Die Rockband „Blue Stuff“ lässt es ausklingen. Foto: Marzell Steinmetz

Am Schluss ist im Kloster nochmals abgerockt worden: Es war am Samstag die letzte Veranstaltung des Projekts Zukunft.

Mit dabei waren viele Freunde, Weggefährten und Besucher, für die es vor dem Programm einen Stehempfang und Buffet gab.

 

Gekommen war auch Oberbürgermeister Peter Rosenberger. Eine Abschiedsrede hätte er am liebsten nicht gehalten. „Sie machen weiter und wir erhöhen die Zuschüsse.“: Das wäre für ihn eine wirtschaftlich, aber auch inhaltlich gute Lösung für die Kulturarbeit im Kloster gewesen. So einfach sei es nicht, die Lücke zu schließen. Das habe man erkannt und sei in Sorge, wie das, was das Projekt Zukunft aufgebaut habe, weitergeführt werden könne.

Kloster darf keine leere Hülle sein

Es geht jedenfalls weiter: „Das Kloster darf keine leere Hülle sein“, stellte der OB klar, nur werde das Kraft und Geld kosten. Was bisher ehrenamtlich getan worden sei, müsse nun hauptamtlich erledigt werden. Dabei solle „grundsätzlich alles so bleiben, wie es ist“.

Die Salsa-Gruppe zeigt einen Rundtanz. Foto: Marzell Steinmetz

Die Stadt stellt jetzt eine Kulturmanagerin an, die, so Rosenberger, am 2. Januar kommenden Jahres ihren Dienst beginnt. Er zollte großen Respekt dafür, was das Projekt Zukunft für Horb und Umgebung gemacht hat. Mitgebracht hatte Rosenberger nichts. Stattdessen lud er die Kulturschaffenden zu einer Stocherkahnfahrt auf dem Neckar ein. Dabei appellierte er: „Zieht euch nicht zurück, unterstützt weiter die Kulturarbeit in der Stadt.“

OB Peter Rosenberger zollt Respekt für die Kulturarbeit. Foto: Marzell Steinmetz

„Ihr habt Horb über seine Grenzen hinaus jahrzehntelang mitgeprägt“, stellte Iris Müller-Nowack, Leiterin der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB), fest. Dass das Projekt Zukunft 40 Jahre lang durchgehalten habe, sei eine „großartige Sache“. Anfangs habe Skepsis bestanden, was „die denn machen“ und ob eine katholische Einrichtung mit dem Projekt Zukunft überhaupt kooperieren könne. Es hat funktioniert: Die KEB-Leiterin erinnerte an gemeinsame Veranstaltungen unter anderem zum Thema Waldsterben oder die Ausstellung „Weltethos“. Dem Projekt Zukunft bescheinigte sie, politische Verantwortung übernommen zu haben. Kultur sei schön, verursache aber auch viel Arbeit. „Die Arbeit seid ihr hoffentlich los, das Schöne darf bleiben. Wir freuen uns auf eine weitere Zusammenarbeit“, versicherte Iris Müller-Nowack.

Rückblick auf jene Zeit, als alles begann

Wie alles 40 Jahren begann, erzählte Helmut Loschko. Er hatte ein Köfferchen mit Erinnerungsstücken dabei. Daraus zog er Kasperlefiguren hervor. Mit Kasperleaufführungen ging es los. 1985 wurde die Gaststätte Maier in Nordstetten zur Heimat des Projekts Zukunft. „Do trifft man gute Leut’“, heißt es in dem Hit, den die Kultband „Second Adventure“ fürs „Maier“ komponiert hatte. Von dort ging es 1991 bis 1999 ins Talhaus in Horb, bevor der Umzug ins Kloster folgte. Kneipenwirt Helmut Loschko erwarb sich in diesen Zeiten den Namen „friedensbewegter Klosterbruder“.

Helmut Loschko erzählt über die Anfänge des Projekts Zukunft. Foto: Marzell Steinmetz

Genüsslich erzählte er, wie er als Plakatüberkleber auch mal mit der Polizei zu tun bekam und bei der Aufnahme seiner Personalien sogar sein Hund mit aufgeschrieben wurde. Loschko konnte viele Anekdoten erzählen. „Für mich war es ein lebendiger, bunter Lebensabschnitt, der jetzt nicht zu Ende geht, er verändert sich nur“, zog er eine persönliche Bilanz. Pläne gibt es weiterhin. So soll es 2025 einen Beitrag zu dem prominenten Horber Sebastian Lotzer und den Bauernkriegen von 1525 geben.

Das Programm

Ewald Loschko
, der die Veranstaltung moderierte, stellte Kunst und Kultur unter einen politischen Aspekt. Damit werde der Gesellschaft einen Spiegel vorgehalten sowie ein Beitrag zur politischen Vielfalt und dem friedlichen Zusammenleben in Horb geleistet. Loschko: „Unser Programm war bunt, lebendig und keine braune Soße.“

Kostproben
Davon gab es zwischen den Reden einige Kostproben zu sehen und zu hören, so von der Salsa-Tanzgruppe, die einen Rundtanz aufführte. Das Theaterprojekt Zukunft zeigte Ausschnitte verschiedener Aufführungen mit gesellschaftskritischen Themen.

Walle Sayer
, der von Anfang an mit am Projekt Zukunft beteiligt war, las Prosagedichte vor. „Horbakustix“ mit Martin vom Ende (Geige) und Patrick Bär (Gitarre) spielte folkloristische Tanzmusik.

Oben
war das Buffet inzwischen geleert.

Fetziger Rock
Jetzt konnte mit der Gruppe „Blue Stuff“ weiter gefeiert werden. Bei fetzigem Rock mit Titeln aus den 1970er- und 1980-Jahren hatte sich die Tanzfläche gefüllt.