Sogenannte "Kräutermischungen" sehen aus wie normales Marihuana. Hinter dem harmlosen Namen verbergen sich aber gefährliche Designerdrogen. Foto: © Bänsch

Sogenannte "Legal Highs" sind zwar nicht verboten, oftmals aber gefährlich. Vor zwei Jahren starb ein 29-Jähriger in Freudenstadt nach dem Konsum. Der Fall kam nun vor Gericht.

Freudenstadt - Die Droge sieht harmlos aus. Ein dunkelgrünes Häufchen zerhackter Pflanzenteile – Marihuana würde der Laie denken. In der Szene wird die Droge als "Kräutermischung" verkauft. Doch mit Marihuana-Pflanzen oder Kräutern hat das Ganze nur wenig zu tun. Denn die zerhackten Pflanzenteile sind nur der Träger für eine synthetische Droge, die auf das Material gesprüht wird.

Um die Drogengesetze zu umgehen, entwickeln Chemiker im Labor immer neue berauschende Substanzen. Diese sind im Betäubungsmittelgesetz noch nicht erfasst und damit vorerst legal. Besitz, Erwerb und Konsum sind nicht verboten. Nur der Verkauf ist strafbar.

Tödlicher Drogenrausch

Doch legal bedeutet nicht ungefährlich – ganz im Gegenteil. Die Wirkung ist oftmals unvorhersehbar und sogar stärker als die so manch einer illegaler Droge. Vor knapp zwei Jahren, im Dezember 2020, starb ein 29-Jähriger in Freudenstadt, nachdem er eine "Kräutermischung" konsumiert hatte, die synthetische Cannabinoide enthielt. Laut Obduktion war die Droge mit hoher Wahrscheinlichkeit die Todesursache.

In dieser Woche wurde der Fall nun vor dem Amtsgericht Freudenstadt verhandelt. Einem 38-jährigen Mann wurde vorgeworfen, dem Verstorbenen die tödliche Droge verkauft und damit fahrlässig den möglichen Tod des jungen Mannes in Kauf genommen zu haben.

Zeuge für Aussage zu betrunken

Auf die Spur des 38-Jährigen war die Polizei durch Aussagen aus dem Freundeskreis des Verstorbenen gekommen. Als die Beamten die Wohnung des Mannes durchsuchten, stellten sie 47 Gramm der "Kräutermischung" sicher. Auch eine Feinwaage, ein Notizbuch und das Handy des Mannes wurden beschlagnahmt.

Doch vor Gericht erwies sich die Beweisführung als schwierig. Der erste Zeuge – in den Augen der Verteidigung der Hauptbelastungszeuge – war so stark betrunken, dass er nicht befragt werden konnte. Der Verteidiger hatte den Mann zuvor vor dem Gerichtsgebäude Bier trinken sehen. Das sei an dem Tag schon die dritte Flasche gewesen, gab der Mann lallend zu und erklärte, er sei alkoholkrank.

Gemeinsam die "Kräutermischung" probiert

Aussagen wollte er trotzdem. Doch daraus wurde nichts. "Entschuldigung, der ist dicht", bemerkte der Verteidiger. Und auch der Staatsanwalt kam zu dem Schluss: "Er ist schlicht und ergreifend nicht vernehmungsfähig."

Immerhin erschien der nächste Zeuge nüchtern vor Gericht. Seit dem Drogentod seines Freundes habe er die Finger von Alkohol und Drogen gelassen, berichtete der Mann. Doch bevor sein Kumpel starb, habe er gemeinsam mit ihm die "Kräutermischung" ausprobiert.

"Es wird vieles erzählt"

"Das war halt schon heftig, das Zeug", berichtete der Mann. Deshalb habe er auf einen weiteren Konsum der unberechenbaren Droge verzichtet. "Das ist ein Zeug, das niemand kennt. Das ist die Problematik an der Sache." Dem stimmte auch die Richterin zu.

Doch wirklich belasten konnte der Zeuge den Angeklagten nicht. Er habe von anderen Leuten erfahren, dass der Angeklagte seinem Freund die "Kräutermischung" verkauft habe. "Das wird erzählt, aber es wird vieles erzählt", meinte der Zeuge und machte damit die geringe Beweiskraft seiner Aussage deutlich.

Geringe Aussicht auf verwertbare Aussage

Auch der Polizist, der in diesem Fall ermittelt hatte, konnte den Angeklagten nicht entscheidend belasten. Nach dem Vorfall habe er beide Zeugen vernommen und schon damals sagten sie aus, dass sie die Übergabe der Drogen nicht direkt beobachtet hätten.

Auch machte der Beamte der Richterin nur wenig Hoffnung, den vor Gericht betrunken erschienenen Zeugen jemals in nüchternem Zustand vernehmen zu können. Der Mann sei alkoholkrank, habe psychische Probleme und sei damals bei der Vernehmung in der Psychiatrie gewesen.

Die für Dealer üblichen Tütchen fehlen

Weder auf dem Handy des Angeklagten noch im Notizbuch seien eindeutige Beweise gefunden worden, dass der Angeklagte die "Kräutermischung" verkauft habe, berichtete der Polizist. Auch sei kein Verpackungsmaterial wie zum Beispiel kleine Tütchen gefunden worden, die Drogendealer üblicherweise verwenden.

Zwar sei die in der Wohnung gefundene synthetische Droge dieselbe, wie die im Blut des Verstorbenen. Die beschlagnahmte Lieferung sei aber erst nach dem Tod des Mannes eingetroffen.

Drogen-Shop noch immer online

Eine Verbindung zwischen dem Angeklagten und dem Tod des 29-Jährigen konnte somit nicht nachgewiesen werden. Selbst der Staatsanwalt bezeichnete die Aussagen der Zeugen als "Hörensagen" und plädierte für einen Freispruch. Dem folgte dann auch die Richterin.

Für den Erwerb und Besitz der synthetischen Drogen konnte der Angeklagte nicht belangt werden, denn illegal ist das nicht. Besonders bizarr: Der belgische Online-Shop, von dem der Angeklagte die Drogen bezogen hat, ist nach wie vor online und verkauft weiterhin die gefährlichen Substanzen.