Pfarrerin Susanne Veith lud dazu ein, sich mit der Zukunft der Kirche zu beschäftigen. Foto: Marzell Steinmetz

Zukunftsmusik gab es am Donnerstag in der „Churchnight“ in Horb: Im Reformationsgottesdienst in der Johanneskirche wurden die Besucher ins Jahr 2045 versetzt.

Mit Abraham, der Gott folgte und sein Vaterland verließ, machten sich die Teilnehmer des Reformationsgottesdienstes am Donnerstag in der evangelischen Kirche in Horb auf den Weg in die Zukunft. Es ging um den Reformationsprozess der Kirche: „Quo vadis church“, fragte Pfarrerin Susanne Veith.

 

Die Kirche ist reformbedürftig, nicht erst seit heute, es ist vielmehr ein ständiger Prozess. Jetzt seien der demografische Wandel, die sinkenden Gemeindegliederzahlen, der Pfarrplan oder die Immobilien die großen Herausforderungen, sagte Susanne Veith. Wie wird mit Blick darauf die Zukunft der Kirche aussehen? Dieser Frage sollte in der „Chruchnight“ des Reformationstags nachgegangen werden.

Änderungs-Szenario

Die Pfarrerin machte dazu ein interessantes Gedankenexperiment. Sie versetzte die Gottesdienstbesucher in das Jahr 2045: Die Evangelische Kirche hat große Veränderungen hinter sich. Nur noch 20 Prozent der Bevölkerung gehören ihr an, doch diese unterstützen sie regelmäßig finanziell und aus Überzeugung. Es ist auch eine offene Kirche mit vielen Zugängen zum Evangelium. Pfarrer wird es zwar nach wie vor geben, aber die Arbeit wird großteils ehrenamtlich sein. Die finanziellen Mittel reichen aus, werden gezielt und überlegt eingesetzt, auch personell ist die zukünftige Kirche ausreichend versorgt. Ein junger Mensch im Jahr 2045 will nun wissen, wie es zu diesen Veränderungen gekommen ist. Warum musste sich die Kirche so stark wandeln? Wie wurde dies erreicht? Susanne Veith benutzte bei diesem gedanklichen Sprung in die Zukunft den Begriff Regnose: „Wir fragen rückwärts, wie wir dort hin gekommen sind und was sich dafür ändern musste.“

Bilder und Sprache

Hilfreich für Antworten darauf war zuvor die Beschäftigung mit verschiedenen sprachlichen Bildern in Bezug auf die Bibel und die Kirche. Eine Gruppe beschäftigte sich beispielsweise mit dem „Haus aus lebendigen Steinen mit vielen Wohnungen“. Ein solches Gebäude brauche ein Fundament, das im übertragenen Sinn das Evangelium darstelle. Die „lebendigen Steine“ wurden in Zusammenhang mit Veränderung und dem Verständnis der Bibel gebracht. Es gebe nicht nur eine Lesart der Schrift, und die Auslegung könne bisweilen kritisch gesehen werden. Genannt wurde in dem Zusammenhang das Stichwort „Freiheit des Glaubens“. Ein Bezug zu den Bauernkriegen und Sebastian Lotzer wurde in der Gruppe hergestellt.

Ermutigung zum Aufbruch

Was aber kann zum Aufbruch in eine neue Zukunft ermutigen? Für Abraham war es das Versprechen, dass Gott ihn „zum großen Volk“ macht und er ein Segen sein soll. Es sei mutig gewesen, dass er der Aufforderung nachgekommen sei, seine Heimat zu verlassen, meinte eine Teilnehmerin der kleinen Diskussionsrunde. Wichtig sei das Vertrauen darauf, dass derjenige, der zum Aufbruch auffordere, den Weg kenne, auf dem die Verheißung und der Segen liege. Zuversicht gehöre ebenfalls dazu, dass etwas Gutes und Großes auf jemanden warte, dann sei man bereit, sich zu bewegen.

Für Abraham sei es die Sehnsucht nach einer großen Nachkommenschaft gewesen, die ihn aufbrechen ließ, ergänzte Pfarrerin Susanne Veith. Am Schluss lud sie dazu ein, das Kirchenlied „Vertraut den neuen Wegen“ mitzusingen.