Das Restaurant "Bosse" in Villingen ist Vergangenheit. Hier könnte ein Seniorenzentrum entstehen. Foto: Heinig

Bei wohnbaulicher Entwicklung von Städten und Gemeinden gilt: Innen- vor Außenverdichtung. Auch das Villinger ­Kurgebiet wird dafür in den planerischen Blick genommen – was viele Bewohner des Nobelviertels beunruhigt bis erbost, wie bei einer digitalen Öffentlichkeitsbeteiligung deutlich wurde.

VS-Villingen - Der Aufstellungsbeschluss des Gemeinderates zur Änderung des Bebauungsplanes aus den 1970er-Jahren liegt seit Februar auf dem Tisch. Rund 70 Bürger, Stadträte und Anwohner, hatten sich am Montagabend zugeschaltet, als Angelique Ahn, Leiterin des Stadtplanungsamtes, die "ersten Überlegungen" zur baulichen Nachverdichtung des nördlichen Farnweges, vor allem der Neugestaltung des Hotelgeländes "Bosse" mitteilte.

Was ist vorgesehen?

Dessen Eigentümer, die Brüder Cinan mit ihrem Unternehmen Zabo, stellen sich westlich der Oberförster-Ganter-Straße entweder eine Bebauung mit Eigentumswohnungen und Tiefgaragen in sechs zweigeschossigen Gebäuden mit jeweils einem zurückgesetzten Dachgeschoss mit Flachdach vor oder die Errichtung eines Seniorenzentrums. Letzteres bestehe laut Architekt Frank Berner von kab Architekten in ­Fellbach aus ebenfalls sechs Gebäuden, in denen sogenannte "Servicewohnungen" und die Tages- sowie Kurzzeitpflegeeinrichtung eines Pflegedienstes untergebracht werden könnten.

Aus wirtschaftlichen Gründen müssten die zwei nördlichsten Häuser dann indes viergeschossig ausfallen.

Aufgrund des "hohen Bedarfs an Wohnraum" (Ahn) wird auf der Nordseite des Farnweges ferner die zusätzliche Errichtung von ebenfalls zweigeschossigen Wohngebäuden angedacht. Warum für eine Nachverdichtung das Kurgebiet nicht ausgeschlossen werde, begründete Ahn mit einem steigenden Altersdurchschnitt hier von derzeit 48,7 Jahren. Bis 2035 werde der Anteil der über 65-Jährigen von jetzt 29 auf 36,3 Prozent steigen. Wer sich aus Altersgründen räumlich verändern müsse, könne momentan nicht im Quartier bleiben.

Was sagen Anwohner?

Die Einsprüche der Anwohner kamen prompt. Er sei wegen der großen Grundstücke und Abstände hierhergezogen, was er nicht getan hätte, hätte er von diesen Plänen gewusst, sagte Hubert Kimmig. Bei allem Verständnis für den Wohnraummangel wandte sich auch Sebastian Russo gegen das Ansinnen, aus dem "weiten und großzügigen" Kurviertel ein "Neubaugebiet, wie jedes andere auch" zu machen.

Stephan Mose sorgt sich darum, dass die Anwohner mit ihren Bedenken letztlich übergangen werden, und ­Katja Weinprecht sieht eine Überalterung gar nicht für gegeben: "Überall ziehen junge Familien ein." Anstatt an eine Nachverdichtung mit Wohnraum müsse daher eher an den Ausbau der Infrastruktur gedacht werden.

Oberbürgermeister Jürgen Roth sagte den Einsprechern zu, dass alle Belange in die strategischen Planungen aufgenommen werden und belegte das mit dem Angebot der frühzeitigen und damit noch vor der formellen Bürgerbeteiligung im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens. Ab sofort und bis einschließlich 11. Mai können diese ersten Planungen unter www.villingen-schwenningen.de eingesehen werden.

Stellungnahmen werden auch postalisch an Stadtplanungsamt, Winkelstraße 9, 78056 Villingen-Schwenningen oder als E-Mail an spl@villingen-schwenningen.de angenommen. Nach vorheriger telefonischer Terminvergabe (Ansprechpartner: Christian Fabisch, Telefon 07720/82 28 23) ist Einsichtnahme vor Ort möglich.