Ein 31-jähriger Rumäne soll im vergangenen Sommer ein Mädchen aus dem Europa-Park-Bad Rulantica entführt und sich an ihm vergangen haben. Jetzt startete der Prozess.
Der 31-jährige Angeklagte trägt einen roten Pullover, eine blaue Jeans sowie Hand- und Fußfesseln, als er um kurz nach 9 Uhr am Montagmorgen von Justizangestellten in den Gerichtssaal geführt wird. Der rumänische Staatsbürger, der zuletzt im Lahrer Ortsteil Sulz gewohnt hat, soll am 9. August 2025 um kurz nach 20 Uhr ein damals sechsjähriges Mädchen aus dem Ruster Spaßbad Rulantica entführt und sexuell missbraucht haben. Der Fall löste im Sommer bundesweit Entsetzen aus, seit Montag muss sich der Mann vor dem Landgericht Freiburg verantworten.
Entschuldigung bei Kind und seinen Eltern
Direkt am ersten Prozesstag legte der 31-Jährige ein Geständnis im Sinne der Anklage ab: „Ich bereue es sehr, was geschehen ist, und möchte mich bei den Eltern und dem Kind entschuldigen“, ließ der Angeklagte von seinem Verteidiger erklären. „Ich kann mir auch nicht erklären, wie es dazu kommen konnte“, hatte er zuvor bei der Befragung zu seiner Person gesagt.
Weiter ins Detail ging er zu den Hintergründen zunächst nicht, für den zweiten Verhandlungstag am Mittwoch ist eine weitere Befragung des Angeklagten geplant. Denn es gebe noch offene Fragen, so der Vorsitzende Richter Stefan Bürgerlin am Montag. Ob sich der Angeklagte dann auch mit Details zur Tat – vor allem dem Warum – äußern wird, ist offen.
Bereits vor dem Geständnis hatten sich Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Kammer auf einen möglichen Strafrahmen für den Mann geeinigt. Demnach ist eine Haftstrafe von mindestens drei Jahren und neun Monaten sowie höchstens vier Jahren und neun Monaten wahrscheinlich.
Auch wenn noch viele Fragen offen blieben, erfuhr man am Montag bereits einiges über den 31-Jährigen, der seit 2021 in Deutschland lebt. Weil er in Deutschland nahe Verwandte hatte, sei er vor rund vier Jahren hierhergezogen. Zuletzt arbeitete er für einen längeren Zeitraum als Paketzusteller – zunächst direkt bei der Firma, später für einen Subunternehmer. Allerdings nicht als Fahrer, sondern als zweiter Mitarbeiter bei schwerer Fracht. Denn seinen Führerschein hatte der Mann aufgrund von Trunkenheit am Steuer in Frankreich verloren.
An den Wochenenden konsumierte er nach eigenen Angaben regelmäßig Alkohol und Drogen – so auch am Tag der Tat. Von 10 bis 12 Uhr habe er einen Viertelliter Schnaps und Kokain zu sich genommen, ab etwa 12 Uhr hielt er sich dann im Rulantica-Bad auf und trank dort über den Tag verteilt mehrere Bier. Doch auch der Alkohol und die Drogen seien keine Entschuldigung für das, was er getan habe, ließ er durch seinen Verteidiger erklären.
Polizei soll 40 Minuten gebraucht haben
Begonnen hatte die Verhandlung mit dem Verlesen der Anklageschrift. Gegen 20.20 Uhr „erblickte er die Geschädigte“, so die Staatsanwältin über den Angeklagten. Weil das Mädchen seine Eltern, die die Verhandlung am Tisch der Nebenklage verfolgten, aus den Augen verloren hatte, soll der Mann ihm angeboten haben, ein Taxi zu rufen. Stattdessen soll er sie – nur mit Bikini und Badeschlappen bekleidet – in ein nahe gelegenes Maisfeld gebracht haben und dort sexuelle Handlungen vollzogen haben.
Erst habe der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft Kokain durch den Mund konsumiert, anschließend wollte er, dass auch das Mädchen Drogen nimmt. Die damals Sechsjährige gab laut Anklage sogar vor, das Pulver genommen zu haben. Stattdessen soll sie sie aber zu Boden geworfen haben. Anschließend soll der Mann seine Hose bis in die Kniekehle heruntergezogen haben – und er „versuchte mehrfach, dem Kind die Badehose herunterzuziehen“, so die Anklage.
Das Mädchen wehrte sich dagegen: „Ich mag dich nicht, ich mag dich nicht“, sagte sie laut Staatsanwältin. Auch als der Angeklagte sie auf seinen Schoß setzte, mehrfach küsste und an Schulter, Oberschenkel und Oberkörper berührte, sprach die damals Sechsjährige laut Anklage mit dem 31-Jähriger. „Du bist überhaupt kein guter Mann“, soll sie gesagt haben, ehe sie weglaufen konnten.
Mit dem Satz „Ich mach’s nicht, bleib hier“, habe er sie zum Bleiben überredet, das Kind auf den Arm genommen und kurz darauf mit den Worten „Deine Mutter kommt“ in ein Gebüsch geworfen. Danach lief das Mädchen bis nach Kappel-Grafenhausen, wo sie von einem Pizzalieferanten, der einen landwirtschaftlichen Weg als Abkürzung nutzte, aufgegriffen wurde.
Das Mädchen sei, nur mit Bikini bekleidet und sichtlich erschöpft, auf der Straße gelaufen und habe mit den Armen fuchtelnd auf sich aufmerksam gemacht, sagte der Pizzalieferant bei seiner Zeugenaussage auf Türkisch, ein Dolmetscher übersetzte.
Seine Frau, die der Pizzalieferant nach dem Auffinden des Kindes kontaktierte, rief anschließend die Polizei, kam dazu und sprach mit dem Mädchen. Beide Zeugen berichteten davon, dass die Polizei 40 Minuten gebraucht habe, bis sie am Ort des Geschehens eingetroffen sei. Es habe zu lange gedauert, so der Zeuge, der das Mädchen fand.
So geht es weiter
Nach dem Prozessauftakt am Montag geht es bereits am Mittwoch im Freiburger Landgericht weiter. Neben einer weiteren Befragung des Angeklagten soll auch ein Sachverständiger aussagen. Außerdem ist die Aussage des Vaters des Mädchens geplant. Die Mutter sagte am Montag – zum Schutz des Kindes nichtöffentlich – aus. Aufgrund eines Schwächeanfalls der Frau wurde die Aussage ihres Mannes auf den Termin am Mittwoch verlegt. Weitere Verhandlungstermine sind am 18. Februar sowie am 2. März geplant. Dann wird vielleicht auch der im Raum stehende Vorwurf, dass die Polizei zu lange gebraucht habe, um am Einsatzort zu sein, geklärt. Die Verhandlungen beginnen jeweils um 9 Uhr – mit Ausnahme der Verhandlung am 18. Februar, die um 13 Uhr startet.