Die Pilotphase des Projekts "Gesundheitslotsin" ist in Ettenheim gestartet. Die gelernte Krankenschwester Karin Ruder unterstützt chronisch Kranke mit einer auf sie zugeschnittenen Betreuung in enger Abstimmung mit den Ärzten.
Ettenheim - Die Kommunale Gesundheitskonferenz Ortenaukreis (KGK) hat das Projekt "Gesundheitslotsin" am Mittwoch in der Winterschule in Ettenheim vorgestellt und beteiligte Partner sowie Interessierte über das weitere Vorgehen informiert. Ziel ist es, bis Ende 2022 ein sektorenübergreifendes Klientenmanagement für die patientenorientierten Gesundheitszentren im Ortenaukreis zu entwickeln, bei dem chronisch und mehrfach erkrankte Menschen ganzheitlich versorgt werden, heißt es in der Mitteilung des Landratsamts.
Im Rahmen des Projekts unterstütze eine Gesundheitslotsin die Betroffenen in enger Abstimmung mit den Ärzten durch eine intensive, auf sie zugeschnittene Einzelfallbetreuung. Ansprechpartnerin für die in Ettenheim gestartete Pilotphase ist die Gesundheitslotsin und gelernte Krankenschwester Karin Ruder. "Häufig gehen chronische und Mehrfacherkrankungen auch mit sozialen oder finanziellen Problemen einher. Für Betroffene kann es schwer sein, den Überblick über bestehende Angebote, Termine, Behandlungen, Formalitäten und Behördengänge zu behalten", erklärt die Gesundheitslotsin.
Nachdem die Ärzte der Kooperationspraxen einen Unterstützungsbedarf feststellen, leiten sie die Patienten mit deren Einverständnis der Gesundheitslotsin zu, informiert das Landratsamt über den Ablauf. Die Gesundheitslotsin führe zunächst ein Erstgespräch. Daraufhin folge in der Regel ein Hausbesuch, bei dem die Bedarfe und Sorgen erfasst werden. Danach stelle die Gesundheitslotsin gemeinsam mit den Klienten einen Versorgungsplan auf, dessen Umsetzung sie im stetigen Austausch mit den Medizinern begleite. Zusätzlich zur intensiven Einzelfallbetreuung, bestehe auch die Möglichkeit, die Gesundheitslotsin zu kontaktierten, falls Betroffene oder Angehörige einmalige Auskünfte zu vorhandenen Angeboten benötigen, heißt es in der Mitteilung.
Das Projekt sei infolge der Bürgergespräche zur gesundheitlichen Versorgung im Jahr 2019 entstanden. Es werde gemeinsam mit dem Ortenau-Klinikum organisiert und vom Landesgesundheitsministerium gefördert. "Dass es immer mehr ältere und chronisch erkrankte Menschen gibt, gleichzeitig aber ein Nachwuchskräftemangel im gesundheitlichen Sektor herrscht, stellt unser Gesundheitswesen vor große Herausforderungen", so Evelyn Bressau, Leiterin des Gesundheitsamts des Ortenaukreises und fachliche Leiterin der KGK. Dabei könne die bisher praktizierte Trennung zwischen ambulanten und stationären Angeboten für Betroffene herausfordernd sein. "Im Rahmen des Projektes wollen wir die Zusammenarbeit und Vernetzung verbessern", so Bressau weiter.
Im ersten Jahr des Projekts habe das Team vorhandene Strukturen analysiert und Betroffene sowie Ärzte befragt. "Darauf aufbauend haben wir gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe aus lokalen Experten ein Konzept für ein passgenaues sektorenübergreifendes Klientenmanagement entwickelt", berichtet Linda Fuchs, Leiterin des Projekts bei der KGK. Auch die Aufgaben sowie die erforderlichen Qualifikationen und Kompetenzen von Gesundheitslotsen seien erarbeitet und in das Konzept mitaufgenommen worden, das bereits seit Ende April in Ettenheim umgesetzt wird.
"In der nun angelaufenen Pilotphase wollen wir die entwickelten Maßnahmen auf deren Praxistauglichkeit hin prüfen, um schließlich Handlungsempfehlungen ableiten und das Konzept bei Bedarf anpassen zu können", ergänzt Janine Feicke, Leiterin der Geschäftsstelle der KGK. "Danach soll auch die Wirksamkeit des Projekts evaluiert werden, dessen Erkenntnisse als Blaupause für den gesamten Kreis genutzt werden können", so die Geschäftsstellenleiterin weiter.