Zwei der Opfer haben am Mittwoch im Prozess um den Brandanschlag auf eine Gartenhütte in Winterbach im April 2011 ausgesagt. Foto: dpa

Im Prozess um den Brandanschlag in Winterbach sind zwei der Opfer vernommen worden.

Stuttgart - Im Prozess um den Brandanschlag auf Migranten in Winterbach sind die ersten beiden Opfer vernommen worden. Sie hätten Todesangst ausgestanden, aber keinen der Angreifer erkannt, berichteten sie am Mittwoch vor dem Stuttgarter Landgericht. Dort müssen sich zwei junge Männer wegen versuchten Mordes verantworten. Sie sollen am 10. April 2011 aus ausländerfeindlicher Gesinnung eine Gartenhütte in Brand gesteckt haben, in die fünf Migranten geflüchtet waren.

"Nazi-Musik" vom Nachbargrundstück

Vor Gericht stehen zwei junge Männer: Ein 21-Jähriger soll die Gartenhütte in Brand gesteckt haben, ein 22-Jähriger soll neben ihm gestanden haben.

Ein 29 Jahre altes Opfer berichtete am Mittwoch von seiner Todesangst in der brennenden Hütte. „Ich war so unter Schock, dass ich die Polizei angerufen habe. Immer wieder“, sagte er. Schon bei ihrem Grillfest hätten sie von Nachbargrundstück „Nazi-Musik“ gehört. Die Situation sei eskaliert, nachdem auf einem geteerten Weg ein Auto versucht habe, ihn umzufahren. Dann sei er zur Hütte geflüchtet. Die laut Anklage 10 bis 20 Angreifer hätten zum Teil vor der Hütte gelauert, sie beleidigt und attackiert. „Ich habe mich mit aller Kraft gegen die Tür gestemmt, damit sie nicht reinkommen können.“

Opfer und Familie leben seither in Angst

Wenig später habe er eine Art „Pinkelgeräusch“ gehört - von einem Grillanzünder, wie der 29-Jährige vermutete. Dann habe Holz geknistert, und wenig später sei Rauch in die Hütte gedrungen. Erst als ihnen ein Polizist bei einem Notruf zuredete, sie sollten sofort die brennende Hütte verlassen, seien sie raus und weggerannt. Bei der panischen Flucht habe er sich die Mittelhand gebrochen. Auch eine leichte Rauchvergiftung habe er gehabt.

„Von einem Tag auf den anderen hat sich mein Leben total verändert“, erzählt der 29-Jährige vor Gericht. Er und seine Familie hätten nur noch Angst. Er traue sich nicht mehr, allein in seinem Geschäft zu arbeiten. „Wir haben uns wie Deutsche gefühlt“, sagt er kopfschüttelnd.

Opfer wollen Angreifer nicht erkannt haben

Der zweite Zeuge, ein 20-Jähriger, sprach von größeren Gedächtnislücken, die ihm der Richter und der Staatsanwalt jedoch nicht so recht abnehmen wollten. Er habe keine Angreifer gesehen, sagte er immer wieder. Er sei vor den aggressiven Männern geflohen, und habe sich nicht umgedreht. Auf der Flucht habe er wohl einen Schlag oder Tritt in den Rücken bekommen, schilderte der 20-Jährige. Dann sei in einen Dornenbusch gefallen. Er zog sich bei der Flucht eine Gehirnerschütterung zu. Ob er noch etwas spüre, fragte ihn der Vorsitzende Richter. „Ja, Angst. Vor allem Angst.“