Die Landwirte wollen am Samstag wieder protestieren. (Archivbild) Foto: Beyer

Gegen Ende der Woche planen die Landwirte in den Landkreisen Freudenstadt, Calw, Böblingen und dem Enzkreis gleich mehrere Protestaktionen. Was bislang bekannt ist.

Eine Woche lang war es ruhig im Kreis Freudenstadt. Nach der großen Kundgebung auf dem Freudenstädter Marktplatz am 12. Januar hatten sich die Bauern selbst eine Protest-Pause auferlegt. Doch damit es bald vorbei. Denn wie Gerhard Fassnacht, der Kreisbauernvorsitzende für die Region Nordschwarzwald-Gäu-Enz, bestätigt, sind neue Proteste geplant. „Wir wollen es noch mal zuspitzen zum Wochenende.“

 

So ist für den kommenden Samstag ein Protest-Konvoi durch die Landkreise Freudenstadt, Calw, Böblingen und den Enzkreis geplant. Ablaufen soll das Ganze ähnlich wie am allerersten Protesttag. Mit langen Traktorkolonnen soll der Verkehr ausgebremst werden. Blockaden seien hingegen nicht vorgesehen, betont Fassnacht.

Läuft alles wie von den Landwirten geplant, könnte der Protest am Samstag noch mal eine ganz neue Dimension annehmen. Denn Fassnacht geht davon aus, dass rund 1000 Schlepper an der Aktion teilnehmen werden. Dabei sollen sich die Fahrzeuge nicht auf mehrere Kolonnen verteilen, sondern gemeinsam einen großen Konvoi bilden, der von Stadt zu Stadt fährt. Noch stehe aber nicht genau fest, durch welche Städte der Konvoi fahren wird, berichtet Fassnacht.

Doch schon vor der großen Protestfahrt soll es am Donnerstag eine Kundgebung in Nagold geben. Vorbild soll dabei die jüngste Aktion auf dem Freudenstädter Marktplatz sein. „Wir wollen schon mit Schleppern da sein, aber nicht die ganze Stadt blockieren.“ Mit dabei sein sollen auch Landwirte aus den Landkreisen Freudenstadt, Böblingen und dem Enzkreis.

Was der Ukraine-Krieg mit den Bauernprotesten zu tun hat

Mit den Aktionen wollen die Landwirte noch einmal den Druck auf Berlin erhöhen. „Wir hoffen, dass die Bundesregierung Gesprächsbereitschaft zeigt und das Ding vom Eis nimmt“, so Fassnacht. „Man kann nicht die Branche, die am meisten malträtiert ist, jetzt am stärksten belasten.“

Und dann kommt Fassnacht auf ein Thema zu sprechen, das zumindest im Bezug auf die Bauernproteste bisher nur wenig Beachtung gefunden hat: der Krieg in der Ukraine. Denn die Ukraine ist – neben Russland – einer der wichtigsten Getreideproduzenten der Welt. Vor dem Krieg wurde die ukrainische Weizenernte über das Schwarze Meer verschifft. Doch seit Kriegsbeginn und vor allem seit dem Auslaufen des Getreideabkommens zwischen Russland und der Ukraine ist der Export auf dem Seeweg nur noch eingeschränkt möglich.

„Weil über das Schwarze Meer zu wenig verschifft wird, kommt der Weizen über die Schiene und mit Lastwagen nach Europa“, berichtet Fassnacht. Die Folge: sinkende Getreidepreise in Deutschland. Für die deutschen Landwirte verschärfe sich die Lage noch dadurch, dass die Zölle auf ukrainischen Weizen wegen des Kriegs ausgesetzt wurden.

Diese Politik zugunsten der von Russland angegriffenen Ukraine will Fassnacht nicht in Frage stellen. Eine Wiedereinführung der Zölle fordert er nicht. Aber: „Es ist deshalb jetzt der falsche Zeitpunkt, die Landwirte noch an anderer Stelle zu belasten.“