Wegen gefährlicher Körperverletzung wurde ein Mann aus Wildberg vom Amtsgericht Nagold zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten verurteilt. Foto: Köncke  

Nach einer Auseinandersetzung mit seiner Frau hat ein 55-jähriger Mann aus Wildberg große Mengen Alkohol getrunken und einem Mann eine Schaufel auf den Kopf geschlagen. Das Amtsgericht Nagold verurteilte den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung.

Nagold/Wildberg - Außerdem muss er dem Geschädigten Schmerzensgeld in Höhe von 2400 Euro bezahlen. Der Vorfall ereignete sich am 28. Dezember 2021 auf einem Bauernhof. An das damalige Geschehen konnte sich der Wildberger trotz wiederholter Nachfragen von Richter Martin Link nicht erinnern. Nur soviel – die Polizei habe ihm Handschellen angelegt, aufs Revier nach Nagold mitgenommen und in einer Ausnüchterungszelle untergebracht.

Sich mit Alkohol betäubt

Licht ins Dunkel brachten die Zeugenaussagen. Der 55-Jährige habe seiner Frau eine Affäre mit einem anderen Mann vorgeworfen. Der Streit sei am besagten Tag eskaliert. Der Angeklagte habe zur Flasche gegriffen, sich mit Alkohol betäubt, sei aus der Wohnung in den Stall des Bauernhofs gelaufen, dort gegen 17 Uhr auf den anderen Mann getroffen, der seinem Bruder beim Füttern und Ausmisten geholfen und auf den schwankenden Gang des 55-Jährigen angesprochen habe.

Ein Wort habe das andere gegeben, bis der Angeklagte zu einer Schaufel gegriffen und seinem Gegenüber einen Schlag auf den Kopf versetzt habe, der daraufhin zu Boden ging "und stark aus der Wunde blutete", sagte eine im gleichen Haus wohnende Frau aus, die wegen der Schreierei angelaufen kam.

"Die Narbe habe ich bis heute"

Die Wunde musste genäht werden. "Die Narbe habe ich bis heute", sagte das Opfer vor Gericht und zeigte auf seinen auf seinen Schädel. Bevor der 55-Jährige zum zweiten Hieb ausholen konnte, sei ihr Lebensgefährte dazwischen gegangen und habe ihn festgehalten. Die Ehefrau des Angeklagten habe bei der Polizei angerufen und den Vorfall gemeldet.

Der Angeklagte sei "kein Schläger", sagten die Zeugen übereinstimmend aus. Er habe sich durch Probleme mit seiner Frau und dem übermäßigen Genuss von Alkohol – 1,21 Promille – in einem Ausnahmezustand befunden.

"Damit ich einen Schlussstrich ziehen kann"

Für Staatsanwältin Jennifer Pfrommer hat sich der Tatvorwurf durch die Zeugenaussagen vollumfänglich bestätigt. In ihrem Plädoyer forderte sie eine Freiheitsstrafe von zwölf Monaten, die drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden könne, weil der Angeklagte bisher nicht straffällig geworden sei, die angebliche, außereheliche Beziehung seiner Frau ihn fertig gemacht und der Alkohol eine nicht unerhebliche Rolle gespielt habe.

Richter Link sah es ähnlich und verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zweieinhalb Jahre steht der Wildberger jetzt unter Aufsicht. Außerdem muss er dem Geschädigten als Wiedergutmachung 2400 Euro bezahlen, die er in monatlichen Raten zu 200 Euro abstottern kann. Der 55-Jährige nahm den Schuldspruch noch im Gerichtssaal an, "damit ich einen Schlussstrich ziehen kann".