Zwei Angeklagte legen Geständnis ab. Wie sie ihr Gewerbe in Pfalzgrafenweiler und ein Hotel in Altensteig zum Drogenumschlagplatz gemacht haben.
Es geht um über 300 Kilogramm Marihuana vor dem Landgericht Rottweil. Drei Männer – darunter ein Gastronom – sollen in Pfalzgrafenweiler, Altensteig und Simmersfeld die Drogen verteilt haben.
Schwurgerichtssaal 201. Dienstag, 3. Februar. Verteidiger Markus Bessler liest das schriftliche Geständnis des 42-Jährigen vor. Er hatte ein Gewerbe mit Lager in Pfalzgrafenweiler und ein Hotel in Simmersfeld. Der Anwalt liest vor: Sein Mandant sei von einem Mann aus Stuttgart kontaktiert worden. „Er fragte mich, ob ich die Drogen zwischenlagern konnte. Für jedes Kilo sollte ich 100 Euro bekommen. Damals war ich süchtig nach Alkohol, Kokain und Tabletten. Er gab mir ein besonderes Handy mit Sky ECC.“
Verschlüsselung geknackt
Sky ECC war ein Krypto-Chat. 2021 gelang es Europol, die Verschlüsselung zu knacken. Jede Menge organisierte Kriminalität wurde aufgedeckt. Auch der Drogenumschlag in der Region Freudenstadt/Calw.
Eigentlich war geplant, dass Dealer die Drogen im Gewerbe abholen. Nach dem Motto: Paket mit Geld abgeben, Paket mit Marihuana abholen. Doch der Stuttgarter, so das Geständnis des 42-Jährigen, wollte bald auch Kurierdienste. Die wurden extra bezahlt. So kamen sein Bruder (34, arbeitete im Gewerbe) und der Gastronom (52) ins Spiel.
So wurde der Bruder zum Marihuana-Lieferanten
Der 42-Jährige: „Ich bedaure, meinen Bruder mit verwickelt zu haben. Als die 153 Kilogramm geliefert wurden, sollte er abladen und sortieren. Mit den fünf Kilogramm im Hotel in Simmersfeld habe ich nichts zu tun. Die waren in einem vermieteten Zimmer. Ich sah damals das Geld, um Alkohol, Kokain und Tabletten zu finanzieren. Ich dachte: Das sind die Geschäfte des Stuttgarters.“
Sein jüngerer Bruder (34) legt über Verteidiger Achim Wizemann ein Geständnis ab: „Im Herbst hat mich mein Bruder gefragt, ob ich Geld verdienen will. Meine Frau war damals psychisch krank. Ich habe täglich Joints geraucht, Kokain genommen, wenn ich Geld hatte. Ich habe vom Abverkauf nicht profitiert. Dann kam mein schlechtes Gewissen, und ich habe abgebrochen.“
So flog der Drogenumschlagplatz auf
Doch wie lief der Drogen-Umschlag konkret? Wie flog das auf? Die Ermittlerin (41): „Der Hinweis kam im Januar 2023 von einem Informanten. Die Telefonüberwachung startet im Februar 2023 . Dann wurden die Sky ECC-Chats ausgewertet.“
Alle drei Angeklagten hatten Geheim-Handys. In Chats gefunden: Bilder vom Gewerbe, vom Hotel, von Fahrten, Preislisten, Cannabis-Blüten und Adressen von Supermarkt-Parkplätzen in Altensteig. Die Ermittlerin: „Dort wurden Drogen in kleineren Mengen übergeben.“
Geheim-Chats ausgewertet
Die Geheim-Chats ergeben folgendes Bild, so die Polizistin: „Der Stuttgarter sorgte für Einkauf und Transport. Der 42-Jährige war mit Gewerbe und Hotel für das Lager zuständig. Sein Bruder für die Übergabe der Ware und den Empfang des Geldes.“ Der Aufenthaltsort des Stuttgarters sei „unbekannt.“
Die Ermittlerin: „Der Gastronom wird in einem Chat erwähnt. Er sei auf der Fahrt nach Ludwigshafen mit seiner Familie.“ Verteidiger Benjamin Waldmüller: „Wie kommen Sie darauf, das Frau und Kinder dabei waren? Fünf Tage später nach der angeblichen Fahrt hat sie ein Kind zur Welt gebracht.“
Das sagt der Gastronom
In der Vernehmung vor dem Haftrichter hatte der Gastronom gesagt: „Der 42-Jährige war der Vermieter meiner Gaststätte. Ich bin nie zu den Supermarkt-Parkplätzen gefahren. Ich habe nie Geld erhalten, nur freundschaftlich geholfen.“
Am 26. Februar soll das Urteil fallen.