Aus Blutrache soll ein 56-Jähriger aus Lahr im Sommer 2024 am Hauptbahnhof Frankfurt einen 27-Jährigen getötet haben. Am Freitag startete der Prozess.
Ein mutmaßlicher Mord aus Blutrache erregte im Sommer 2024 bundesweite Aufmerksamkeit: Am Frankfurter Hauptbahnhof soll ein 56-Jähriger einen 27-Jährigen getötet haben. Im Internet kursierte ein Video, das die wie eine Hinrichtung wirkende Tat zeigen sollte. Einige Tage später wurde bekannt: Der Mann hat offenbar zum Zeitpunkt der Tat in Lahr gewohnt.
Gemeinsam mit sieben anderen Männern, die zum Teil im Dezember 2024 und im Mai 2025 in Lahr verhaftet wurden, muss sich der Angeklagte nun vor dem Frankfurter Landgericht verantworten. Sieben von ihnen wirft die Staatsanwaltschaft Mord aus niedrigen Beweggründen vor. Zwei sollen zudem heimtückisch gehandelt haben. Den Sieben droht eine lebenslange Haftstrafe.
Die Anklage beschreibt eine schon länger andauernde, blutige Fehde zwischen zwei Familien in der Türkei. Das erste Todesopfer im Jahr 2016 war der Vater des 27-Jährigen. Im Mai 2024, also kurz vor der Tat in Frankfurt, soll ein Familienangehöriger des 27-Jährigen den Neffen des nun angeklagten Schützen getötet haben.
27 Verhandlungstermine sind angesetzt
Auf die Spur kam die Familie dem Getöteten offenbar über die Sozialen Medien. Laut Staatsanwaltschaft war er auf der Plattform Tiktok aktiv und filmte sich regelmäßig selbst. Am Abend des 20. August haben die nun Angeklagten offenbar erfahren, dass er mit dem ICE von Mainz weiter nach Frankfurt fuhr und wollten ihn töten. Ein Team wartete in Mainz, eins in Frankfurt. Dort – auf Gleis neun – soll das Team den 27-Jährigen gegen 21 Uhr entdeckt haben. Der 56-Jährige soll eine Schusswaffe aus seiner Hosentasche gezogen, von hinten an den 27-Jährigen herangetreten und ihm zunächst im Abstand von etwa 30 Zentimetern einmal in den Kopf geschossen haben. Als der Mann tödlich getroffen zu Boden sackte, soll der Schütze noch zwei Schüsse auf seinen Kopf abgefeuert haben. Anschließend warf er laut Staatsanwaltschaft die Waffe weg, lief zu einem an Gleis 7 stehenden Zug und rüttelte an der Tür, doch zwei Beamte der Bundespolizei konnten ihn festnehmen.
Die acht angeklagten Männer ließen von ihren Rechtsanwälten am ersten Prozesstag am Freitag erklären, sich nicht äußern zu wollen. Die Schwurgerichtskammer hat bislang – inklusive des Auftakts – 27 Verhandlungstermine bis in den Juli bestimmt.