Der Streit um eine Autoreparaturrechnung mündete in einer handfesten Auseinandersetzung, die mit der Verletzung eines 49-Jährigen endete. Jetzt standen zwei Tatbeteiligte vor dem Amtsgericht in Spaichingen (Symbolfoto). Foto: © Rockafox – stock.adobe.com

Eine Auseinandersetzung in Trossingen endete mit der Verletzung eines 49-Jährigen.Jetzt standen zwei Brüder vor dem Amtsgericht in Spaichingen.

Für die am vergangenen Donnerstag angesetzte Verhandlung wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung am Amtsgericht Spaichingen hätten im Sitzungssaal die Plätze der Anklagebank gerade so ausgereicht. Aber nur zwei von vier vorgeladenen Angeklagten hatten zu Prozessbeginn Platz genommen.

 

Die gewalttätigen Geschehnisse hatten sich bereits fast auf den Tag genau vor zwei Jahren in Trossingen ereignet. Wie ein Angeklagter später bei seinen Schilderungen anmerkte, ging es eigentlich nur um „Peanuts“, um Differenzen wegen einer Autoreparaturrechnung von wenigen hundert Euro. Ein anberaumtes Schlichtungsgespräch mündet dann aber in einer Prügelei, bei der ein 49-Jähriger mehrere Verletzungen davon getragen hatte.

Die Angeklagten Die beiden anwesenden Angeklagten – ein 39 und 41 Jahre altes Brüderpaar aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis – standen dem Gericht Rede und Antwort. Beide stritten allerdings ab, für die Verletzungen des Opfers verantwortlich zu sein. Dass der mitangeklagte Vater beim Prozess nicht anwesend sein könne, liege daran, dass er sich im Libanon zur Pflege eines Angehörigen aufhalte und deshalb nicht nach Spaichingen kommen könne.

Die Familienverhältnisse Wie sich bei ihren weiteren Schilderungen herauskristallisierte, sind offensichtlich alle Beteiligten, die Angeklagten, die Zeugen, wie auch das Opfer entweder beruflich oder verwandtschaftlich sowie durch das Kfz-Gewerbe in irgendeiner Art und Weise seit Jahren miteinander verbandelt.

Streit um Rechnung So spielte sich auch die Ausgangslage in diesem Gewerbe ab. Denn das spätere Opfer und sein ihm persönlich bekannter Widersacher hatten Meinungsverschiedenheiten wegen eines strittigen Rechnungsbetrags einer Autoreparatur. Am Nachmittag traf man sich auf einem Betriebsgelände eines Gewerbebetriebs in Trossingen, um die Angelegenheit endgültig zu schlichten. Als Schlichter soll sich der Ältere des Brüderpaares, der mit seinem jüngeren Bruder einen Autohandel betreibt, angeboten haben.

Allerdings endete die Schlichtung bevor sie überhaupt begann, in einer handfesten Auseinandersetzung. Denn wie aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Rottweil hervorgeht, soll es im Büro zu wechselseitigen Faustschlägen und Fußtritten gekommen sein. Durch die Attacken hatte das 49-Jährige Opfer einen Nasenbeinbruch, eine Beschädigung an einem Schneidezahn sowie Prellungen an seinem Körper erlitten. Sogar ein Teleskopschlagstock habe eine Rolle gespielt.

Während der Ereignisse sollen sich alle Personen, die bei diesem Verfahren aktenkundig wurden, im Büro aufgehalten haben. Darunter soll sich auch ein unbekannter Mann befunden haben, dessen Identität bis heute nicht ermittelt werden konnte. Die Brüder beschrieben, dass sie erst durch den lautstarken Streit auf die Situation aufmerksam geworden sind. Dann seien sie mit den anderen ins Büro geeilt und hätten versucht, die Streitenden zu trennen. Es sei schwierig gewesen, die beiden auseinanderzubringen. Als die Polizei mit drei Einsatzfahrzeugen eingetroffen war, hatte sich die Lage aber bereits wieder beruhigt.

Zeugenaussagen Die folgende Vernehmung eines Augenzeugen musste nach wenigen Minuten beendet werden, da der Zeugen offensichtlich nicht über ausreichende deutsche Sprachkenntnisse verfügte, um die Fragen der Richterin beantworten zu können und ein Dolmetscher nicht zur Verfügung stand.

Ein weiterer Zeuge hatte auf die Vorladung nicht reagiert und war erst gar nicht erschienen. „Ich will nichts sagen – für mich ist die Sache erledigt“, so äußerte sich das 49-jährige Opfer, als es auf dem Zeugenstuhl Platz nahm. Dass der Mann sich in dieser Situation deutlich unwohl fühlte, zeigten seine Füße, die während der gesamten Befragung unaufhörlich auf und ab wippten.

Als dann die Richterin auf die Tat und die Beteiligung der beiden Angeklagten zu sprechen kam, wichen seine Antworten zu seiner Aussage bei der Polizei beträchtlich ab. „Ich habe bei der Polizei zu viel gesagt“, so die Reaktion auf Vorhalte der Richterin. Er habe schließlich Schläge gegen seinen Kopf bekommen. Bereits Ende Dezember 2023 hatte er seine Anzeige gegen das Brüderpaar zurückgezogen. Auch auf den Hinweis der Richterin, dass er sich strafbar mache, wenn er falsch aussagt, hob er immer wieder darauf ab, dass er durch mehrere Schläge am Kopf verletzt wurde. „Man habe sich ausgesprochen“, so auch immer wieder seine Antwort. Letztlich blieb er beharrlich einer Beantwortung der Frage der Richterin schuldig, auf welche Art und Weise man sich ausgesprochen habe.

Vorschlag des Gerichts Zu einem Urteil kam es nach der fast drei Stunden andauernden Verhandlung nicht. Denn das Verfahren wurde mit Geldauflagen gegen das Brüderpaar und deren Vater vorläufig eingestellt. Die Anklagevertretung sowie die beiden Verteidiger stimmten dem Vorschlag des Gerichts zu. Als Geldauflage müssen das Brüderpaar und dessen Vater jeweils 500 Euro an die Bewährungshilfe Rottweil überweisen. Sollten die Geldauflagen bis Ende des Jahres erfüllt werden, wäre das Verfahren gegen die drei Angeklagten endgültig eingestellt. Neben dieser Geldauflage müssen die Angeklagten aber auch noch für die Verfahrenskosten aufkommen.