Der 22-jährige Angeklagte wurde im Prozess um ein in Horb geraubtes Smartphone vom Landgericht Rottweil zu einer Haftstrafe verurteilt. Foto: Lück

Das Horber Opfer des "Loverboys" Stan T. wollte nur eins: Ein gerechtes Urteil. Das hat er jetzt bekommen: Sein iPhone ist zwar weg, aber der angeklagte Rumäne muss weiterhin im Gefängnis bleiben.

Rottweil/Horb - Als die Jugendstrafkammer um 10.31 Uhr das Urteil spricht, sackt Stan T. förmlich zusammen: Die Hände gefaltet, die Augen geschlossen. Eigentlich sollte er am 30. Mai nach Rumänien abgeschoben werden. Doch jetzt muss er weiter im Gefängnis bleiben.

Die Vorsitzende Richterin: "Schuldig. Der Angeklagte bekommt eine Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten. Wegen Beihilfe zu einem schweren Raub und Körperverletzung. Dazu wird ein Haftbefehl vollstreckt!"

Am 30. Mai wäre er nach Rumänien abgeschoben worden

Wichtig: Bei einem Freispruch wäre der Loverboy am 30. Mai nach Rumänien abgeschoben worden. Dort hat er mit dem Geld aus seinen Geschäften in Deutschland (Autohandel, Vermittlung Bauarbeiter, "Loverboy" und Escort-Service) monatlich 30.000 bis 40.000 Euro verdient. Dort eine Pension mit 30 Zimmern gebaut, die sein Bruder verwaltet, so die Richterin.

Statt Sommer, Sonne, Sonnenschein jetzt weiter die karge Zelle. Warum? Am 7. Juli war Stan T. (22) mit seinem blonden Komplizen in einem goldgelben Citroën C4 unterwegs. Er hatte vorher über den Facebook-Marktplatz gleich zwei iPhone 11X klargemacht: Eins in Ulm und eins in einem Horber Teilort. Mit den Verkäufern die Gespräche geführt. Um 21.13 Uhr übergibt ihm der Ulmer das Smartphone, er zückt Pfefferspray, entreißt es und flüchtet. Das Auto rast davon. In Horb schlägt das Auto um 22.43 Uhr auf. Der blonde Komplize entreißt dem Opfer das Nobel-Handy, das Auto rast mit quietschenden Reifen davon. Für die Tat in Ulm kassierte der Rumäne drei Jahre und sechs Monate.

"Strecke von Ulm nach Horb ist in neunzig Minuten zu schaffen"

War er in Horb dabei? Die Jugendstrafkammer: "Auf dem Smartphone des Angeklagten gab es lediglich Fotos vom iPhone aus Ulm. Spätestens nach der erfolgreichen Tat in Ulm erklärte er sich bereit, den Komplizen zu unterstützen. Der war auch sicher, das es klappt. Weil der Komplize beim Verkaufsgespräch dabei war und gesehen hat, dass das Opfer durch seine Sprunggelenk-OP körperlich beeinträchtig ist."

Das Gericht geht also davon aus: Der "Loverboy" (Anm. d. Red.: bei der sogenannten "Loverboy-Methode" versuchen Männer insbesondere junge Frauen über eine vorgetäuschte Liebesbeziehung emotional an sich zu binden, um sie nach einiger Zeit der Prostitution zuzuführen) und sein Komplize sind nach Ulm gefahren. Beide haben besprochen: "Wenn das in Ulm bei mir klappt, ziehst du das in Horb ab."

Dass Stan T. zwischendurch ausgestiegen ist, hält das Gericht für unwahrscheinlich. Die Vorsitzende: "Die Strecke von Ulm nach Horb ist in neunzig Minuten zu schaffen. Am Dienstagabend mit wenig Verkehr und wenn man sich nicht immer an die Tempolimits hält."

In Horb hat sich der Komplize für das Smartphone interessiert

Das Stan T. beide iPhones verkauft hat, hält das Gericht eher für unwahrscheinlich. Die Vorsitzende: "Er hatte damals laut seinen Angaben durch den Lockdown im März einen Einbruch, hatte dann 7000 bis 8000 Euro. Ein Handy hat einen Wert von 700 Euro. Wir konnten nur ein Interesse des Angeklagten an einem iPhone feststellen. In Horb hat sich der Komplize für das Smartphone interessiert. Dass der Angeklagte gar nicht an der Tat in Horb beteiligt war, halten wir für ausgeschlossen. Dass er die Tat unterstützt hat, davon sind wir überzeugt!"

Deshalb seien als Einzelstrafe für das Horber Delikt drei Jahre Haft anzusetzen. Zusammen mit der Strafe durch das Landgericht Ulm kommen vier Jahre und neun Monate zusammen.

Und was war mit dem Raub an der Esso-Tankstelle bei Ludwigshafen? Auch hier gibt es gegen Stan T. eine Anklage. Die Vorsitzende: "Eigentlich hätten alle drei Verfahren in einem stattfinden müssen. Weil dort der schwerer Raub an einem öffentlichen Ort stattgefunden hat, stufen wir das hier in dem Zusammenhang nicht als Serienstraftat ein."