Die Geislinger Feuerwehr konnte den Brand am 16. Juli löschen. Noch in derselben Nacht wurde der Angeklagte festgenommen. Foto: Archiv/Oliver Schmid

Im Prozess am Landgericht Hechingen wurden 13 Zeugen befragt, darunter auch diejenigen, denen durch die Feuer im vergangenen Sommer materielle Schäden entstanden sind.

Die meisten Geschädigten haben den Brandstifter kaum oder gar nicht persönlich gekannt. Trotzdem wurden sie Ziel seines Zerstörungswerks. Mehr über dessen Vorgehen wurden durch die Zeugenaussagen klar.

 

Die Methode

Die erste Zeugin berichtete von der ersten Brandstiftung an dem Stall, in dem sie drei Rinder untergebracht hatte: Als sie am 7. Juni morgens nach den Tieren schaute, sah sie Qualm, entdeckte schwelende Wandbretter und drinnen kleine Flammen. Mit Eimern und Wasser löschte sie rasch selbst.

„Es hat nach Benzin gerochen“, erinnerte sie sich. Im Gras und auf der Schotterfläche vor dem Stall lagen ein Benzinkanisterverschluss und lange Kaminanzünder-Streichhölzer. Brandbeschleuniger hat der Täter mit großer Wahrscheinlichkeit auch bei den folgenden vier Feuern verwendet.

Täter auf Video

Der zweite Zeuge führt mit seiner Schwester einen landwirtschaftlichen Betrieb. Nach den ersten Feuern hatten sie Videokameras an ihrer landwirtschaftlichen Halle in Verlängerung der Hubertstraße angebracht. Dadurch entdeckten sie die Brandstiftung am 4. Juli frühzeitig, die Feuerwehr löschte.

Weil der Täter offenbar von den Kameras wusste und sich aus deren Sichtfeld hielt, rüsteten die Geschwister zusätzliche nach, um den toten Winkel hinter der Halle abzudecken. „Beim fünften Mal haben wir ihn wirklich gesehen“, berichtete die Landwirtin.

Der am 16. Juli zu erkennende Mann – maskiert, Baseballkappe, Kapuzenjacke, kurze Hose, Rucksack – leert etwas aus und zündet es vorsichtig mit einem Feuerzeug an, ehe er sich davonmacht. Nur zwei Minuten dauert es, bis die Flammen zu der direkt an dieser Ecke installierten Kamera hinauf schießen und die Wand lichterloh brennt.

Feuerwehrmann kommentiert, was zu erkennen ist

Der Zeuge ist erfahrener Feuerwehrmann und kommentierte für das Gericht die in der Verhandlung gezeigten Aufnahmen. Klar erkennbar für ihn: „Die Holzfassade brennt nur mit Brandbeschleuniger so schnell, selbst wenn man einen Schweißbrenner daran hält.“

Dafür spricht auch, wie schnell und stark die Holzpaletten neben derselben Halle gebrannt haben, die der Täter am 4. Juli angesteckt hatte. Die Tage davor habe es viel geregnet, erinnerte sich der Zeuge: „Da war alles patschnass.“

Kein Feuerwehrmann

Ob der Zeuge die Person auf den Videos kannte, wollte der Richter wissen. „Nein. Das einzige, was wir erkannt haben: dass es keiner von der Feuerwehr Geislingen war.“

Die Erleichterung war dem Zeugen anzuhören. Denn der Verdacht, dass einer der Kameraden selbst die Brände gelegt haben könnte, hatte im Sommer 2024 in Geislingen die Runde gemacht.

Aufnahmen vom Handy

Weitere, sehr kurze Videos wurden gezeigt. Die Polizei hat diese auf dem Smartphone des Angeklagten gefunden.

Alle wurden nachts aufgenommen, eines am 13. Juni aus einem Auto heraus. Dieses fährt im Geislinger Ried zwischen einem Pferdestall und einer Lagerhalle hindurch – genau dorthin, wo in derselben Nacht der Rinderstall niederbrannte.

Auf einem zweiten, vom 4. Juli, ist in der Ferne das rechtzeitig gelöschte Feuer an der Halle zu sehen. Die Ortskundigen im Gericht konnten auf einer Karte genau zeigen, von welcher Stelle aus der Angeklagte das Video gemacht hat.

Der Weg

Die Überwachungsvideos geben Hinweise darauf, woher der Brandstifter kam und wohin er eilig gegangen ist, sobald das Feuer brannte: „Der kam von der Isinger Straße den asphaltierten Feldweg entlang“, sagte der Zeuge. Von dort aus ist auch das letzte Handy-Video gefilmt worden.

Eine andere Kamera hat gefilmt, wie der Mann vom Asphaltweg auf die Wiese abbiegt, die hinter der die Straße verläuft. Von dort sind es keine zwei Minuten Fußweg bis zum Ortsrand – und in fast gerader Linie dahinter steht das damalige Wohnhaus des Angeklagten.

Der Prozess wird am 20. Februar und 4. März fortgesetzt, unter anderem mit der Befragung weiterer Zeugen. Darunter sind unter anderem zwei Versicherungssachverständige und ehemalige Kollegen des Angeklagten.