Auf dem Bildschirm eines Smartphones sieht man das Icon der App Whatsapp. Über WhatsApp ist eine 26-Jährige um 61.000 Euro betrogen worden. (Symbolfoto) Foto: Fabian Sommer/dpa

Eine Frau (26) überwies 61.000 Euro an einen Betrüger: „Ich sehe ihn hier im Amtsgericht zum ersten Mal.“ Sie hatten nur Kontakt über WhatsApp.

Da sitzt er: Ein Mann, 30 Jahre alt, aus der Raumschaft. Er ist angeklagt wegen Betrugs. Der 30-Jährige hat sein Liebesopfer ordentlich ausgenommen – nur per WhatsApp.

 

Der Staatsanwalt hat in seiner Anklage nur die Paypal-Überweisungen des „Liebesopfers“ ab 800 Euro aufgelistet. 31 Fälle. Die Summe: Über 44.000 Euro. Doch insgesamt überwies die 26-jährige Frau gut 61.000 Euro an den Angeklagten, wie die Kripo ermittelt hatte.

Das Liebesopfer: „Ich sehe ihn hier zum ersten Mal im Amtsgericht. Ich habe erst gestern wieder mit ihm geschrieben. Da sind Gefühle da.“

So geriet das Opfer in die Fänge des Betrügers

Im September 2021 lernt sie ihn über eine Dating-Plattform kennen. Dann wird über WhatsApp kommuniziert – täglich. Die Frau: „Es fühlt sich an wie eine Beziehung.“ Immer wieder will er Geld. Mal für den Grabstein seiner angeblich gestorbenen Eltern, dann wegen Steuerschulden beim Bitcoin-Kauf. Weil er Freunden Geld geliehen hat und es nicht zurückbekommen hat. Für den Unterhalt für sein Kind“

Die offenbar dreisteste Lüge dann um die Weihnachtszeit 2023: Er sei als Söldner der Gruppe Wagner in der Ukraine. Er sei verletzt, brauche Geld fürs Krankenhaus. Sie überweist insgesamt 4800 Euro.

War der Angeklagte Söldner im Ukraine-Krieg?

Am 21. Februar 2024 die WhatsApp. Angeblich wieder aus der Ukraine: „Ich habe bald Urlaub und will Dich treffen. Ich brauche Geld für den Flieger.“ Geld fließt, der Mann taucht nicht auf. Der letzte Transfer: Am 31. Juli 2024 in Höhe von insgesamt 3000 Euro. Die WhatsApp damals: „Ich sitze in Polen fest.“

Der Staatsanwalt listet 31 Fälle auf.

Verteidiger Stefan Schneer sagt: „In ihrem Beruf verdienen Sie vielleicht 2000 Euro netto. Woher haben sie das viele Geld, um es ihm zu überweisen?“ Das Liebesopfer: „Ich habe schon früh angefangen zu sparen.“ Der Verteidiger weiter: „Haben Sie jemals das Geld konkret zurückgefordert?“ Antwort der Frau: „Nein. Er hat mir versprochen, er zahlt.“

Wie glaubhaft sind die WhatsApp-Geschichten?

Am 24. Oktober zeigt sie ihn dann bei der Polizei an. Die Frau will die Anzeige aber wieder zurückziehen. Der Verteidiger: „Warum?“ Das Liebesopfer: „Da war ich mir so unsicher.“

Doch was war dran an den Geschichten des Angeklagten? Der Polizist: „Auf seinem Konto haben wir regelmäßige Lohnzahlungen feststellen können. Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass er in der Ukraine war.“ Die Ermittlungen weisen darauf hin, dass der Angeklagte spielsüchtig war. Der Ermittler: „Die 61.000 Euro sind komplett weg.“

Verteidiger: „Geschädigte hat es Mandanten unheimlich leicht gemacht“

Dann die Plädoyers. Die Staatsanwaltschaft: „Er hat mit erfundenen Notlagen die Gefühle des Opfers ausgenutzt.“ Verteidiger Stefan Schneer: „Meinem Mandanten wurde die Tatbegehung unheimlich leicht gemacht. Die Geschädigte spricht heute noch von Gefühlen.“

Um 15.17 Uhr spricht Richterin Jennifer Dallas-Buob das Urteil: Ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung. Sie sagt: „Nicht eine Sekunde hat der Angeklagte daran gedacht, das Geld zurückzuzahlen. Sie haben die Gefühle des Opfers gnadenlos und eiskalt ausgenutzt. Nicht einmal entschuldigt haben Sie sich bei ihr.“ Diese Gefühlskälte sei straferschwerend.

Vorab hatte sich der Angeklagte in einem Vergleich dazu verpflichtet, die 44.000 Euro in 500-Euro-Raten zurückzuzahlen. Und ab Mitte 2026 den Rest. Dafür will er einen Kredit aufnehmen.

Richterin Dallas-Buob sagt dazu: „Ihre vielen Worte auf WhatsApp waren nichts wert. Wir fragen uns, ob ihr heutiges Wort mehr Wert hat. “ Dazu verhängt sie noch eine Geldauflage in Höhe von 2000 Euro Geldauflage an den Weißen Ring.