ihm gingen im Lauf des Septembers 2019 erst 40.000, dann 20. 000 und zum Schluss noch einmal 25.000 Euro ein.

Die hob der Mann der Kontoinhaberin jedes Mal sofort nach Eingang ab – nur ein einziges Mal wurde er dabei von seiner Frau begleitet – und übergab sie entweder stante pede am vereinbarten Ort einem Boten oder leitete sie per Western-Union-Überweisung weiter. Von jeder diese Summen zweigte er einen dreistelligen Betrag als Provision für sich ab – so war es offenbar mit dem Auftraggeber vereinbart.

Geldwäschebeauftragter misstrauisch gemacht

Misslicherweise war das Konto der Gattin für solche Zwecke aber nicht wirklich geeignet. Der Grund: Die regulären Rechnungsposten, die anfielen, hatten nie mehr als vier Stellen; dass der 31-jährige Angeklagte der Bank prophylaktisch den Geldeingang von insgesamt fast 100.000 Euro ankündigte und ihn als Unterstützung freundlicher Gönner bei der Existenzgründung zu tarnen versuchte, half ihm nichts. Im Gegenteil, es dürfte den Geldwäschebeauftragten des Kreditinstituts erst recht misstrauisch gemacht haben.

Der meldete seinen Verdacht, und so erhielt das junge Paar irgendwann einen Anruf von der Polizei und eine Einladung zum Gespräch. Den ersten Termin ließ der Mann mit der Begründung platzen, er habe eine Prüfung, den zweiten schwänzte er und begründete sein Fernbleiben später damit, dass sein schwerkranker Vater ihn gebraucht hätte. Zu einem dritten Versuch kam es nicht mehr; die Polizei erhielt vom Angeklagten die Mitteilung, er sei bei seinem Anwalt gewesen und habe von diesem einen Maulkorb erhalten.

Geständnis

Der Maulkorb ist weg; der 31-Jährige hat seinen Beitrag zur Tat gestanden und bei dieser Gelegenheit beteuert, dass es einen seiner Frau nicht gebe. Das kann nicht ganz stimmen, denn zumindest in einem Fall hat nicht nur er – mit Vollmacht –, sondern auch sie den Empfang einer Auszahlung quittiert.

Sie konnte sich am Montag nicht daran erinnern und versicherte, sich um die Geschäfte ihres Mannes nicht gekümmert zu haben. Zumindest das will das Gericht doch noch genauer wissen – am Donnerstag, 22. April, wird der Prozess fortgesetzt.

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