Die Härdtnersche Villa steht einmal mehr im Fokus der Diskussion. Jetzt ist die Entscheidung über ihre Zukunft gefallen. Foto: Schnekenburger

Paukenschlag beim Aufreger-Thema „Härdtnersche Villa“: Die Stadt schaltet einen Gang hoch.

Zuletzt schlugen die Wellen nicht nur am Ratstisch hoch. So wurde die Entscheidung über einen Abriss etwa in sozialen Netzwerken eng begleitet. Und beklagt wurde da der zu erwartende Verlust des in seinem Erscheinungsbild besonderen Gebäudes. Die Vorgehensweise, die Sache nichtöffentlich zu entscheiden, wurde massiv kritisiert.

 

Die Stadträte führten am Dienstag ganz unterschiedliche Argumente ins Feld. Formalüberlegungen etwa, wie der Umstand, dass man sich an Beschlüsse halten, diese irgendwann auch vollziehen sollte.

Die Liegenschaft ist wichtig

Der Abriss stand schon länger in Rede, und wie Bürgermeister Matthias Winter in seiner Vorbemerkung ausführte, war der Erwerb der Immobilie aus dem Eigentum der OWO in Zusammenhang mit dem benachbarten Wasserwerk weniger mit Blick auf das Gebäude als hinsichtlich der Liegenschaft und der Oberndorfer Wasserversorgung geschehen.

Wechselvolle Geschichte

Dass es eine Zwischennutzung gab – eine Zeit lang waren Flüchtlinge in der „Härdtnerschen Villa“, die eine insgesamt wechselvolle Geschichte aufweist, untergebracht –, ist ein Baustein in der ebenso wechselvollen Nutzungsgeschichte des Bauwerks. Dass eine wie auch immer geartete Nutzung – zumindest perspektivisch – her müsste, wollte man das Gebäude halten, wäre im Gemeinderat nach dem Meinungsbild durchaus mehrheitsfähig gewesen.

Nutzungsmöglichkeit fraglich

Doch hier kommen andere Argumente ins Spiel: Welche Nutzung und zu welchem Preis könnte da realisiert werden? Eine Summe von gut einer Viertelmillion Euro für die „notwendigsten Instandsetzungsarbeiten“ steht im Raum. Damit wären noch keine Wohnungen eingebaut. Und mit dem Bezug der „Linde13“ haben viele Angebote, die man sich auch die paar Meter weiter hinauf in der Wasserfallstraße hätte vorstellen können, einen Raum gefunden, der sich etabliert hat und stark nachgefragt wird.

Denkmalschutz ist fraglich

Die Kosten berücksichtigen unterdessen auch einen anderen Aspekt noch nicht. Es geht um das Erscheinungsbild und die bauliche Qualität: Das Thema Denkmalschutz wirft Fragen auf. Es gebe eine Einschätzung, das dem Gebäude keine Denkmaleigenschaft zuerkenne, heißt es. Dann wird wieder eine Aussage zitiert, die eine gegensätzliche Position einnimmt. Unwidersprochen scheint zumindest, dass das Landesamt für Denkmalpflege nach Aktenlage unter Berücksichtigung des Abgangs vieler Details des einst mit dekorativen Bauelementen prächtig ausgestatteten Gebäudes und der zwischenzeitlich erfolgten Umbauten sich gegen einen Denkmalstatus entschieden hat.

Stadt will die Hand auf dem Grundstück halten

Das alles könnte man auch einem Investor zuschieben – wenn einer bereit wäre, sich darauf einzulassen: Ertüchtigung, Rekonstruktion, Nutzung, Zukunft. Teuer, aber machbar. Dagegen spricht allerdings die strategische Entscheidung, zu der sich der Gemeinderat auch jüngst wiederholt bekannt hat: Die Stadt soll das Eigentum nicht aus der Hand geben; die Sicherheit der Wasserversorgung könnte sonst im Krisenfall beeinträchtigt sein. Mit diesem Bekenntnis ist die Frage nach dem Investor obsolet.

Die Diskussion wird am Dienstagabend mitunter zum Diskurs. Dass nach der bereits nichtöffentlich getroffenen Entscheidung überhaupt eine erneute öffentliche Beratung nebst Beschlussfassung anstand, hat mit dem avisierten Bürgerantrag zu tun, der genau dieses zum Ziel hatte. Was die Verwaltung machte: Sie nahm den wahrscheinlichen Ausgang des Antragsverfahrens vorweg – auch um Aufwand zu sparen.

Dass man damit das fortgesetzte – und eigentlich ja gerne gesehene – Bürgerengagement nicht wertschätze, wird, ungeachtet der tatsächlichen Beratung, moniert. Das Signal an die Bürgerschaft sei kein gutes.

Arbeiten gleich mit vergeben

Stattdessen gibt es noch einmal eine Beschleunigung im Verfahren: Diesmal beschließt der Gemeinderat die Vergabe der Abrissarbeiten gleich mit.

Das Votum ist eindeutig, und es spiegelt auch die Diskussion wider: Die Freien Wähler sind geschlossen für den Abriss, die CDU-Fraktion ist geteilt, die SPD-Fraktion stimmte für den Erhalt. Zwei Drittel sind bei allem eine klare Mehrheit. Auf Antrag wird das Ergebnis der namentlichen Auszählung ins Protokoll aufgenommen.