Mit einer Plastikkarte beziehungsweise einer App wollen die Stadt Dornstetten und der HGV gemeinsam dem Onlinehandel den Kampf ansagen – und gleichzeitig die Innenstadt beleben. Fördergelder für das Projekt, das viele weitere Möglichkeiten bietet, werden beantragt.
Eine sogenannte Dornstetten-Card, ein digitaler Gutschein, soll künftig als wirkungsvoller Gegenpol zum Onlinehandel den örtlichen Handel stärken, die Innenstadt beleben, die Bindung der Bewohner für den Einkauf vor Ort fördern und Möglichkeiten bieten, dass Angebote und Veranstaltungen, später unter anderem auch von Vereinen und Kirchen, besser publik gemacht werden können.
Der Gemeinderat gab in seiner jüngsten Sitzung bei einer Enthaltung grünes Licht für eine entsprechende Anschubfinanzierung der „Smart-City-Card“, die alle digitalen Kartenanwendungen in Städten und Gemeinden vereint.
Fördergelder für die Kostenübernahme in Höhe von 70 Prozent würden beantragt, sagte Ellen Brede-Lenk, Leiterin Tourist-Information, Kulturamt, Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung, spätestens zum Jahresende. Wobei der Fördermittelgeber – das Landeswirtschaftsministerium mit seinem Sofortprogramm Einzelhandel/Innenstadt – ihrer Kenntnis nach für die Umsetzung sechs bis sieben Monate einräume, so Brede-Lenk.
HGV befürwortet Projekt
Die Amtsleiterin betonte, wie auch Bürgermeister Bernhard Haas, dass das Projekt nur mit Fördergeldern umgesetzt werde. Zudem sei klar, dass die Stadt dafür kein neues Personal einstelle. Auch Hauptamtsleiter Oliver Zwecker merkte an, dass sich das Ganze „arbeitstechnisch im Rahmen halten“ müsse.
Der Dornstetter Handels- und Gewerbeverein (HGV) befürwortet die Karteneinführung, wie Vorsitzender Gerhard Rummel in einem kurzen Statement deutlich machte.
Insgesamt geht es, so erläuterte Ellen Brede-Lenk, um Gesamtkosten von rund 53 000 Euro. Nach erhaltener Förderung bleibe ein Eigenanteil von etwa 16 000 Euro.
Gespräche mit Sponsoren
Der HGV sehe es als selbstverständlich an, die Kosten zu übernehmen, die den digitalen Gutschein beträfen. Rummel habe Gespräche geplant, um zu erreichen, dass ein Teil dieser Kosten sowie der jährlichen Fixkosten von 1950 bis 2550 Euro netto für das System durch Sponsoren abgedeckt werde, so Brede-Lenk. Dann läge der Eigenanteil der Stadt noch bei geschätzten 8850 Euro. Jährliche Folgekosten seien mit bis zu maximal 2550 Euro, je nach Sponsorenlage und anteiliger Übernahme durch den HGV, zu beziffern.
Im Haushalt seien, so Brede-Lenk weiter, 10 000 Euro für Maßnahmen der Innenstadtberatung angemeldet. Denn derzeit sei die Innenstadtberaterin Julia Sengotta bereits vor Ort tätig. Diese habe im Einvernehmen mit der Aktionsgruppe für die „Dornstetten-Card“ Kontakt zu unterschiedlichen Anbieterfirmen aufgenommen, um die Karteneinführung zu realisieren. Dabei habe die Firma Trolleymaker aus Karlsruhe überzeugt.
20 Städte machen mit
Deren Geschäftsführer Dieter Deninger erläuterte in der Ratssitzung Einzelheiten des Kartensystems. In einer kurzen Bilanz ließ er die erfolgreiche erste Einführung einer solchen Karte im Jahr 2019 in Landshut Revue passieren. Die Stadt Lahr (Ortenaukreis) sei inzwischen auch mit dabei, demnächst auch Balingen (Zollernalbkreis). Insgesamt laufe das Projekt in 20 Städten, und dies sehr erfolgreich: Umsätze im Einzelhandel seien um ein Vielfaches gestiegen, so Deninger.
Karte bietet viele Verwendungsmöglichkeiten
Das Bezahlsystem
Laut Dieter Deninger kann jeder Nutzer entscheiden, ob er eine Plastikkarte oder aber eine App via Smartphone als Bezahlsystem im Handel nutzen will. Das System laufe in Echtzeit, Buchungen könnten jederzeit verfolgt werden, und es sei kein zusätzliches Endgerät nötig.
Möglichkeiten
Mit der Karte hätten die Anbieter über den reinen Handel hinaus die Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen, Werbung anzubieten und besondere Aktionen zu verbreiten. Seine Firma unterstütze die Teilnehmer bei der Akquise, so Deninger. Auch das bisherige Gutscheinsystem auf Papier könne, wer wolle, online ersetzen. Deninger nannte weitere Nutzungsoptionen der Karte: als Bonuskarte zum Einkaufen, als Mitarbeiterkarte, als digitales Gutscheinsystem, für öffentliche Einrichtungen, für den Tourismus, als Ehrenamtskarte und als Sozialpass.
Sicherheit
Deninger betonte, dass seine Firma jeweils einen Vertrag mit der Stadt habe, die Daten dürften nicht weiterverkauft werden. 14-tägig gebe es außerdem ein sogenanntes Clearing, damit die Händler ihr Geld bekämen. Die Firma bleibe in Kontakt mit den teilnehmenden Städten und sei einmal pro Monat vor Ort.