Der Konsumplatz in der Stefan-Meier-Straße nahe des Freiburger Hauptbahnhofs dient Drogensüchtigen als Aufenthaltsort. Foto: Patrick Seeger/Stadt Freiburg

Der neue Aufenthaltsplatz für suchtkranke Menschen nahe des Freiburger Hauptbahnhofs wurde im Oktober als Provisorium eröffnet. Der Gemeinderat hat ihn nun als Dauerlösung abgesegnet. Doch von den Anrainern gibt es weiterhin Beschwerden.

Ein halbes Jahr ist vergangen, seit die Stadt Freiburg auf einem Parkplatz an der Stefan-Meier-Straße beim Hauptbahnhof einen „Aufenthaltsplatz für suchtkranke Menschen“ eingerichtet hat. Vorausgegangen waren zahlreiche Beschwerden von Anwohnern des Colombiparks in der Innenstadt, wo die Stadt ebenfalls einen solchen Platz („Pergolaplatz“) eingerichtet hatte, der aber Ruhestörungen und andere Belästigungen für die Nachbarschaft durch die Drogenszene und deren Konsumverhalten in der Öffentlichkeit mit sich brachte.

 

Auch gegen den zweiten, in Eile ausgesuchten und eingerichteten Platz gab es Widerstände und Befürchtungen aus dem Umfeld, wo ein Berufsschulzentrum und Einrichtungen der Uni angesiedelt sind. Das sei alles kein Problem, so jüngst der Freiburger Polizeipräsident Franz Semling. Es gebe mit dem neuen Platz keine schwerwiegenden Probleme. Der Gemeinderat hat inzwischen mit einer breiten Mehrheit den neuen Platz als Dauereinrichtung abgesegnet und beschlossen, dort künftig mehr Sozialarbeiter einzusetzen.

„Pergolaplatz“ bleibt vorerst erhalten

Auch der mehr als zwei Millionen Euro teure „Pergolaplatz“ im Colombipark bleibt vorerst bestehen. Er wird aber kaum noch genutzt. Der neue Platz werde von der Szene hingegen gut angenommen, so Semling. Auch die Akzeptanz durch Anwohner und Institutionen sei gegeben, hieß es seitens der Stadtverwaltung.

Diese Sicht teilt nicht jeder: Jan Brix, beruflicher Anrainer eines benachbarten Instituts, kritisiert, wie eilig es der Stadt mit dem neuen Konsumplatz gewesen sei: „Alle Institutionen sind erst circa eine Woche vor Baubeginn informiert worden, sie hatten keine Chance, irgendwie noch Einfluss zu nehmen.“ Immerhin seien neben den Beschäftigten der Uni rund 3000 Berufsschüler betroffen. „Wir beobachten nun seit dem ersten Tag Anfang Oktober fast täglich Kontakte zwischen Mitgliedern der Szene und Berufsschülern“, erklärt Brix.

Man befürchte, dass sich die Sicherheitslage vor Ort in den wärmeren Monaten noch massiv verschlechtern werde. Polizeipräsident Semlings Einschätzungen seien für ihn „völlig unverständlich“. Nahezu täglich würden Mitglieder der Drogenszene in die Tiefgarage des Uni-Instituts eindringen: „Wir finden ständig Drogenbestecke, Erbrochenes, Exkremente, Drogenreste. Eine Reinigung ist kaum noch möglich.“

Meinungen zur Situation vor Ort gehen auseinander

Der Stadtverwaltung wirft Brix vor, die Probleme zu verharmlosen und abzustreiten. Er betont, dass es sinnvoll sei, wenn drogenkranken Menschen geholfen werde. Die Sicherheit der betroffenen Anrainer des Konsumplatzes sei aber von der Verwaltung „nicht adressiert“ worden. Auf einen Protestbrief mit über 100 Unterschriften, den Brix mitinitiiert hat, hat der Leiter des Freiburger Sozialamts, Boris Gourdial geantwortet, dass es mit Blick auf die Sicherheit in den angrenzenden Instituten in der Verantwortung der jeweiligen Betreiber liege, entsprechende Maßnahmen zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen. Polizei und Verwaltung hätten dafür Unterstützung angeboten.

Konkrete Hinweise, dass Berufsschülern Drogen angeboten werden, habe man bei den regelmäßigen Kontrollen nicht beobachten können. Die Aussage, die Stadt habe beim Hauptbahnhof einen „Konsumraum unter freiem Himmel“ für Süchtige geschaffen, sei nicht zutreffend, so Gourdial. Brix wirft der Stadt hingegen eine „völlig verzerrte Sicht“ auf die Probleme rund um den Platz für Suchtkranke vor.