Der Prozess gegen einen 45-Jährigen vorm Hechinger Landgericht wird am 27. Mai fortgesetzt. Foto: Archiv

Nach dem ersten Verhandlungstag am Landgericht Hechingen steht es Aussage gegen Aussage: Ein Unternehmer beschuldigt seinen ehemaligen Arbeiter des räuberischen Einbruchs. Doch dieser gibt an zum Tatzeitpunkt in Rumänien gewesen zu sein.

Albstadt - In Handschellen und Fußketten gelegt wird der 45-jährige Angeklagte in den Gerichtssaal geführt. Im Dezember wurde er in seiner rumänischen Heimat verhaftet, seither sitzt er in der JVA Rottweil ein. Der Tatvorwurf: Gemeinsam mit einem Freund soll er Anfang September 2020 in das Wohnhaus seines ehemaligen Arbeitgebers in Albstadt eingebrochen sein und hochwertigen Schmuck im Wert von 15.000 Euro, circa 4000 Euro Bargeld, Autoschlüssel und Handys gestohlen haben.

Der Angeklagte sagt klar: Er kann es nicht gewesen sein. Er sei zur Tatzeit in Rumänien gewesen, um seine kranke Mutter zu pflegen. Zuvor war er einen Monat lang bei einem Unternehmer in Albstadt als so etwas wie ein persönlicher "Security" angestellt gewesen. Zwei Wochen vor der Tat kündigte der Angeklagte unerwartet das Arbeitsverhältnis; er müsse zurück in die Heimat.

Dass er nun des Einbruchdiebstahls beschuldigt vor Gericht sitzt, hält der 45-Jährige für einen Racheakt. Für seinen ehemaligen Chef sei er so etwas wie ein Handlanger in heiklen Angelegenheiten, ein "Knochenbrecher", gewesen. Wann immer der Chef Probleme hatte, Geld eintreiben oder Arbeiter rauswerfen musste, habe er sich der Sache angenommen, damit sich der Chef die Hände nicht schmutzig machen müsste. Zudem gibt er vor, ein sexuelle Verhältnis mit dessen Ehefrau gehabt zu haben von dem der Chef gewusst haben müsste. In einem Brief an seinen ehemaligen Arbeitgeber mit dem er seinerzeit ein nahezu freundschaftliches Verhältnis gepflegt habe, untermauert der Angeklagte seine Unschuld. Zudem hätte er ein Alibi: Am Vorabend des Einbruchs habe er in Rumänien gegen eine Coronaregel verstoßen, was die Polizei dort registriert haben soll.

Die Ehefrau, deren hochwertiger Schmuck Teil der Beute gewesen ist, streitet ein mögliches sexuelles Verhältnis mit dem Angeklagten vehement ab. Sie hätte sich von den Arbeitern, deren Wohnungen im selben Haus waren, meist fern gehalten. Dennoch habe sie den Angeklagten – obwohl sein Vorstrafenregister in Rumänien nicht unbedingt kurz ist – als sehr sauberen und "korrekten" Mann kennengelernt.

Der Einbruch war am helllichten Tag

Sie war bei einem Banktermin, als sie von dem Einbruch am frühen Morgen erfahren habe. Die Schwägerin, die im Nachbarhaus wohnt, will den mutmaßlichen Täter bei der Flucht beobachtet haben. Erkannt habe sie ihn an seiner auffälligen Tätowierung. Der Angeklagte sei über das Treppenhaus geflüchtet, sein Komplize, der sich bislang noch nicht vor Gericht dafür verantworten musste, über die Terrasse.

Die Polizei stellte Hebelspuren an der Haustüre und der Balkontüre fest, jedoch nicht an der Wohnungstüre. DNA konnte die Spurensicherung am Tatort allerdings nicht ausmachen, meinte ein Beamter. Die Frage war auch: Hatte der Angeklagte zur Tatzeit noch einen Schlüssel zum Wohnhaus oder hatte er ihn damals bereits zurückgegeben?

In der Wohnung hätten die Bewohner ein Bild der Verwüstung vorgefunden: Der teure Schmuck fehlte sowie Bargeld, Handys und Schlüssel – jedoch nicht die Autos.

In Haft Drohungen ausgesprochen?

Bei einem Anruf unter Vorwand bei einem Kumpanen des Angeklagten in Deutschland will die Geschädigte die Stimme des Angeklagten im Hintergrund erkannt haben.

Und dann gibt es da noch einen weiteren Anklagepunkt, der jedoch am ersten Verhandlungstag wenig Beachtung findet: In Haft soll er im Beisein der Sozialarbeiterin laut geworden sein und Drohungen ausgesprochen haben. Dass er in Rage gewesen ist, räumte der Angeklagte ein, doch vermutet er bei den Drohungen einen Übersetzungsfehler – denn diese will er nicht gesprochen haben.

Da die Beweisaufnahme umfangreicher als ursprünglich angenommen war, konnten einige wichtige Zeugen zum Einbruchdiebstahl nicht vernommen werden. Der Unternehmer, in dessen Wohnung eingebrochen wurde, sowie die verwandte Nachbarin, welche die Flucht beobachtet haben will, werden neben weiteren Zeugen am Donnerstag, 27. Mai gehört.