Ende 2026 soll ihr Werk geschlossen werden: Bei Bosch Power Tools protestieren die Beschäftigten von Leinfelden mit starken Bildern und Tönen gegen den Stellenabbau.
Es ist ein Nachmittag der starken Bilder und eindringlichen Töne. Viele der Beschäftigten, die zu Hunderten vor der Zentrale von Bosch Power Tools gegen die Werkschließung in Leinfelden-Echterdingen protestieren, tragen ein T-Shirt mit dem Porträt des Firmengründers Robert Bosch. Darauf steht: „Robert, komm zurück! Wir brauchen dich jetzt!“
Der Patron ist 1942 verstorben, aber seine Stimme erklingt dennoch auf der eigens abgesperrten Max-Lang-Straße. Die Veranstalter der Protestaktion spielen ein Radio-Interview ein, das kurz vor seinem Tod aufgenommen worden war. In stark Alb-Donau-schwäbischem Tonfall spricht Bosch darin davon, dass er seinen Angestellten nie Barmherzigkeit oder Almosen anbieten wolle. Er wolle sie stattdessen „gut bezahlen und nicht von oben herab behandeln“. Und er formuliert den berühmten Satz, es sei besser, Geld zu verlieren als Vertrauen.
Von Vertrauen in die aktuelle Geschäftsführung ist bei den Protestierenden, die dem Ruf von Betriebsrat und IG Metall gefolgt sind, wenig zu spüren. Im Gegenteil: ein Plakat zeigt Robert Bosch im Gespräch mit dem derzeitigen Konzernchef Stefan Hartung. Dazu der Spruch: „Was hast du nur mit meiner Firma gemacht?“
Auf der Bühne versichert der parteilose Oberbürgermeister Otto Ruppaner der Belegschaft seine Solidarität, sie habe „Fairness und eine Perspektive verdient“. Andreas Stoch, der Landes- und Fraktionsvorsitzende der SPD in Baden-Württemberg, ruft den „Kolleginnen und Kollegen“ zu, es sei nun „Zeit, laut zu werden.“
SPD-Chef Stoch: „Kein Grund, sich von den Menschen abzuwenden“
Die Beschäftigten hätten in den vergangenen Jahren für Rekordgewinne gesorgt. „Wenn jetzt die Rendite etwas geringer ausfällt, ist das kein Grund, sich von diesen Menschen abzuwenden“, so Stoch. Stattdessen, so ein weiterer Redner, habe man den Eindruck, man werde „scheibchenweise zerlegt“. Die Geschäftsführung der Elektrowerkzeugsparte hat am 9. April angekündigt, das vor 70 Jahren gegründete Stammwerk in Leinfelden Ende 2026 zu schließen. Es geht dort um 230 Arbeitsplätze, in Deutschland insgesamt sogar um mehr als 500, da auch das Werk im sächsischen Sebnitz aufgegeben wird. Die Produktion soll an kostengünstigere Standorte verlegt werden, die Rede ist von Ungarn und China.
Das Unternehmen argumentiert unter anderem mit der momentanen Flaute in der Baubranche, der allgemeinen Kaufzurückhaltung vieler Konsumenten sowie mit Preisen, die durch größere Konkurrenz unter Druck stehen. In einem Statement äußert der Bosch-Personaldirektor Stefan Grosch Verständnis dafür, dass sich die Mitarbeiter „in der aktuellen Lage Sorgen machen und dies bei der heutigen Kundgebung zum Ausdruck bringen“. „Auch uns fällt der erforderliche Stellenabbau nicht leicht – wir sind uns unserer sozialen Verantwortung bewusst. Zugleich dürfen wir die harten wirtschaftlichen Realitäten im Interesse aller Beteiligten nicht ignorieren“, so Grosch. Es gelte jetzt, „schnell zu handeln“.
Die Betriebsratschefin zeigt sich stimmgewaltig
„Wir werden uns von der Geschäftsführung nicht treiben lassen und uns die Zeit nehmen, die wir brauchen“, versichert die Betriebsratsvorsitzende Karin Solda. Wie auch ein User auf der Solidaritäts-Plattform zukunft-bosch.de schreibt, könnte ein Ziel der kommenden Verhandlungen die Gründung einer Transfergesellschaft sein. Dort fallen die Mitarbeiter nicht direkt in die Arbeitslosigkeit, sondern werden auf die Jobsuche vorbereitet. Sie werde kämpfen, verspricht Karin Solda – und beendet ihre Rede stimmgewaltig mit dem Song „You’ll never walk alone“.