Um Kinderpornografie ging es kürzlich am Feudenstädter Amtsgericht. (Symbolbild) Foto: Duda/Fotolia.com

Seit dem vergangenen Sommer gibt es ein Gesetz, nachdem bereits der Besitz von Kinderpornos als Verbrechen gilt. Seitdem häufen sich die Prozesse.

Freudenstadt - Es kommt nicht eben häufig vor, dass in einem Gerichtsverfahren Staatsanwaltschaft, Verteidiger und Richter für das gleiche Strafmaß optieren. Meist plädiert die Anklagebehörde für Härte, die Verteidigung will es etwas milder – und das salomonische Urteil des Richters liegt nicht selten irgendwo dazwischen.

Nicht so im jüngsten Kinderporno-Prozess vor dem Amtsgericht Freudenstadt. Ein Jahr und sechs Monate Haft mit Bewährung lautet das Urteil. Und der Verurteilte muss sich in Therapie begeben.

85 Bilddateien mit kinderpornografischem Inhalt

Die Anklage wiegt schwer. 85 Bilddateien mit kinderpornografischen Inhalten habe die Polizei im Haus des Angeklagten im Großraum Freudenstadt gefunden. Hinzu kämen drei Videos sowie 121 Dateien mit Jugendpornografie. Staatsanwalt Frank Grundke beschreibt kurz, was dabei zu sehen ist – die geschilderten Szenen sind ekelerregend.

Kooperativ bei der polizeilichen Durchsuchung

"Ich gebe zu, dass ich die Fotos hatte", so der Angeklagte. "Es war ein großer Fehler von mir, dass ich das gemacht habe." Er habe sich die Dateien aus dem Internet heruntergeladen. Und der Beschuldigte fügt hinzu: "Ich habe auch mit meiner Frau darüber geredet. Und ich bin in psychologischer Behandlung."

"Er wirkte beeindruckt und überwältigt", berichtet ein Polizeibeamter als Zeuge, der die Ermittlungen seinerzeit leitete. Vor allem: Der Beschuldigte sehr kooperativ gewesen, habe etwa das Passwort seines PCs bereitwillig preisgegeben.

Ehefrau reagierte verwirrt und ratlos

Der Angeklagte, Jahrgang 1980, lebt in geordneten Verhältnissen, hat eine Ausbildung abgeschlossenen, hat derzeit ein monatliches Einkommen zwischen 1800 und 1900 Euro und nach eigenen Angaben keine Schulden. Er ist nicht vorbestraft.

Anfang Mai stehe eine erste psychotherapeutische Behandlung an. "Früher ging es nicht, alles war belegt." Seine Frau sei nach der Entdeckung der Pornos völlig verwirrt und ratlos gewesen. "Warum, weshalb? – Dann habe ich ihr alles erklärt."

2021 wurde das Gesetz verschärft

"Ich kann mich relativ kurz fassen", beginnt Staatsanwalt Grundke sein Schlussplädoyer. "Die Frage ist nur, wie die Tat zu betrafen ist." Entscheidend für das Strafmaß sei die veränderte Gesetzeslage seit dem 1. Juli 2021, führt er aus.

Damals trat eine Verschärfung des Gesetzes in Kraft, wonach bereits der Besitz kinderpornografischer Inhalte als Verbrechen gilt. "Diese Fassung ist zugrunde zu legen." Und das neue Gesetz sehe eine Strafe zwischen einem Jahr und zehn Jahren Haft vor.

Kooperation wirkt sich strafmildernd aus

Zu berücksichtigen sei, dass es sich um eine vergleichsweise sehr hohe Anzahl von Pornos handele, als strafmildern gelte hingegen, dass der Angeklagte nicht vorbestraft sei, sich kooperativ gezeigt habe – und nicht zuletzt eine Therapie in die Wege geleitet habe.

Ein Jahr und sechs Monate Haft auf Bewährung sowie eine Geldstrafe von 3000 Euro seien angemessen. Ganz ähnlich sieht das der Verteidiger Lars Willems, nur bei der Geldauflage wolle er Milde walten lassen, plädiert für 1500 Euro.

Geldstrafe in Höhe von 1500 Euro geht an den Kinderschutzbund

Richter Rainer Graf-Frank schließt sich dem an: Ein Jahr und sechs Monate Haft mit Bewährung. Bei der Geldstrafe urteilt er salomonisch: 1 500 Euro an den Deutschen Kinderschutzbund. Entscheidend aber sei die Therapie, der Verurteilte müsse diese dem Gericht nachweisen, wenn er mit der Behandlung begonnen habe sowie einen Abschlussbericht liefern.