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Protest gegen Sparpolitik Beamten-Nachwuchs: „G’scheit studiert, g’scheit bezahlt“

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Eines von vielen Plakaten bei der Demonstration am Dienstag in Stuttgart: Die Verärgerung der künftigen Staatsdiener über die Landesregierung ist groß. Foto: Leif Piechowski

Stuttgart - Alicia Schweiger ist niemand, die den Feierabend regelmäßig zum Plakatemalen nutzt und sich liebend gerne die Trillerpfeife in den Mund steckt. Aber jetzt muss es sein, die angehende Steuerbeamtin aus Ulm ist geladen. „Als ich mein Studium begonnen habe, dachte ich, dass mein Berufsweg und mein Einkommen klar ist. Aber jetzt hält sich der Staat nicht an seine Zusagen“, sagt die 20-Jährige: „Ich fühle mich von der Landesregierung verarscht.“

Nun ist das im Regelfall nicht die Ausdrucksweise von Staatsdienern, aber die Enttäuschung der jungen Frau ist kein Einzelfall, wie der Dienstagnachmittag bewiesen hat: Über 500 angehende Beamte, die an den Verwaltungs-Hochschulen in Ludwigsburg und Kehl studieren, sind nach Stuttgart gekommen, um gegen die Finanzpolitik der grün-roten Regierung zu demonstrieren. Plötzlich werden die Sparpläne der Koalition greifbar. Immer wieder hatten die führenden Köpfe des Beamtenbundes und des DGB die Landesregierung gewarnt, nur bei den Beamten zu sparen. Und vor allem, so lautete der regelmäßige Appell, dürfe Grün-Rot nicht bei den jungen Beamten kürzen, weil der Job sonst unattraktiv werde. Doch die Koalition hatte sich von alle dem nicht beeinflussen lassen und angekündigt, die Eingangsbesoldung der jungen Staatsdiener um vier Prozent zu kürzen und darüber hinaus Abstriche bei der Beihilfe zu machen.

Der Nachwuchs mag sich das nicht gefallen lassen. Und so tauschen die jungen Steuerbeamten, angehenden Polizisten und künftigen Jung-Ingenieure in Diensten des Staates am Dienstag den Hörsaal mit der Straße. Die Plakate sprechen eine deutliche Sprache. „Geld ist für alle da, nur nicht für uns“ heißt es da. Oder „Beamter, bei dem Gehalt? Nein danke“. Oder „G’scheit studiert, g’scheit bezahlt“. Oder „Zwei Milliarden Mehreinnahmen – trotzdem Einsparungen“. Das Land habe doch massive Steuermehreinnahmen, aber offenbar könne Grün-Rot nicht haushalten, lautet das Argument. „Wir wissen, wie man mit Geld umgeht“, ruft ein angehender Finanzbeamter sarkastisch.

„Ich kenne keinen Beamten, der nicht Überstunden vor sich herschiebt“

Felix Bruckert, der „public management“ zum gehobenen Verwaltungsdienst studiert , hält der Landesregierung Unredlichkeit vor. „Ich habe mich verpflichtet, für das Land zu arbeiten. Aber die Landesregierung hält ihre Zusagen nicht ein“, beklagt der 22-Jährige aus Östringen. Bruckert und die Mitdemonstranten haben längst nachgerechnet. Sollten die von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Finanzminister Nils Schmid (SPD) geplanten Einschnitte kommen, erhalten junge Beamte zwischen 150 und 250 Euro monatlich weniger – bei einem Einstiegsgehalt von rund 2200 Euro.

Ist der Protest also eine Klage auf hohem Niveau? Niemand solle behaupten, Beamte hätten „einen lässigen Job“, sagt Bruckert: „Ich kenne keinen Beamten, der nicht Überstunden vor sich herschiebt.“ Soll heißen: Wir haben eine ordentliche Bezahlung verdient. Man wehre sich nicht gegen Einsparungen. Aber es könne nicht sein, so Steffen Wohlleb, Landesjugendleiter bei der Steuergewerkschaft, „dass das Land ausgerechnet bei den jungen Leute spart“ und an anderen Stellen im Haushalt kaum gekürzt wird.

So sieht das auch Joachim Lautensack, Vizechef des Beamtenbundes. Mit den Sparplänen sorge Grün-Rot dafür, dass der Beamtenberuf „perspektivlos“ werde, ruft er den Demonstranten zu und fühlt sich von der Macht der lautstarken Aktion bestätigt: „Das ist ein klares Signal an die Landesregierung. Hier haben sich die unmittelbar Betroffenen zu Wort gemeldet.“ Die packen am frühen Abend ihre Plakate und Trillerpfeifen ein und machen sich auf den Heimweg. So auch Alicia Schweiger. Ihr Ärger ist nur teilweise gestillt, wie sie an einem kleinen Beispiel deutlich macht. Einerseits werbe die Oberfinanzdirektion Karlsruhe per Internet-Clip für einen Job in der Verwaltung, andererseits plane die Politik massive Sparpläne. „Das passt nicht zusammen“, sagt sie. Ihr Kollege ergänzt: „Hat Grün-Rot noch nicht kapiert, dass die uns brauchen?“

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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