Ein Chargenlabel wird in ein Impfbuch eingeklebt. Der Prozess gegen einen Balinger wegen mutmaßlichen Diebstahls solcher Labels im KIZ Meßstetten wurde nun eingestellt. Foto: Murat

Ein 30-Jähriger soll im Kreisimpfzentrum Meßstetten Impfaufkleber gestohlen haben. Die Verhandlung am Balinger Amtsgericht wurde nun gegen eine Geldauflage eingestellt.

Balingen - Der Prozess um den mutmaßlichen Diebstahl von Impfchargenaufklebern im früheren Kreisimpfzentrum Meßstetten (KIZ) ist ganz still zu Ende gegangen. Das Verfahren gegen einen 30-Jährigen wurde eingestellt. Der Balinger muss laut Auskunft des Gerichts eine Geldauflage bezahlen.

Als Securitymann im KIZ tätig

Dem Mann war von der Staatsanwaltschaft Hechingen vorgeworfen worden, im Februar 2021 eine nicht mehr genau feststellbare Zahl der Aufkleber entwendet zu haben. Der Balinger war dort als Mitarbeiter einer regionalen Sicherheitsfirma beschäftigt. Der materielle Wert der Aufkleber sei gering, der funktionelle Wert aber enorm: Potenziell hätten sich damit in Verbindung mit einem Stempel und einer Unterschrift Impfungen nachweisen lassen können, die tatsächlich nie verabreicht wurden. Im Zollernalbkreis waren im vergangenen Jahr zahlreiche Fälle gefälschter Impfbücher bekannt geworden.

Der frühere Securitymann machte zu den Vorwürfen beim Prozessauftakt keine Angaben, ließ über seinen Anwalt allerdings erklären, dass er die Tat bestreite. Der Zeuge, der den mutmaßlichen Diebstahl gesehen haben wollte, war zum Prozess nicht erschienen und hatte deswegen ein Ordnungsgeld kassiert. Letztendlich wurde er gar nicht mehr angehört, die Verhandlung auch ohne seine Aussage eingestellt.

Sicherheitsvorkehrungen lax

Deutlich war in der Verhandlung geworden, dass die Sicherheitsvorkehrungen im KIZ bezüglich der Impfaufkleber zum Zeitpunkt des mutmaßlichen Diebstahls nicht optimal waren. Die Aufkleber lagen zu dieser Zeit – zum Beginn der Impfkampagne – ebenso wie die Stempel mehr oder weniger offen herum und konnten auf Druckern im KIZ einfach nachgedruckt werden.

Die damit möglichen Betrügereien hatten die Verantwortlichen wohl noch nicht im Blick. Erst im späten Frühjahr habe sich die Praxis geändert: Dann hätten die Hersteller der Impfstoffe fälschungssichere Chargenlabels mitgeliefert, und die Stempel wurden sicher verwahrt.