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Protestantentreffen in Stuttgart Kirchentag kostet 2,5 Millionen Euro

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Plakatieren fürs Ereignis: Bischof July, Kirchentags-Präsident Barner, Generalsekretärin Ueberschär Foto: Leif Piechowski

Der Kirchentag in Stuttgart wird 18 Millionen Euro verschlingen; die Stadt soll sich mit 2,5 Millionen beteiligen. Doch der Nutzen für die ausrichtende Stadt ist laut Veranstalter groß: „Hamburg erzielte beim vergangenen Kirchentag einen Kaufkraftgewinn in Höhe von 20 Millionen Euro.“

Stuttgart - Kirchgänger sind es gewohnt, am Ende des Gottesdienstes ein paar Münzen in die Opferbüchse zu werfen. Gott segnet schließlich Geber und Gaben. Nur zuletzt, an einem Sonntag im Mai, regte sich in der Kirchenbank Widerspruch. Statt an ein soziales Projekt war die Kollekte für den Deutschen Evangelischen Kirchentag bestimmt. „Muss das sein?“, fragte einer spontan, „haben die das nötig? Andere hätten das Geld doch viel nötiger.“ Gemeint sind Organisationen wie zum Beispiel Brot für die Welt oder Misereor.

Aus diesem Blickwinkel lässt sich dieser sonntägliche Spendenaufruf betrachten. Aber man kann die Sache auch anders sehen. So wie Jörg Kopecz, der Finanzchef des Kirchentags. „Wir treten nicht in Konkurrenz zu diesen Organisationen“, sagt er und beteuert: „Wir haben auch kein schlechtes Gewissen, da wir ja auf dem Kirchentag für diese Gruppen sammeln.“ Vielleicht ermutigt das manche Geber, am 1. Februar 2015 wieder etwas in die Opferkasse zu werfen. An diesem Sonntag im kommenden Jahr ­werden die evangelischen Pfarrer im Land erneut um eine Spende für den Kirchentag (3. bis 7. Juni 2015) in Stuttgart bitten.

Bis dahin muss Jörg Kopecz fleißig sammeln, rechnen, kalkulieren. Der frühere Siemens-Manager muss einen 18-Millionen-Euro-Etat auf die Beine stellen. Eine gewaltige Summe, die Kopecz durch andere Zahlen relativiert: „Wir organisieren dafür auch für etwa 120 000 Menschen an fünf Tagen und 200 Orten rund 2500 Veranstaltungen.“ In dieser Zeit werden 100 hauptamtliche und 5000 ehrenamtliche Mitarbeiter im Dienst des Kirchentags stehen. Wer so eine Großveranstaltung stemmen wolle, sei eben auch auf Spenden angewiesen. Auch wenn sie in Kopecz’ Kalkulation nur einen kleinen Anteil ausmachen: „Wir rechnen mit fünf Millionen Euro aus Eintrittskarten, weiteren fünf Millionen von der Landeskirche und jeweils 2,5 Millionen von der Stadt Stuttgart und dem Land.“ Der Rest, also drei Millionen Euro, muss über Sponsoren und Spender in den großen Klingelbeutel kommen.

Um möglichen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, geht Kopecz bei den Ausgaben der öffentlichen Hand für den Kirchentag in die Offensive. Die Steuergelder seien gut angelegt, meint er: „Hamburg erzielte beim vergangenen Kirchentag einen Kaufkraftgewinn von 20 Millionen Euro.“ Letztlich profitiere davon der Handel, aber auch die Gastronomie und Hotellerie.

Kritisch wird jedoch auch von manchen die vermeintliche Hire-and-fire-Methode des Kirchentags gesehen. Da das große Protestanten-Treffen nur alle zwei Jahre stattfindet, ist es unmöglich, alle Angestellten dauerhaft zu beschäftigen. Nach dem Kirchentag in Stuttgart wird die Zahl der Mitarbeiter wieder von 100 auf 20 schrumpfen. Den Vorwurf, dass sich jene 80 in der Zwischenzeit arbeitslos melden, um dann wieder beim Kirchentag anzuheuern, lässt Kopecz nicht gelten: „Dies ist eindeutig nicht die Regel, wir bemühen uns um Kontinuität zwischen den Kirchentagen. Wenn das jemand freiwillig macht, kann ich das nicht verhindern. Aber so etwas ist nicht unsere Politik.“

Ebenso wenig wie eine unangemessene Bezahlung der Hauptamtlichen. Kopecz stellt klar: „Bei uns verdient jeder das, was er wert ist. Wir bezahlen fair und orientieren uns an den Tarifen des öffentlichen Dienstes.“ Dazu sei man verpflichtet, da der Kirchentag durch öffentliche Mittel gefördert sei. Eine andere Haltung sei überdies nicht mit den Grundsätzen des Christentreffens zu vereinbaren: „Wir können doch nicht solche Themen und unsoziales Handeln in der Gesellschaft auf den Kirchentagen anprangern, es dann selbst nicht besser machen.“

Und wie steht es um die Fairness bei den 5000 Ehrenamtlichen? Müsste der Kirchentag deren Einsatz bezahlen, käme man laut Kopecz auf acht Millionen Euro. Doch der Finanzchef macht diese Rechnung nur ungern auf. Sie sei nicht seriös. „Denn diese Menschen machen im Grunde den Kirchentag aus, weil sie mit ihrer Begeisterung etwas Sinnvolles tun wollen“, sagt Jörg Kopecz, „die Währung, mit der wir diese Menschen bezahlen, ist Wertschätzung. Und genau das motiviert sie.“

Bleibt die Frage: Wozu das Ganze? Weltlich gesprochen: Was erreicht der Kirchentag mit dem Kapitaleinsatz von 18 Millionen Euro? „Eine spirituelle Aufmunterung der Gesellschaft“, antwortet Jörg Kopecz, „Kirchentag hält dem Staat mit seinen Themen kritisch den Spiegel vor.“ So etwas brauche unser Land: „Das war 1949 bei Gründung des Kirchentags nach der Katastrophe des Dritten Reiches genauso wichtig wie heute in einer globalisierten Welt.“

So gesehen könnte man das Leitmotiv des Kirchentags zum Universal-Motto für alle Kirchentage machen. Es heißt im kommenden Jahr: „Damit wir klug werden.“

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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