Über die weiteren Pläne und Maßnahmen bis zur Wiederinbetriebnahme der Talgangbahn hat Panagiotis Ouzounidis, Projektleiter des SWEG Schienenwege GmbH, beim Regionalverband Neckar-Alb berichtet. Die Vermessung der Strecke wird bereits vorbereitet.
Im Radler-Dress war der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer am Freitag zur Verbandsversammlung des Regionalverbands Neckar-Alb in die Technologiewerkstatt gekommen. Begründung: „Eine Bahnverbindung gibt’s ja nicht!“
Das wird er in fünf Jahren nicht mehr behaupten können, wenn das zutrifft, was Panagiotis Ouzounidis, Projektleiter des SWEG Schienenwege GmbH (SSG), in seinem Sachstandsbericht zum Umsetzungsstand der Talgangbahn angekündigt hat. Das Projektbüro Stuttgart, das er zusammen mit Björn Bauer leitet, kümmert sich um Reaktivierungsprojekte, um die Finanzierungsgestaltung, steuert Projekte und berät, und hat dabei die Fachbereiche Umwelt, Oberbau und Konstruktiver Ingenieurbau, die Bahnübergänge und die Oberleitungen im Blick.
Zehn Haltepunkte – alle barrierefrei
Aktuell treibe die SSG die Planung für die Reaktivierung der 8,2 Kilometer langen Talgangbahn-Strecke voran, so Ouzounidis, und zwar in zwei Baustufen. Baustufe eins umfasst den Rückbau der noch liegenden Teile der Strecke, die nie entwidmet worden war, sowie den Neubau von zehn Haltepunkten mit 150 Metern Kantenlänge, barrierefrei benutzbar.
Außerdem müssen in der ersten Baustufe auch die Eisenbahnüberführungen erneuert – „Nicht alles wird abgerissen und neu gebaut!“ – und die 34 Bahnübergänge technisch gesichert werden. Der komplette Oberbau sowie die Leit- und Sicherheitstechnik würden erneuert.
Die Bahnübergangsdichte sei an der Talgangbahn-Strecke eine hohe, so Ouzounidis. Und – das war die schlechte Nachricht – alle Bahnübergänge müssten geändert, teilweise sogar beseitigt werden. Wobei die Änderungen teils komplex seien, damit die Bahnübergänge und auch die angrenzenden Straßenbereiche den aktuellen Sicherheitsvorschriften gerecht würden.
Ouzounidis zeigte Fotos vom aktuellen Zustand der Strecke, die manche überrascht haben mögen: Die Büsche und Bäume entlang der alten Gleise sind teilweise schon ordentlich zurückgeschnitten. Der Grund: Die Vermessungsarbeiten haben bereits begonnen. „Die Vegetation ist sehr komplex und grenzt auch an Schutzgebiete wie das Tailfinger Ried an“, berichtete Ouzounidis und erklärte, dass die Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums Tübingen daran beteiligt sei, die invasiven Arten, die auch vorkämen, zu beseitigen. Für Oktober und November, wenn die Vegetationsperiode beendet sein wird, kündigte Ouzounidis die nächsten Rückschneideaktionen an.
Aktuell sitzt Kompost auf dem Gleis
Außerdem wies er darauf hin, dass die Gleise aktuell als Komposthaufen oder Lagerfläche für Anwohner genutzt werde. Bei der Planung müsse außerdem berücksichtigt werden, dass geschützte Arten entlang der Strecke vorkämen, etwa Gelbbauchunken am Bahnhof Onstmettingen.
Der Zeitleiste zufolge, die Ouzounidis vorlegte, sollen die vorbereitenden Maßnahmen bis Frühjahr 2026 abgeschlossen sein, die Entwurfs- und Genehmigungsplanung bis Ende 2026. Danach geht es ins Genehmigungsverfahren und ab Ende 2027 in die Ausführungsplanung.
Für die Vergabe der Planungsleistungen habe die SSG drei Pakete geschnürt, was laut Eugen Höschele, dem Verbandsvorsitzenden des Regionalverbands, einen zusätzlichen Vorteil mit sich bringe: So könnten auch örtliche Unternehmen gezielt eingebunden werden – das diene der regionalen Wertschöpfung.