Der Grünen-Bundespolitiker spricht am Palmsonntag in der Stadtkirche St. Johann. Ihn zu verpflichten war nicht einfach.
An ihm war Gisela Rösch schon lange dran. Jetzt kommt er. Vermutlich noch als amtierender Bundesminister, mehr noch aber als Grünen-Politiker, der im Jahr 2026 die Nachfolge von Ministerpräsident Winfried Kretschmann antreten möchte.
Cem Özdemir spricht am Palmsonntag, 13. April, von der Kanzel der Stadtkirche St. Johann. Es ist die 30. Donaueschinger Kanzelrede. Sein Thema ist gesetzt: „Kompromiss als Lebenselixier der Demokratie“ heißt es.
Kompromisse musste auch die Organisatorin der Kanzelreden eingehen, als es darum ging, den prominenten Politiker für einen Auftritt in Donaueschingen zu verpflichten. „Wir hatten schon vor Corona einen Termin ausgemacht“, berichtet die rührige Trommlerin des Kirchbaufördervereins. Daraus wurde nichts. Danach sei der mit erst einem und seit Ende 2024 zwei Ministerämtern betraute „anatolische Schwabe“, wie er gerne genannt wird, sehr beschäftigt gewesen.
Das Thema ruhte, bis Gisela Rösch wieder die Fühler ausstreckte. Über die bündnisgrüne Landtagsabgeordnete Martina Braun gingen Anfragen ins Büro nach Stuttgart. Sie blieben vergeblich. In Bewegung geriet das Projekt erst durch den Kontakt mit Cem Özdemirs Abgeordnetenbüro in Berlin. „2024 hatten wir dann eine Terminzusage. Aber die war zu nah an den Kommunalwahlen.“ Also wieder warten. Jetzt passt es. Nach der Bundestagswahl und weit genug vor den Landtagswahlen.
Lockeres Kennenlerngespräch
Die Bühne ist bereitet für den Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft, Bildung und Forschung. Der Vortrag beginnt um 17 Uhr. Cem Özdemir werde etwa 45 Minuten lang sprechen. Wie er anreist, sei noch offen. Vor der Kanzelrede gibt es im Pfarrhaus ein lockeres Kennenlerngespräch. Das weitere Zeitbudget des Bundesministers ist bisher unbekannt.
Ob er sich etwas anschauen wird in der Residenzstadt? „Also an die Donauquelle bringe ich ihn gewiss“, sagt Gisela Rösch. Für ihre Überzeugungskraft ist sie bekannt. Umrahmt wird die Kanzelrede von Patricia Ott an der Orgel. „Sie wird die eine oder andere Überraschung einbauen“, kündigt die Organisatorin an. So etwas wie die Walgesänge im vergangenen Jahr. Wohltuende Klänge. Wal ohne h.
Cem Özdemir, geboren im Jahr 1965 im schwäbischen Urach, ist der erste Bundesminister mit türkischen Eltern. Nach der mittleren Reife absolvierte er eine Ausbildung zum Erzieher, anschließend folgte ein Studium der Sozialpädagogik.
Im Jahr 1981 wurde er Mitglied der Grünen, und seine politische Laufbahn begann. Im Oktober 2024 verkündete Özdemir, bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026 als Spitzenkandidat der Grünen antreten und Ministerpräsident des Landes werden zu wollen.