Im mit Spannung erwarteten Prozess im Fall Vincent Schöller ist das Urteil gefallen: Das Landgericht betrachtet die Nichtnominierung des Schiedsrichters vom TSV Haiterbach für die Regionalliga als korrekt.
Zumindest vor Beginn der Verhandlung können die Schiedsrichter einen kleinen Erfolg feiern: Wie schon vor zwei Wochen vor dem Amtsgericht waren wieder rund 20 von ihnen aus ganz Württemberg nach Stuttgart gekommen, um ihren Kollegen Vincent Schöller vom TSV Haiterbach bei seiner Klage gegen den WFV – nun vor dem Landgericht – symbolisch zu unterstützen. Dafür war der Saal 22 um Längen zu klein. „Es ist viel Öffentlichkeit da. Was mache ich am besten?“, fragte Richterin Gerstorfer dann auch eilig über ihr Telefon. Und so musste die Verhandlung schließlich in einen größeren Saal im historischen Gebäudeteil verlegt werden.
Nicht nominiert
In der Sache folgte die Richterin jedoch der Argumentation des Württembergischen Fußballverbands. Den hatte Schöller verklagt, weil er als notenbester Oberliga-Schiedsrichter Württembergs nicht für den Aufstieg in die Regionalliga nominiert werden soll. Stattdessen zieht sein Verbandsschiedsrichterausschuss den älteren und schlechter benoteten Jonathan Woldai vor, der selbst Mitglied eben dieses Ausschusses ist.
Das sei Vetternwirtschaft, sagen Schöller und sein Anwalt Sascha Wirth, der zugleich Obmann der Schiedsrichtergruppe Kocher/Jagst ist. Der WFV argumentiert hingegen, dass das allein seine Entscheidung sei und kein ordentliches Gericht darüber zu entscheiden habe. „Das findet alles innerhalb der Verbandsautonomie statt“, sagte WFV-Anwalt Martin Stopper in der Verhandlung. Willkür liege dabei nicht vor, weil man bei anderen Schiedsrichtern eine bessere Perspektive sehe als bei Schöller, der bereits Regionalliga-Referee war.
Gericht kann nicht helfen
Das sah auch die Richterin so. „Dass das alles nicht glatt gelaufen ist, ist für Sie nicht schön“, wandte sie sich in der Verhandlung an Schöller, „aber das ist eine verbandsinterne Sache.“ Ihr Urteil: „Das ordentliche Gericht kann in dieser Sache nicht weiterhelfen.“
Schöller zeigte sich nach der Verhandlung enttäuscht: „Das ist halt die Vetterleswirtschaft und das Gemauschel im Verband. Die Verhandlung zeigt, wie ignorant der WFV ist. Das ist der eindeutige Beweis, dass im Verband einiges nicht stimmt.“ Auch sein Anwalt Sascha Wirth zeigte sich „nicht nur enttäuscht, sondern entsetzt darüber“, wie sich der Verband vor Gericht präsentiert habe – denn er stelle sich offen gegen das, was die Schiedsrichter wollen würden. Das habe man auch anhand der Reaktionen in der Verhandlung gesehen.
Denn immer wieder kam es zu Zwischenrufen vonseiten der Schiedsrichter im Zuschauerbereich, in dem kein einziger Stuhl frei blieb. „Sie haben hier nicht viele Freunde“, sagte auch die Richterin zu WFV-Geschäftsführer Frank Thumm, der den Verband vor Gericht vertrat. Er selbst beschwerte sich in der Verhandlung: „Sobald ich etwas sage, wird hier gelacht.“
So geht es jetzt weiter
Juristisch ist das letzte Wort dagegen noch nicht unbedingt gesprochen. Wirth kündigt an: „Wir warten jetzt die Urteilsbegründung ab, die am Freitag kommen müsste. Dann werden wir prüfen, ob wir Rechtsmittel einlegen.“