Eine Frau soll im Februar in Offenburg mehrere Tage festgehalten, geschlagen und vergewaltigt worden sein – Fotos zeigten nun vor Gericht ihre Verletzungen.
Ein zugeschwollenes Auge, Hämatome überall am Körper, auffällige Male am Hals – die Bilder vom Abend des 9. Februar zeigen eine dünne junge Frau mit üblen Verletzungen. Beamte hatten sie zur Dokumentation ihres augenscheinlichen Martyriums fotografiert.
Richter Matthias Eckelt zeigte die Aufnahmen am Mittwoch auf großen Bildschirmen im Gerichtssaal und betonte: „Über die Interpretation dieser Verletzungen wird uns die Rechtsmedizin zu einem späteren Zeitpunkt weiter Auskunft geben.“
Es stehen schwere Vorwürfe im Raum: Die Angeklagten sollen die Frau im Februar mehrere Tage in einer Wohnung in Offenburg festgehalten haben. Der 40-jährige Hauptangeklagte habe die 22-Jährige – laut Anklage der Ex-Freund ihrer Mutter – körperlich misshandelt und mehrfach vergewaltigt.
Sein 43-jähriger Mitangeklagter und Mieter der Wohnung soll einmal mit der jungen Frau gegen ihren Willen Sex gehabt haben. Während der Jüngere der beiden bislang zu den Vorwürfen schweigt, wies der Ältere diese beim Prozessauftakt vergangene Woche von sich.
Polizei stößt in Nebenraum auf die schwer versehrte 22-Jährige
Kurz bevor die Bilder der jungen Frau am 9. Februar entstanden, war die Polizei „mit starken Kräften“ in die Wohnung eingedrungen. Davon berichteten am Mittwoch einige beteiligte Polizeibeamte.
Demnach trafen die Einsatzkräfte im Wohnzimmer auf die beiden Angeklagten und den Vater des 43-jährigen, der im selben Mehrparteienhaus wohnt. Die Wohnung muss sich in völliger Unordnung befunden haben – Bilder dokumentieren das Chaos. Die junge Frau befand sich in einem Raum neben dem Wohnzimmer.
„Mein erster Eindruck war, dass sie sehr übel mitgenommen und sehr verwahrlost aussah“, schilderte eine am Einsatz beteiligte Kripo-Beamtin den Zustand der Frau. Ob draußen Tag oder Nacht war, habe die 22-Jährige gar nicht sagen können.
Sie habe zudem verängstigt gewirkt, solange der Hauptangeklagte im Nebenraum war. „Ist der Russe noch da?“, soll sie immer wieder gefragt und damit den in Kasachstan geborenen 40-Jährigen gemeint haben. Erst als der wegen seines renitenten Verhaltens aufs Revier gebracht wurde, sei sie zugänglicher geworden.
Mutmaßliches Opfer zeigte sich vom Hauptangeklagten verängstigt
Die junge Frau habe mehrfach betont, dass sie weder schreiben, lesen, noch rechnen könne und soll sich in einer kindlichen Weise ausgedrückt haben. Sie habe auf dem Revier erklärt, geschlagen und gewürgt worden zu sein, berichtete eine weitere Beamtin.
„Ich weiß nicht, ob ich die Wohnung verlassen darf, weil ich ihm gehöre“, soll sie zuvor auf dem Weg gesagt haben. Später stellte sich heraus, dass sie schwerwiegende innere Verletzungen davon getragen hatte – eine Not-Operation rettete ihr das Leben.
„Sie hat sich total gefreut, dass ihr Bruder sich Sorgen um sie machte – ihr Gesicht hat sich richtig aufgehellt“, berichtete die Kripo-Beamtin. Der Bruder der jungen Frau war einige Stunden vor dem Zugriff von Beamten der Bundespolizei beim Drogendealen aufgegriffen worden.
„Ich bin am Arsch. Die haben seit einer Woche meine Schwester“, soll es laut einer beteiligten Beamtinnen aus ihm herausgeplatzt sein. Er schilderte demnach, wie der Hauptangeklagte seine Schwester als Druckmittel benutze, um ihn zum Drogenverkauf zu zwingen.
Bruder führt Polizei zu mutmaßlichen Vergewaltigern
Zunächst habe der Verdacht bestanden, dass es sich um eine Schutzbehauptung handeln könnte, berichtete eine Zeugin. Dann verdichteten sich die Hinweise – die Polizei entschied sich für den Zugriff. Praktischerweise verfügte der Bruder der 22-Jährigen über einen Schlüssel zur Wohnung, wo seine Schwester festgehalten worden sein soll und er – so berichtete er der Polizei – die Drogen abholen habe müssen.
Er soll den Beamten zudem berichtet haben, dass er seine Schwester seit Tagen nicht gesehen, sie aber am Morgen hinter verschlossener Tür vor Schmerzen schreien habe hören. Daraufhin vertraute er sich offenbar den Beamten an, als sich ihm die Chance bot.
So geht’s weiter
Die Verhandlung wird am Freitag fortgesetzt. Laut des vorsitzenden Richters stehen Zeugen aus dem Umfeld der Angeklagten auf dem Plan. Für die Vernehmung der 22-Jährigen sind zwei Tage im Oktober vorgesehen. Zudem verfolgen zwei Sachverständige den Prozess, die ihre Gutachten unter anderem zur psychischen Gesundheit des Hauptangeklagten abgeben werden.