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Protestbewegung Spanier protestieren gegen Parteien

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Madrid - "Es reicht!", sagen viele junge Menschen im krisengeschüttelten Spanien - und nähren in Scharen eine neue Protestbewegung, die den arabischen Frühling zum Vorbild hat und die etablierten Parteien ratlos macht.

"Ohne Wohnung. Ohne Job. Ohne Rente. Ohne Angst", steht auf vielen T-Shirts. Auch auf dem von Susana. "Wir haben es satt, von der politischen Klasse für blöd verkauft zu werden", sagt die 25-jährige Physiotherapeutin, die trotz Uni-Studiums für monatlich 800 Euro brutto ganztags in einem Seniorenheim arbeitet. Wie Zehntausende junge Leute ist Susana dieser Tage in Spanien auf die Straße gegangen, um für einen politischen Wandel und mehr soziale Gerechtigkeit in dem Krisenland zu demonstrieren. Viele der Demonstranten halten seit Dienstag unter dem Motto "Yes, we camp" den zentralen Platz an der Puerta del Sol im Herzen Madrids besetzt.

Ihre Protestbewegung nennt sich "Democracia Real Ya!" (Echte Demokratie Jetzt!), vereint mehr als 200 Gruppierungen - und wirbelt Spanien vor den Regional- und Kommunalwahlen an diesem Sonntag mächtig auf. Die Anhänger sind bunt gemischt: Studenten, Arbeitslose, Globalisierungsgegner, Schuldner, Rentner, Umweltschützer, Linke, Konservative, Gläubige, Atheisten. Entsprechend vielseitig sind daher auch ihre Forderungen: Arbeitsplätze, bezahlbare Wohnungen, Kampf gegen die Korruption oder schlichtweg "ein neues politisches System".

Eines eint sie aber: ihr Frust über die Perspektivlosigkeit in Spanien und ihre Wut auf die etablierten Parteien, insbesondere die regierenden Sozialisten (PSOE) und die oppositionelle konservative Volkspartei (PP). "Wähle sie nicht!", heißt eines der Mottos. Gewalt lehnen sie strikt ab. "Wir wollen auf friedlichem Wege die ganze zivile Gesellschaft mobilisieren", sagt der Sprecher der Bewegung, der arbeitslose Anwalt Fabio GÖndara (26).

Die Anhänger, die sich über Facebook, Twitter und andere Internetplattformen organisieren, sind die großen Verlierer einer Krise, die in Spanien jeden fünften Erwerbsfähigen arbeitslos gemacht hat. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei über 40 Prozent - sie ist so hoch wie nirgendwo sonst in Westeuropa. "Wir sind die am besten vorbereitete Generation Spaniens, aber es geht uns schlechter als unseren Eltern", beklagt der 22 Jahre alte Architektur-Student Sergio. Der harte Sparkurs der Regierung, erzwungen durch die hohe Verschuldung, hat den Frust der Menschen noch verschärft.

Inspirieren ließ sich die Protestbewegung von den Aufständen des arabischen Frühlings: "Er zeigt uns, dass der Sieg möglich ist", heißt es in einem Manifest, und dem Essay "Empört euch", mit dem der französische Autor Stéphane Hessel zum Protest gegen Ungerechtigkeit und das Finanzmonopol aufruft. Die Anhänger der Bewegung nennen sich daher auch "Die Empörten" (Los Indignados), über Twitter bezeichnen sie ihren Protest als "Spanish Revolution". "Wir sind keine Ware in den Händen von Politikern und Bankern", schrien am 15. Mai bis zu 130 000 Menschen bei Demonstrationen in rund 50 Städten Spaniens. Sie waren der Durchbruch der Bewegung, die erst im April von Studenten ins Leben gerufen worden war.

Die Politik indes weiß nicht so recht, wie sie mit dem Phänomen umgehen soll. Die Konservativen tun die Demonstranten als "linke Systemgegner" ab und fühlen sich nicht angesprochen. Die Sozialisten, denen am Sonntag ein Debakel droht, versuchten sogleich, die Bewegung für sich zu vereinnahmen. So veröffentlichten sie auf ihrer Internetseite das Manifest von "Democracia Real Ya!". Die Proteste im Netz waren aber so groß, dass der Text schnell wieder verschwand. Und als PSOE-Spitzenkandidat TomÖs Gímez nach Angaben der Demonstranten anfragen ließ, ob er sich zu ihnen auf Madrids Puerta-del-Sol-Platz gesellen dürfe, skandierte die Menge lautstark: "No!"

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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